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Not in Lagern auf Lesbos Droht ein neues Aufflammen der Flüchtlingskrise?

Lange war es um die Flüchtlingsinseln in der Ostägäis verhältnismässig ruhig. Doch nun steht der Winter vor der Tür.

Legende: Audio Flüchtlingscamp Moria: Böse Erinnerungen werden wach abspielen.
9:16 min, aus SRF 4 News aktuell vom 16.10.2017.
  • Der Bürgermeister von Lesbos hat dem griechischen Parlamentspräsidenten geschrieben.
  • Diesen Winter könne es zu einer Flüchtlingskrise wie der im Jahr 2015 kommen, warnt er.
  • Helfer, die im Lager Moria im Einsatz sind, sagen, die Zustände seien kaum zu ertragen.

Sie habe schon viel gesehen, sagt Louise Roland-Gosselin. Sie koordiniert in Athen die Arbeit von rund 250 Mitarbeitern von «Ärzte ohne Grenzen». Roland-Gosselin hat in Kriegs- und Konfliktgebieten gearbeitet. Aber das, was sie im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos gesehen habe, habe sie schockiert, sagt sie.

Das geht auch Rodothea Seralidou so. Sie arbeitet als Journalistin in Griechenland und hat die Flüchtlingslager auf den ägäischen Inseln besucht – auch das berüchtigte Camp Moria. Die Zustände dort seien besorgniserregend, bestätigt sie. «Der Grund dafür ist, dass in letzter Zeit wieder vermehrt Flüchtlinge auf den griechischen Inseln ankommen.» Allein im September waren es 2000 Menschen. Die meisten von ihnen gingen in Lesbos an Land.

Die Angst ist gross, dass die Türkei den Flüchtlingsdeal mit der EU aufkündigt und die Kontrollen vor ihrer Küste seinlässt.
Autor: Rodothea SeralidouJournalistin

Davor hatte es Tage gegeben, an denen kein einziger Migrant ankam, weiss Seralidou. Doch nun seien die Lager wieder mehr als voll. Das habe den Bürgermeister von Lesbos veranlasst, einen warnenden Brief nach Athen zu schicken. Denn die Lager winterfest zu machen, obliegt der zentralen Regierung.

Laut Menschenrechtsorganisationen ist davon momentan aber noch nicht viel zu sehen. Das weckt böse Erinnerungen. «Wir haben hier alle noch die Bilder vom letzten Winter vor Augen», sagt die Journalistin. «Bilder von zugeschneiten Zelten, von Menschen, die starben, weil sie in ihrem Zelt Feuer gemacht hatten, um sich aufzuwärmen.» Dass sich dies wiederhole, sei nicht auszuschliessen.

Hinzu komme: «Die Angst ist gross, dass die Türkei den Flüchtlingsdeal mit der EU aufkündigt und die Kontrollen vor ihrer Küste seinlässt.» Das würde bedeuten, das die Flüchtlingszahlen in Griechenland noch einmal massiv ansteigen würden.

30 Kommentare

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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Aus einem Bericht der Tagesschau.de geht hervor , dass Deutschland 83 Millionen für die Flüchtlinge in Griechenland zahlt. Das war im Sommer 2016. Die Summe ist bestimmt in ähnlicher Höhe geblieben. Von diesen Geldern muss es doch möglich sein, einfache Winterunterkünfte zu bauen. Aber hier fehlt es an Überwachung und Organisation. Die EU zahlt und damit hat sich ihre Hilfe erledigt.Übrigens an die Türkei gehen für wesentlich mehr Flüchtlinge 110 Millionen.
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Deutschland hat Griechenland schon vor 2 Jahre versprochen ihnen Leute zur Verfügung zu stellen, die dort helfen Flüchtlinge zu registrieren, da GR überfordert ist. Bis heute ist diese Hilfe nicht angekommen und GR wird mit der ganzen Bürde alleingelassen. Wehe, wenn der Flüchtlingsdeal mit der TR platzen sollte. Merkel hat den Deal eingefädelt, also müsste D dringend eine Lösung bringen oder diese Menschen aufnehmen. Auch die EU ist nicht fähig für einen Lösung. Blablabla... in Brüssel.
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  • Kommentar von Beatrice Mayer (signorinetta)
    " Wir geben für jeden „Geflüchteten“, der nach Deutschland kommt, mindestens hundert mal soviel aus, wie der UNHCR für Flüchtlinge (pro Kopf) zur Verfügung hat. Würden wir dieses Geld dem UNHCR zur Verfügung stellen, könnten damit über 100 Millionen Flüchtlinge weltweit versorgt werden, also alle gegenwärtigen 60 Millionen Flüchtlinge um so besser)." Vera Lengsfeld
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Problem ist nur, dass die Migranten/Flüchtlinge nicht in ihrer Heimat versorgt werden wollen, sondern in Europa. Und Tatsache ist auch, dass z. B. Syrien betreffend, zuerst die Reichen, dann der Mittelstand das Land verlassen haben. Die Armen harren in Flüchtlingslagern aus & wollen zurück, sobald es möglich ist. Alle, die nach Europa kommen, wollen bleiben & fehlen dann im Land für den Wiederaufbau. Die EU hat mit der Flüchtlingspolitik ganz falsche Signale ausgesendet.
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