Nordkoreas Botschafter in Genf geht in die Info-Offensive

Normalerweise kommuniziert das nordkoreanische Regime über dürre Mitteilungen der staatlichen Nachrichtenagentur. Interviews und Medienkonferenzen sind unvorstellbar, Reden der Machthaber rar. Nun hat Nordkoreas Botschafter in Genf zu einem Mediengespräch gebeten. SRF war dabei.

Nordkoreas Botschafter So Se Pyong an der Medienkonferenz in Genf.

Bildlegende: Nordkoreas Botschafter So Se Pyong an der Medienkonferenz in Genf. Keystone

Das eiserne Tor steht ausnahmsweise weit offen. Zwei Frauen in bunter Nationaltracht weisen, wortlos lächelnd, in den begrünten Hof. Keine Ausweis-, keine Sicherheitskontrolle. Nicht in der Botschaftsvilla, sondern im modernen Schuhschachtelbau daneben, findet die Medienkonferenz statt. Es ist die erste seit vielen Jahren. Eingeladen sind die «lieben Uno-Korrespondenten».

Der Saal, wo die Medienkonferenz stattfindet, wirkt skurril. Verdunkelte Fenster, Pültchen wie in einer Schule, an den Wänden Gemälde vom «Grossen Führer» Kim Il-Sung mit strahlenden Kindern und vom «Lieben Führer» Kim Jong-Il im Sonnenuntergang. Dazwischen Fotos von startenden Raketen, exerzierenden Schiffen, paradierenden Panzern.

Medienauftritt mit Seltenheitswert

Pünktlich auf die Minute erscheint, ganz in schwarz, Botschafter So Se Pyong, kahl, freundlich lächelnd. Kameragewitter: Ein Medienauftritt des Spitzendiplomaten aus Pjöngjang hat Seltenheitswert. Als die Fotografen ihn bitten, zu posieren, wimmelt er ab: Sein Gesicht sei unwichtig. Wichtig sei, was er zu sagen habe.

Dann entschuldigt er sich für fehlende technische Installationen. Es sei unüblich, hier Medienkonferenzen abzuhalten. Oder das, was Nordkorea unter einer Medienkonferenz versteht. Es beginnt ein stündiger Monolog des Botschafters.

Im Frühjahr sei es in Korea um ein Haar zum Krieg gekommen. Weil die USA sein Land nuklear bedroht hätten, während der Grossmanöver mit Südkorea. Er spricht gar von einem atomaren «Showdown» zwischen den USA und Nordkorea. Seither habe sich die Lage zwar etwas beruhigt. Seine Regierung sei, kündigt er an, zur Wiederaufnahme der Sechsparteiengespräche bereit. Oder zu jeder andern Formen des Dialogs.

Allerdings: unter Bedingungen. Führten die USA im August tatsächlich gemeinsam mit Südkorea neuerliche Kriegsspiele durch, wie er sie nennt, dann drohe ganz akut ein Krieg.

Die USA missbrauchten Südkorea, sagt Botschafter So, für ihre miltiärische Expansionsstrategie in Ostasien. Sie würden letztlich, behauptet er, die südkoreanischen Brüder als Kanonenfutter opfern.

Nordkorea hingegen wolle Frieden: nicht bloss einen Waffenstillstand, sondern ein echtes Friedensabkommen mit Amerika. Warum wohl die USA auf dieses Angebot nicht einstiegen, fragt er rhetorisch. Nun, das gebe er den Journalisten als Hausaufgabe mit.

Kanonen wichtiger als Kartoffeln

Seine mäandrierende Rede gelangt dann zur Entwicklung seines Landes. Zunächst und wider jede Realität beteuert er, Nordkorea baue in gleichen Masse seine Wirtschaft und seine Armee auf. Macht aber schon im nächsten Satz klar: Kanonen sind Pjöngjang wichtiger als Kartoffeln. Souveränität sei Alles.

Dank enormer Rüstungsanstrengungen fühlten sich die Nordkoreaner inzwischen sicher. Undenkbar, dass Washington heute seine Heimat angreife – das Risiko wäre viel zu hoch. Um das zu erreichen, seien Atomwaffen unverzichtbar. Man werde die unter Entbehrungen gebauten Atombomben einzig aufgeben, wenn die USA ihren Kurs gegenüber Nordkorea radikal änderten und Sicherheitsgarantien abgäben.

