Norwegen fürchtet Terroranschläge

Die norwegische Regierung hat einen ungewöhnlichen Schritt gewagt: Sie warnt die Bevölkerung vor einem möglichen Terroranschlag. Islamistische Kämpfer würden einen Angriff planen. Im Visier sollen sie die Öl- und Gasindustrie des Landes haben.

Zwei Polizisten gehen nebeneinander ausserhalb des Terminals des Osloer Flughafens.

Bildlegende: Seit der Terrorwarnung patrouillieren mehr Sicherheitskräfte an Flughäfen und Bahnhöfen. Keystone

Islamistische Terroristen sollen nach Angaben des norwegischen Geheimdienstes auf dem Weg nach Norwegen sein. Sie wollten dort einen Anschlag verüben.

«Wir haben Informationen bekommen, dass eine Gruppe Personen mit dem Ziel aus Syrien ausgereist ist, einen Terrorangriff im Westen durchzuführen, und Norwegen wurde konkret genannt», sagte Jon Fitje Hoffmann, Analysechef des Sicherheitsdienstes PST, dem norwegischen Fernsehen am Freitag. «Wir arbeiten daran, die Information aufzuklären und zu verifizieren.»

Den Angaben zufolge sollen der Gruppe auch Personen aus Norwegen angehören, die nach Syrien gereist waren, um dort zu kämpfen. Mögliches Ziel seien Förderanlagen der norwegischen Öl- und Gasindustrie, insbesondere der staatliche Konzern Statoil.

Das Innenministerium hatte bereits am Donnerstag vor einer möglichen Terroraktion von Islamisten in Norwegen in den nächsten Tagen gewarnt. Mit der Warnung wolle die Regierung einerseits die Gruppe abschrecken, erklärt Nordeuropa-Korrespondent Bruno Kaufmann im Gespräch mit SRF.

Verschärfte Sicherheitspräsenz spürbar

Andererseits hatten die Norweger erst am Dienstag den Terroranschlägen von Anders Behring Breivik in Oslo und auf Utøya vor drei Jahren gedacht. In diesem Zusammenhang kam immer wieder Kritik gegen Behörden und Regierung auf, nicht vorbereitet gewesen zu sein. Mit der Warnung solle der Bevölkerung gezeigt werden, dass sich das geändert habe und man vorbereitet sei, so Kaufmann.

In den Städten, an Bahnhöfen aber auch an den Landesgrenzen seien vermehrt bewaffnete Polizisten unterwegs, beschreibt Kaufmann das öffentliche Leben in Norwegen. Auch würden Züge untersucht und Sehenswürdigkeiten seien geschlossen. Die meisten Norweger hielten sich aber wohl nun irgendwo in einem Häuschen am See oder am Meer auf, «das Land steht mitten in den Sommerferien».

Kritik an Terrorwarnung

Die Bevölkerung ist laut Kaufmann froh zu wissen, dass die Behörden nun besser vorbereitet sind. Das Trauma von Utøya werde wieder ein bisschen spürbar. Es gebe aber auch kritische Stimmen: «Es wird darauf hingewiesen, dass der zuständige Justizminister der rechtspopulistischen Fortschrittspartei angehört», sagt der Korrespondent. In deren Jugendorganisation war der verurteilte Massenmörder Breivik früher Mitglied.

«Dennoch denke ich, dass die Terrorwarnung aufgrund von professionellen Informationen herausgegeben wurde», so Kaufmann. Doch gegen eine kleine Gruppe, die nach Norwegen gelangen wolle, könne angesichts der 3500 kilometerlangen Grenze zu Schweden nicht viel ausgerichtet werden. «Was nun gemacht wird, kommt einer Art Stichprobe gleich.» In einer offenen und freiheitlichen Gesellschaft gebe es keine absolute Sicherheit.

Gefährliche Rückkehrer

Schweden und Dänemark änderten ihre Sicherheitseinschätzung nicht, verweisen aber ebenfalls darauf, dass von den Rückkehrern aus dem syrischen Bürgerkrieg eine Gefahr ausgehen könne. In Norwegen wird die Zahl militanter Islamisten, die nach Syrien gereist sind, auf 50 geschätzt, in Dänemark auf 100 und in Schweden auf 200.