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International «Obama ist massiv unter Druck»

Gleich 500 weitere Militärberater ziehen in den Irak. Die Amerikaner sollen die irakische Armee auf Vordermann bringen. Im Gespräch mit dem Sicherheitsexperten Roland Popp wird klar: Obama hatte keine andere Wahl.

Legende: Video Offensive gegen den IS-Vormarsch abspielen. Laufzeit 00:50 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 10.06.2015.

SRF News: Warum schickt Barack Obama Berater und nicht Bodentruppen in den Irak?

Roland Popp: Der amerikanische Präsident steht unter enormen politischen Druck. Die Republikaner fordern den Einsatz von Bodentruppen und werfen Obama militärische Schwäche vor.

Porträtbild
Legende: Roland Popp, Nahost- und Sicherheitsexperte am Center for Security Studies (CSS) an der ETH. SRF

Obama weiss allerdings, dass dieser Einsatz von der Mehrheit der amerikanischen Bevölkerung nicht mitgetragen würde. Aber: Sein Entscheid für die Entsendung von zusätzlichen Beratern fällt auch in eine Grauzone.

Warum?

Die Berater sind in der Regel nicht nur in einer Kaserne stationiert und erteilen dort Instruktionen auf dem Reissbrett. Ihr Einsatz ist auch gefährlich, gerade dann, wenn sie die ausgebildeten Soldaten bis zur Front begleiten.

Ist die Entsendung von Beratern nicht auch ein Zeichen von Angst?

Nein, das glaube ich nicht. Vergessen wir nicht: Im Irak sind bereits amerikanische Spezialtruppen stationiert, die auch am Boden operieren und erst kürzlich einen hohen IS-Funktionär getötet haben. Obama ist zudem ein Meister des realistischen Kalküls. Er glaubt, dass Kriege an der Peripherie fast nie zu gewinnen sind. Was Obama jetzt gewählt hat, das ist ein austarierter Mittelweg.

Die Berater schulen nun die irakischen Soldaten. Besteht da die Gefahr, dass sich die bestens ausgebildeten Soldaten später gegen die amerikanischen Truppen wenden? Ähnliches geschah ja auch in Afghanistan in den 1970er-Jahren.

Also, hier handelt es sich um eine reguläre Armee. Die kann man nicht mit den paramilitärischen Strukturen der Mudschaheddin damals in Afghanistan vergleichen. Eine Gegenreaktion wie damals ist eher nicht zu erwarten.

Wie schätzen Sie die Chancen der Amerikaner ein?

Mit der zusätzlichen Entsendung von 500 Beratern entsteht eine weitere Dynamik. Der sogenannte Islamische Staat wird mittelfristig stärker unter Druck geraten, aber mit schnellen Erfolgen ist wohl kaum zu rechnen.

Militärische Berater

Die Berater, die in den Irak abkommandiert werden, bilden die Iraker in der Taktik und an verschiedenen Waffen aus, so Albert A. Stahel. Der Strategie-Experte nennt dabei auch schwere Waffen wie Kampfpanzer und Artillerie.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Hagou Hans, Bienne
    ...ist bereits der USWahlkampf angelaufen?
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  • Kommentar von C. Szabo, Thal
    Die US-Strategen wissen ganz genau, wenn sie sich zurückziehen, werden andere Grossmächte in Nahost Geschäfte tätigen. Und das passt ihnen überhaupt nicht in den Kramm. Es könnte auch sein, dass andere Länder ohne schlechten Ruf bei den Leuten besser ankommen. Das wäre der Super Gau für die US-Eliten. Andere Mächte sehen auch das Potential in Nahost und werden sich nicht zweimal bitten lassen. Man ist zwar unbeliebt und der weitere Verbleib mit Kosten verbunden, doch der Gewinn lockt zu sehr.
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    1. Antwort von E. Jenni, Ottikon
      @Szabo: Wouh, sie sollten sich dringenst beim US-Strategie & Aussenministerium melden. Ihre Analysen könnten ja vielleicht helfen, dass sich das böse Amerika vollständig aus dem Nahen Osten zurückzieht und andere Player dafür in die Lücke springen können. So etwa die EU oder Russland. Oder doch lieber China? Was meinen sie, wird dort dann alles viel besser?
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    2. Antwort von C. Szabo, Thal
      @E. Jenni: China läuft den USA als Investor langsam den Rang ab. Die reichen Araber investieren ihr Geld auch weltweit in grossem Masse, sie sind aber keine grossen Produzenten, die dem Westen Konkurrenz machen. Ganz anders liegt die Sache bei CN. Sie waren einmal vor langer Zeit grosse Innovatoren und werden es nun wieder. Auch in Afrika gehen die Chinesen einen eigenen, alternativen Weg. Deshalb reagierte die NATO z.B. in Libyen und anderen afrik. Staaten mit verstärkter Aktivität.
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  • Kommentar von m.mitulla, wil
    Solange die Fronten derart rasch wechseln - und alle mit amerikanischen Waffen kämpfen, kann kein Krieg gewonnen werden. Die USA unterstützen im Irak die Armee, welche aus geschwächten sunnistischen Restbeständen besteht... die Schiiten (80% der Bevölkerung im Irak) sind aus politischen Gründen ausgeschlossen. Die Hauptsache der sunnitischen Kämpfer kämpft heute im IS, denn Maliki (ehem Irakischer Präsident, Schiit, von den USA unterstützt) hatte die sunnitische Armee verjagt...
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