Nur ein Pilot in Germanwings-Cockpit

Vor dem Absturz des Germanwings-Jets in den französischen Alpen hat sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft Düsseldorf nur ein Pilot im Cockpit des Airbus aufgehalten.

Die Absturzstelle, ein Rettungsarbeiter steht vor einem Wrackteil

Bildlegende: Eine offizielle Bestätigung der Auswertung der Cockpit-Kommunikation steht noch aus. Keystone

Vor dem Absturz des Germanwings-Jets in den französischen Alpen hat sich nach Angaben der Staatsanwaltschaft Düsseldorf nur ein Pilot im Cockpit des Airbus aufgehalten. Dies ergebe sich aus den Ermittlungen der Behörden in Frankreich, bestätigte die Staatsanwaltschaft in Düsseldorf einen Bericht der «Financial Times».

Die «New York Times» und die französische Nachrichtenagentur AFP berief sich auf namentlich nicht genannte Ermittler. Sowohl die Lufthansa als auch Germanwings nahmen dazu noch keine Stellung. Sie kündigten für 14.30 Uhr eine Medienkonferenz an.

Keine offizielle Bestätigung

«Wir stehen aber in ständigem Austausch mit den zuständigen Behörden», sagte eine Konzernsprecherin.

Von der französischen Untersuchungsbehörde BEA war in der Nacht zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Der Staatsanwalt von Marseille kündigte für den frühen Nachmittag eine Pressekonferenz auf dem Flughafen Marignane an.

Die bisher offenen Fragen:

  • Warum verliess einer der beiden Piloten das Cockpit? Warum konnte er nicht mehr zurück? Wieso reagierte der zweite Pilot nicht?
  • Warum gab es keine Kommunikation der Piloten mit der Flugkontrolle mehr und auch kein Notsignal?
  • Widersprüchliche Angaben gibt es zur zeitlichen Abfolge von Flughöhe und Sinkflug.

«Und dann kann man hören, wie er versucht, die Tür einzutreten.»

Die These mit dem ausgeschlossenen Piloten stützt sich auf den geborgenen Stimmenrekorder. Zu Beginn des Fluges höre man darauf eine normale Unterhaltung, sagte der leitende Staatsanwalt von Marseille. Zunächst hätten sich die Piloten normal unterhalten und sogar gescherzt. Beim Briefing vor dem Flug sei der Copilot dann aber sehr einsilbig gewesesn.

Aus den Aufnahmen geht weiter hervor, dass einer der Piloten vor dem Sinkflug das Cockpit verlassen und anschliessend vergeblich versucht hat, die Tür zu öffnen, um wieder ins Cockpit zu kommen.

Das hört man auf dem Stimmenrekorder

«Der Mann draussen klopft leicht an die Tür, aber es gibt keine Antwort», zitiert die Zeitung einen Ermittler. «Dann klopft er stärker an die Tür, und wieder keine Antwort. Es gibt keine Antwort. Und dann kann man hören, wie er versucht, die Tür einzutreten.»

Warum er das Cockpit verliess und warum der Airbus A320 in den Sinkflug ging, sei unklar. «Sicher ist, dass ganz zum Schluss des Fluges der andere Pilot allein ist und die Tür nicht öffnet», sagt der Ermittler laut «New York Times».

Cockpit von aussen nicht zu öffnen

Ein Lufthansa-Sprecher sagte, seit den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA seien Cockpit-Türen nicht mehr von aussen zu öffnen. Dies entspreche den Vorschriften.

Eine andere Quelle berichtete laut AFP, dass der Co-Pilot «vor kurzem» in das Unternehmen eingetreten sei. Er sei Ende 2013 zu Germanwings gekommen «mit einigen hundert Flugstunden», wurde der Ermittler zitiert.

Kampfjet kam zu spät

Ein Sprecher der französischen Luftwaffe bestätigte, dass ein Kampfjet in die Luft geschickt wurde, nachdem der Kontakt mit der Germanwings-Maschine abgebrochen war. Der Kampfjet sei aber erst vor Ort gewesen, als das Passagierflugzeug schon abgestürzt war.