Pjöngjang rüstet weiter auf Nordkoreas Atomwaffen: UNO in Sorge, China droht, USA handeln

IAEA-Chef Amano

Bildlegende: Besorgter Blick nach Nordkorea: Die Sicherheitsbedenken von IAEA-Chef Amano reichen über die Region hinaus. Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • «Alle Indizien zeigen uns, dass Nordkorea» bei der Entwicklung seines Atomarsenals Fortschritte macht, sagt der Chef der internationalen Atomenergiebehörde.
  • Daraus resultierende Sicherheitsbedenken gingen über die Region hinaus, betont er.
  • Das US-Repräsentantenhaus hat sich am Donnerstag fast einstimmig für schärfere Sanktionen gegen Nordkorea ausgesprochen, die insbesondere die Schifffahrtsindustrie des Landes mitsamt seinen Geschäftspartnern treffen sollen.

Mit wachsender Sorge verfolgt die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) der Vereinten Nationen die atomaren Ambitionen Nordkoreas. «Wir haben Anhaltspunkte, dass das Nuklearprogramm so vorangeht, wie Nordkorea es verkündet», sagte IAEA-Chef Yukiya Amano der «Süddeutschen Zeitung».

Bei ihrer Einschätzung der Situation stützt sich die IAEA auf Satellitenbilder. Denn die Experten der UNO-Behörde mit Sitz in Wien dürfen nicht in das abgeschottete Land einreisen. 2009 wurden IAEA-Inspektoren von Pjöngjang des Landes verwiesen.

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China gegen atomare Aufrüstung Nordkoreas

2:11 min, aus Tagesschau vom 28.4.2017

«Grosse, grosse Katastrophe»

«Alle Indizien zeigen uns, dass Nordkorea Fortschritte macht. Und das bereitet uns Sorgen», betont Amano. Die daraus resultierenden Sicherheitsbedenken gingen über die Region hinaus.

Der Konflikt um das nordkoreanische Atomprogramm hatte sich in den vergangenen Wochen zugespitzt. US-Präsident Donald Trump warnte jüngst vor einer «grossen, grossen Katastrophe». Das isolierte kommunistische Regime unternahm einen neuen Raketenstart, der jedoch fehlschlug.

Schärfere US-Sanktionen in Vorbereitung

Trotz mehrerer UNO-Verbotsresolutionen treibt die nordkoreanische Führung das Atomprogramm des Landes voran und entwickelt Raketen, die neben Südkorea und Japan auch die US-Küste erreichen könnten. Trump hatte schon während des Wahlkampfes gesagt, dass er bereit sei, Kim Jong Un zu treffen.

Trump-Tweet über den Fall Nordkorea

Der US-Kongress will derweil Nägel mit Köpfen machen. Das Repräsentantenhaus hat sich fast einstimmig für schärfere Sanktionen gegen Nordkorea ausgesprochen. Mit nur einer Gegenstimme billigte die Kongresskammer am Donnerstag die Strafmassnahmen, die verstärkt die Schiffsindustrie des abgeschotteten Landes ins Visier nehmen.

Senat muss noch zustimmen

Die Befürworter der Sanktionen wollen damit in Pjöngjang ein klares Zeichen setzten, nachdem sich zuletzt der Streit über das nordkoreanische Atom- und Raketenprogramm verschärft hatte. Die Massnahmen, die sich auch gegen Geschäftspartner Nordkoreas richten, müssen noch vom Senat verabschiedet werden.

Nordkorea treibt sein Atom- und Raketenprogramm trotz internationaler Kritik und bereits verhängter Sanktionen voran. Als Reaktion auf die jüngsten Raketentests verhandeln die USA Diplomatenkreisen zufolge mit China auch über eine Verschärfung von Strafmassnahmen der Vereinten Nationen.

Peking droht Nordkorea

China wird nach Zeitungsangaben «auf beispiellose Weise» auf einen neuen Atomtest Nordkoreas reagieren. Wie die vom kommunistischen Parteiorgan «Volkszeitung» herausgegebene «Global Times» am Freitag in einem Kommentar schrieb, sollte Peking nicht zögern, Pjöngjang diese Botschaft zu übermitteln.
Das Blatt wies die jüngste, ungewöhnlich direkte Kritik der amtlichen nordkoreanischen Nachrichtenagentur KCNA an China als «hyper-aggressiv» zurück und sprach von einer «irrationalen Logik» hinter dem nordkoreanischen Atomprogramm. Pjöngjang verstehe auch nicht die tiefe Sorge, die in Peking wegen der potenziellen Gefahren eines Atomversuchs für die Menschen in Nordchina bestehe.

Disput mit China

Die Volksrepublik ist traditionell mit Nordkorea verbündet, hatte das kleine Nachbarland aber zuletzt wiederholt zur Mässigung aufgefordert. Die Führung in Pjöngjang reagierte mit einem ungewöhnlich harschen Ton gegenüber seinem Bündnispartner.

US-Präsident Donald Trump hat einen Angriff nicht auf Nordkorea ausgeschlossen. Er erklärte aber auch, er setze auf eine nichtmilitärische Lösung. Die USA und andere Staaten haben unlängst Kriegsschiffe in die Region verlegt.