NSU-Mordprozess: Türkei begrüsst Karlsruher Beschluss

Die Türkei heisst gut, dass ihre Journalisten nun doch am Prozess gegen die Neonazi-Zelle NSU teilnehmen dürfen. Denn: Die meisten Todesopfer der NSU waren türkischer Herkunft.

Pressetribüne am Oberlandesgericht in München.

Bildlegende: Das Münchner Oberlandesgericht muss zusätzliche Plätze für ausländische Medien bereitstellen. Keystone

«Wir sehen darin einen Schritt in die richtige Richtung», schrieb das Aussenministerium in Ankara. Dies, nachdem das oberste deutsche Gericht entschieden hatte, dass beim NSU-Prozess eine angemessene Zahl von Sitzplätzen an Vertreter ausländischer Medien vergeben werden muss.

Türkische Medien waren bei der Vergabe der 50 reservierten Presseplätze leer ausgegangen – obwohl acht der zehn Mordopfer der Neonazi-Terroristen türkische Wurzeln haben.
 
Das Oberlandesgericht hatte die Akkreditierungen nach der Reihenfolge des Eingangs vergeben. Im Gegensatz zu anderen Strafverfahren gab es kein spezielles Kontingent für ausländische Medien.

Neun Morde an Kleinunternehmern mit ausländischen Wurzeln und an einer deutschen Polizistin sowie Raubüberfälle und Anschläge gehen laut Anklage auf das Konto des «Nationalsozialistischen Untergrunds». Der weltweit beachtete Prozess gegen Beate Zschäpe und vier mutmassliche Helfer beginnt am Mittwoch.

Protestmarsch

Demonstranten haben gegen die Terrorzelle NSU in München protestiert. Sie verlangten einen konsequenten Kampf gegen Rechtsextremismus. Zur Demonstration kamen laut Polizei 2500 Teilnehmer. Die Veranstalter sprachen von mehr als 6000 Menschen. «Verfassungsschutz abschaffen» und «München bleibt nazifrei», hiess es auf Transparenten.