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Nordkorea kündigt Abrüstung an «Es ist nicht realistisch, dass Kim sein Atomprogramm aufgibt»

Legende: Audio «Ein Treffen wäre eine Anerkennung von Kims Regime» abspielen. Laufzeit 3:40 Minuten.
3:40 min, aus HeuteMorgen vom 09.03.2018.

Donald Trump hat eine Einladung von Kim Jong-un angenommen. Es wäre das erste Treffen eines US-Präsidenten mit einem nordkoreanischen Machthaber. Ein Treffen auf Augenhöhe mit einem amerikanischen Präsidenten wäre eine Sensation, wie Martin Aldrovandi im Gespräch erklärt.

Martin Aldrovandi

Martin Aldrovandi

Nordostasien-Korrespondent, SRF

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Martin Aldrovandi ist seit 2016 Korrespondent für Radio SRF in Nordostasien mit Sitz in Schanghai. Zuvor hatte er mehrere Jahre lang als freier Journalist aus dem chinesischsprachigen Raum berichtet.

SRF News: Wie bewerten Sie das angekündigte Treffen?

Martin Aldrovandi: Es wäre tatsächlich historisch. Vor 20 Jahren besuchte US-Aussenministerin Madeleine Albright den Vater von Kim Jong-un. Bill Clinton war auch schon in Nordkorea, aber damals war er schon nicht mehr US-Präsident. Ein Treffen zwischen Trump und Kim ist eine Sensation – einerseits weil Kim sich mit Trump treffen will, andererseits weil Trump auch noch zustimmt. Das ist sicher zuerst einmal positiv zu werten.

Ein Treffen zwischen Trump und Kim ist eine Sensation.

Der Konflikt zwischen den beiden Ländern hat sich in den letzten Monaten zugespitzt. Weshalb macht Kim nun diese Kehrtwende?

Dazu gibt es verschiedene Erklärungsansätze. Eine ist, dass die verschärften Sanktionen gegenüber Nordkorea nun ihre Wirkung zeigen und das Land sich langsam aus der Isolation befreien will. Kim hatte bereits zur Jahreswende eine Charmeoffensive gegenüber Südkorea gestartet. Zudem besuchte seine Halbschwester die Olympischen Winterspiele in Südkorea. Schliesslich lud er den südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-in zu einem Treffen nach Nordkorea ein und erst vor kurzem der Empfang einer südkoreanischen Delegation. Insofern wäre ein Treffen mit Trump ein weiterer Schritt in Richtung Dialog.

Für die nordkoreanische Führung wäre ein solches Treffen auch eine gewisse Anerkennung ihres Regimes.

Für die nordkoreanische Führung wäre ein solches Treffen auch eine gewisse Anerkennung ihres Regimes. Kim könnte sich dann mit einem US-Präsidenten auf Augenhöhe treffen. Das wäre etwas, was sein Vater und Grossvater nicht geschafft haben.

Nordkorea verspricht eine atomare Abrüstung. Wie glaubhaft ist das?

In der Vergangenheit gab es Versprechungen von Nordkorea. Als beispielsweise George W. Bush US-Präsident war, willigte Pjöngjang ein, einen Teil seines Atomprogramms einzufrieren. Später liess es dann trotzdem wieder Raketen testen. Deshalb ist sicher Skepsis angebracht.

Dass Nordkorea sein Atomprogramm völlig aufgeben wird, ist nicht realistisch.

Die US-Regierung hat bereits klar gemacht, dass die verschärften Sanktionen beibehalten würden. Dass Nordkorea sein Atomprogramm völlig aufgeben wird, ist nicht realistisch, denn es ist einerseits die Lebensversicherung des Regimes und andererseits hat dieses sehr viel Geld und Zeit in das Programm investiert.

Wie reagieren die asiatischen Länder auf das angekündigte Treffen?

Südkorea hat es begrüsst. Präsident Moon Jae-in bezeichnete es als historischen Meilenstein. Er setzt auf Dialog mit Nordkorea, insofern wäre ein Treffen zwischen Trump und Kim auch eine Bestätigung seiner Politik. Chinas Aussenminister sagte bereits gestern, die USA und Nordkorea sollten sich so bald wie möglich zu Gesprächen treffen. In Japan dagegen ist man eher skeptisch. Premierminister Shinzo Abe sagte, Japan werde den maximalen Druck auf Nordkorea aufrechterhalten.

Das Gespräch führte Salvador Atasoy.

Treffen in der Schweiz?

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Die Schweiz begrüsst das angekündigte Treffen. Ob ein solches in der Schweiz stattfinden könnte, ist noch unklar.

Die Schweiz sei mit allen beteiligten Parteien im Gespräch, erklärte das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Das Angebot der Schweiz sei bestens bekannt. Es sei aber an den beteiligten Parteien zu entscheiden, wann und wo sie Gespräche führen wollten.

Bundespräsident Alain Berset hatte im Februar an den Olympischen Spielen in Südkorea Vertreter Nordkoreas getroffen und die Bedeutung eines Dialogs zwischen dem Süden und dem Norden hervorgehoben.

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11 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Warum sollte ausgerechnet Nordkorea (und der Iran) sich atomar dauernd entwaffnen lassen, solange andere gar auch kleinere Laender wie gar Israel nicht auch atomar abgeruestet werden?....
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  • Kommentar von Walter Wieser (Walt)
    Was wieder einmal beweist das "Frieden durch Staerke" halt doch funktioniert. Die Armada vor seiner Haustuere und die harten Sanktionen zeigen langsam Wirkung. Hoffen wir das Kim einsieht das er nicht gegen die ganze Welt arbeiten kann. Wenn einer das erreichen kann ist es Trump. Und noch etwas: wenn der Praesident der USA Obama heissen wuerde, waere sofort ein Friedensnobelpreis auf dessen Brust geklatscht worden. Da es nur Trump ist wird dies Angelegenheit keine hohen Wellen werfen.
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  • Kommentar von Fritz Niederhauser (Fritzio)
    Lassen wir die zwei mal zusammen kommen, auch wenn sie nur über Gott und die Welt diskutieren. Mindestens haben sie sich mal getroffen und zusammen geplaudert. Das ist für mich ein grosser Schritt vorwärts.
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    1. Antwort von Beat Gurzeler (B.Gurzeler, alias Rollstuhlrocker)
      Herr Niederhauser: Ich stimme Ihnen zu und sage auch dann weiterschauen.
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