Obama droht Afghanistan mit Ende der US-Hilfe

Den USA passt der Streit ums Präsidentenamt in Afghanistan gar nicht. Obama drohte den beiden Kontrahenten mit schwerwiegenden Konsequenzen, sollten sie den Konflikt nicht beilegen.

Eine Studentin der Bewegung gegen Wahlbetrug hält ein Plakat: "Don't kill democracy".

Bildlegende: Eine Studentin der Bewegung gegen Wahlbetrug trägt ihr Anliegen offen zur Schau. Die Afghanen wollen Frieden. Keystone

Noch immer streiten sich Aschraf Ghani und Abdullah Abdullah ums Resultat der Präsidentenwahl. Abdullah wirft Ghani Wahlbetrug vor. Das passt US-Präsident Barack Obama gar nicht. Keine Gewalt oder verfassungswidrige Schritte – dies machte Obama den beiden Kontrahenten in einem Telefonat klar. Sollten sich die beiden nicht an Obamas Weisung halten, will der US-Präsident die Afghanen nicht mehr unterstützen.

Gleichzeitig bietet Obama Hand für eine gemeinsame Lösung mit Abdullah und Ghani. Dies teilte das Weisse Haus mit.

Vorwurf Wahlbetrug

Ex-Aussenminister Abdullah hatte die erste Runde der Wahl gewonnen, die absolute Mehrheit aber verfehlt. Bei der Stichwahl liegt Abdullah nun nach dem vorläufigen Ergebnis deutlich hinter Ghani. Abdullah führt das auf Wahlbetrug zurück. Er hatte das vorläufige Ergebnis zurückgewiesen, den Sieg für sich reklamiert und gedroht, eine eigene Regierung auszurufen.

Ghani sagte, er stehe einer Überprüfung der Stimmen nicht im Wege. Er kündigte an, eine Regierung zu bilden, in der sich alle Afghanen wiederfänden. Ghani meinte, er gehe davon aus, dass Abdullah keine Parallelregierung ausrufen werde.

Vor dem Hintergrund der Wahlkrise dauert die Gewalt in Afghanistan an. Taliban-Selbstmordkommandos griffen am Mittwoch in der südafghanischen Stadt Kandahar den Sitz des Provinzgouverneurs und das Polizei-Hauptquartier an.

Alle 23 Selbstmordattentäter hätten sich entweder in die Luft gesprengt oder seien erschossen worden, sagte ein Sprecher der Provinzregierung. Nach Krankenhausangaben wurden bei den Angriffen und Gefechten vier Angehörige der Sicherheitskräfte und zwei Zivilisten getötet.

Immer mehr zivile Opfer

Laut einem UNO-Bericht wurden im ersten Halbjahr 2014 rund 1500 Zivilisten getötet. Das sind 17 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2013. Frauen und vor allem Kinder waren betroffen: So wurden von Januar bis Juni knapp 300 Kinder getötet – ein Viertel mehr als im Vorjahreszeitraum. Hauptsächlich die Taliban sei dafür verantwortlich, so die UNO.

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