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International NSU-Ausschuss zieht vernichtende Bilanz

Deutschland hat einen ersten grossen Schritt bei der Aufarbeitung der NSU-Morde getan. Der heute übergebene Untersuchungsbericht der parlamentarischen Kommission brachte schwere Versäumnisse der Ermittler zutage. Doch viele Fragen bleiben ungeklärt, finden auch Insider.

Untersuchungsausschuss gibt Bundestagspräsidenten den Untersuchungsausschuss.
Legende: Der NSU-Ausschuss legt seinen Abschlussbericht vor – viele Fragen bleiben offen. Keystone

Die Untersuchungsausschuss des deutschen Bundestags zur NSU-Terrorzelle hat seinen Abschlussbericht übergeben. Darin werden diverse Empfehlungen ausgesprochen. Diese sollen verhindern, dass es erneut zu derart schwerwiegenden Versäumnissen bei Ermittlungen kommen kann.

Der Abschlussbericht übt unter anderem scharfe Kritik an den Sicherheitsbehörden. Er stellt zudem eine «beschämende Niederlage der deutschen Ermittlungsbehörden» fest.

«Ungeahnte Häufung von Versagen»

Der CDU/CSU-Obmann im Ausschuss, Clemens Binninger, zeigte sich im Interview mit SRF News Online vor allem vom Ausmass des Versagens überrascht: «Da sind die schlechte Zusammenarbeit zwischen Verfassungsschutz und Polizei, der Kompetenzstreit innerhalb der Polizei sowie die frühe Festlegung auf eine Ermittlungsrichtung.» Das alles hätte er in dieser Häufung so nicht erwartet.

Zwar wurden bei den Behörden mittlerweile zum Teil Konsequenzen gezogen. Allerdings: Die bessere Koordination von Polizei und Geheimdiensten ist für Binninger nur eine Seite der Medaille. «Bei schweren Verbrechechen – bei denen ein Ausländer Opfer geworden ist – müsste in Zukunft zwingend immer auch die fremdenfeindliche Spur verfolgt werden.»

Das letzte Wort darüber haben die deutschen Parlamentarier. Sie werden sich Anfang September mit den Ergebnissen und Empfehlungen des Untersuchungsberichtes beschäftigen.

«Der Staat war kein Helfershelfer»

Dem Nationalsozialistischen Untergrund (NSU) werden zehn Morde zur Last gelegt – neun davon an türkisch- und griechischstämmigen Migranten. Die Morde wurden zwischen den Jahren 2000 und 2007 verübt. Polizei und Nachrichtendienste waren dem Trio über Jahre nicht auf die Spur gekommen. Seit diesem Jahr läuft der Prozess gegen die Terrorzelle.

In der Öffentlichkeit wurde und wird immer wieder darüber spekuliert, ob das Trio möglicherweise Helfer bei den Geheimdiensten hatte. «Also das können wir ausschliessen. Ein bewusstes Einwirken von staatlicher Seite gab es nicht», so Clemens Binninger zu SRF News Online. Darüber sei man sich im Ausschuss fraktionsübergreifend einig.

Allerdings sehe er zahlreiche Ungereimtheiten, in die auch der Untersuchungsausschuss kein Licht habe bringen können. «Insbesondere der Mord an der Polizistin in Heilbronn hinterlässt viele offene Fragen. Er passt nicht in das Muster der vorangegangen Morde.» Allerdings halte er nichts von den immer wieder aufkommenden Verschwörungstheorien, so Clemens Binninger.

Interview zum Thema

Interview zum Thema

Clemens Binninger leitet die Arbeit der CDU/CSU-Bundestagsfraktion im Untersuchungsausschuss zu den NSU-Morden. Welche eklatanten Ermittlungspannen es aus seiner Sicht gab, was er von Verschwörungstheorien hält und welche Fragen auch für ihn offen bleiben, darüber sprach er mit SRF Online News. Das gesamte Interview finden Sie hier.

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Klein, Bern
    "…ob das Trio möglicherweise Helfer bei den Geheimdiensten hatte. «Also das können wir ausschliessen. Ein bewusstes Einwirken von staatlicher Seite gab es nicht», so Clemens Binninger…" Es wurde eine unbekannte Zahl an Akten vernichtet, die mit den Morden und den Verbindungen VS–Nazis zu tun hatten … wie kann Binninger da sowas ausschliessen?? Nach den Regeln der Logik nicht! Er lügt oder ist dumm – fragt sich, was schlimmer wäre? Dummheit würde ich ihm zuliebe ausschliessen….
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  • Kommentar von T. Stern, Bern
    Na ja, dass es im Steinbrückland immer noch von Nazis wimmelt, und die 7. Kavallerie diesbezüglich überfordert ist, ist ja nichts Neues..
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  • Kommentar von Robert Heydrich, Zürich/Berlin
    Im Bereich Aufarbeitung kann die Schweiz noch viel von Deutschland lernen.
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    1. Antwort von Dominique Schurtenberger, Bern
      Genau...ein Land, dass auch Jahrzehnte nach der Verübung der grausamsten Verbrechen gegen die Menschlichkeit bei der Strafverfolgung noch immer rassistische Züge in solch erschreckendem Ausmass zeigt...so eins hätte man gerne als Lehrer! ("die Sarkasmus-Brille auszieh"). Dass man sich nach der Aufarbeitung noch gegenseitig auf die Schulter klopft, macht die ganze Sache noch viel lächerlicher...
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    2. Antwort von Hansi Dragoner, Drachenstein
      @Schurtenb.: Die CH-Ausländerfeindlichkeit ist in der Welt sprichwörtlich,sieht man SVP-Kampagnen und Plakaten an,wo die CH schamlos zugepflastert wird,bin ich mit den Zuständen im 10 x größeren DE hochzufrieden.In der CH wurde im Gegensatz zu D weder die Vergangenheit noch wird ihre zweifelhafte Gegenwart aufgearbeitet.Bleibt alles unter dem Teppich. Indem Sie das heutige D mit dem vor 70-80 Jahren auf eine Ebene stellen, beleidigen Sie die heute lebenden Generationen.Schämen Sie sich nicht?
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