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International NSU-Prozess: Wurde Beate Zschäpe getäuscht?

Vernehmen durfte er sie nicht, mit ihr reden schon: Im NSU-Prozess sagt ein Polizist aus, der Beate Zschäpe im Gefangenentransporter begleitet hat. Offenbar versuchte er es auf die emotionale Tour. Laut Verteidigung hat er die Angeklagte getäuscht.

Zschäpe
Legende: Dem Polizisten erzählte Zschäpe von der Kindheit und wie die beiden Uwes zu ihrer Familie wurden. Keystone

Vor Gericht hat Beate Zschäpe bislang kein Wort über ihre Vergangenheit verloren. Im NSU-Prozess hat nun ein Polizeibeamter ausgesagt, dem die Angeklagte direkt nach ihrer Festnahme begegnet war.

Der Zeuge kannte das Schreiben ihres Anwalts, dass sie keine Aussagen zur Sache machen wolle, es also keine förmliche Vernehmung geben dürfe und auch keine informelle Befragung.

Unter anderem erzählte sie ihm, dass sie ein Oma-Kind sei, und ihre Familie – das seien die beiden Uwes gewesen, deren Mütter sie nach derenTod telefonisch informiert habe. Er habe mit Zschäpe über Bier geredet, den Kölner Dom und Haribo. Rainer Binz, 1. Hauptkommissar beim BKA, und vor Gericht so redselig, dass er zuerst fast harmlos wirkte.

Er werde über die – angeblich zufällige – Unterhaltung einen Vermerk machen, das habe er Zschäpe damals gesagt. Darum steht jetzt in den Akten, Zschäpe habe gesagt, die beiden Uwes hätten doch «ein behütetes Zuhause gehabt», anders als sie. Sie könne sich deshalb nicht erklären, warum die sich so entwickelt hätten.

Und dass sie ja eigentlich habe aussagen wollen, und im Fahrzeug nur negativ über ihren Verteidiger geredet habe. Binz fand viele Anknüpfungspunkte. Nur «rein zufällig» habe er mit Zschäpe über das gute Wetter auf der Ostseeinsel Fehmarn geplaudert – weil er die Insel kenne. So wie Beate Zschäpe auch, die dort nach ihrem Untertauchen das schöne Wetter suchte.

Zeugenaussage unrechtmässig erworben?

Haben Kripo-Beamte und Kommissare des Bundeskriminalamtes BKA also systematisch versucht, Beate Zschäpe getarnt zu verhören – getarnt als angeblich unverfängliche Plaudereien?

Die Aussagen des Zeugen sind Juristenfutter – fragwürdig oder gar rechtswidrig erworben. Das Verteidiger-Trio reagierte sofort: Das Schweigerecht ihrer Mandantin sei verletzt worden, sagen Zschäpes Verteidiger. Diese Zeugenaussage dürfe das Gericht nicht verwerten. Ihre Mandantin sei verbotenerweise einvernommen worden.

Die Bundesanwaltschaft widersprach dem – das sei nicht bewiesen. Andererseits muss die Anklage in diesem Prozess beweisen, dass Beate Zschäpe tatsächlich Mittäterin bei allen Verbrechen war, die dem NSU angelastet werden. Sollte das Gericht die geschilderten Zeugenaussagen als unbrauchbar betrachten, dann waren die letzten zwei Tage für die Ankläger in diesem Prozess rabenschwarze Tage.

Keine Aussage

Am 4. November 2011 wurden Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt tot aufgefunden. Das Haus in Zwickau, in dem sie mit Zschäpe gelebt hatten, stand in Flammen. Vier Tage später stellte sich Zschäpe der Polizei. Laut Haftbefehl hatte sie die gemeinsame Wohnung mit Brandbeschleunigern angezündet. In der offiziellen Einvernahme äusserte sie sich dazu nicht.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Dominique Schurtenberger, Bern
    Au backe...wenn dem so ist, dann ist die Geschichte der Unfähigkeit deutscher Strafverfolgungsbehörden um ein Kapitel reicher...
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    1. Antwort von Hansi Dragoner, Drachenstein
      Die Mordwaffe stammte aus der CH. Und da hat man sich auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert. "Die CH Polizei hätte schneller zur Aufklärung beitragen können. Die Einvernahmen in der CH waren ärgerlich" wurde vom parlamentarischen NSU Ermittlungsausschuss festgestellt. Und wenn man an den ungeklärten Mordfall Uwe Barschel vor 24 Jahren durch die Genfer Staatsanwältin zurückdenkt, wird einem heute noch übel. Gewisse Vorurteile über "ungezügeltes" CH-Temperament haben wohl ihre Berechtigung.
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  • Kommentar von Robert Heydrich, Zürich/Berlin
    Immer schreibt der Sieger die Geschichte der Besiegten. Dem Erschlagenen entstellt der Schläger die Züge. Aus der Welt geht der Schwächere und zurück bleibt die Lüge. Bertolt Brecht
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