Kaum Zeit für Fragen

Am Ende tut Botschafter So Se Pyong ein bisschen zerknirscht: Er habe leider lang sprechen müssen, habe deshalb bloss noch Zeit für genau fünf Fragen.

Jene nach den Sanktionen beantwortet er entschieden: Ja, sie schmerzten. Doch fast Zeit seines Lebens, er sei nun 63, versuchten die Amerikaner, seinen Mitbürgern das Leben schwer zu machen. Trotzdem habe man einen grossartigen sozialistischen Staat aufgebaut.

Der Frage, ob nicht auch China von Pjöngjang den Verzicht auf Atombomben fordere, weicht er aus. Ob ein neuer Atomtest bevorstehe, das sagt er nicht. Und jene nach den Menschenrechten wischt er ruppig beseite: Hier sei nicht der Ort, darüber zu reden. Besinnt sich dann aber darauf, dass er ja medienfreundlich auftreten wollte. Es würde einfach zu lange dauern, darüber zu reden. Das tue man ein andermal.

Verspricht er damit eine weitere Medienkonferenz? Vielleicht im nächsten Jahrzehnt...

Nordkorea krebst zurück

Nordkorea hat überraschend einen Gesprächsvorschlag an Südkorea vorerst auf Eis gelegt, nachdem das Land vor rund 24 Stunden erst zugesagt hatte. Thema wäre die Wiederaufnahme von Treffen zwischen getrennten Familienangehörigen gewesen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Militärparade in Pjöngjang

    Nordkorea will wieder verhandeln

    Aus Echo der Zeit vom 25.5.2013

    Seit Monaten provoziert Nordkorea die Welt. Plötzlich will Nordkorea wieder an den Verhandlungstisch. Was ist davon zu halten? Leider wenig, meint Mark Fitzpatrick von der internationalen Strategie-Denkfabrik IISS.

    Fredy Gsteiger

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    US-Aussenminister Kerry warnt Nordkorea

    Aus Echo der Zeit vom 12.4.2013

    Sollte Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un beschliessen, eine Mittelstrecken-Rakete abzuschiessen, wäre dies eindeutig ein provokativer Akt, sagte Kerry anlässlich eines Besuchs in Südkorea. Die Obama-Regierung erhöht den Druck auf Nordkorea.

    Beat Soltermann

  • Ein F-22-Kampfjet der US-Armee, am 1. April auf einem südkoreanischen Luftwaffenstützpunkt.

    Gescheiterte Nordkorea-Politik der Weltgemeinschaft

    Aus Echo der Zeit vom 2.4.2013

    Seit Jahr und Tag erklärt die Weltgemeinschaft Nordkorea Atomarsenal als unerträgliche Bedrohung und reagiert mit Sanktionen. Dabei kommt es den Grossmächten USA und China strategisch gerade recht, das Pjönjang auf Konfliktkurs bleibt.

    Fredy Gsteiger

  • Nordkoreas Atomkraftwerk Yongbyon - auf einem Bild von 1992. Kim Jong Un drohtt, es wieder in Betrieb zu nehmen.

    Nordkorea schöpft sein Droh-Potenzial voll aus

    Aus Echo der Zeit vom 2.4.2013

    Nordkorea rasselt weiterhin mit allen Säbeln. Nach der Ankündigung, das Arsenal von Atomwaffen zu erweitern, will Nordkorea nun auch seinen einzigen Plutionium-Reaktor wieder in Betrieb nehmen.

    Daniel Voll

  • Die Uno bestraft den mit Atomwaffen drohenden Staat Nordkorea mit scharfen Sanktionen.

    Scharfe Uno-Sanktionen gegen Nordkorea

    Aus Echo der Zeit vom 7.3.2013

    Drei Wochen nach dem jüngsten Atomtest in Nordkorea verschärft der Uno-Sicherheitsrat einstimmig seine Sanktionen gegen das kommunistische Land.

    Joe Schelbert