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International Obama macht ernst mit Truppenabzug aus Afghanistan

Nach Jahren des Kriegseinsatzes in Afghanistan sollen vorläufig 9800 Soldaten im Land bleiben. Ende 2016 aber ziehen die USA definitiv ab, kündigte Präsident Barack Obama an. In der Militärakademie West Point will der Präsident am Mittwoch eine neue, «breiter» angelegte US-Aussenpolitik vorstellen.

Legende: Video US-Rückzug aus Afghanistan abspielen. Laufzeit 01:32 Minuten.
Aus Tagesschau Nacht vom 27.05.2014.

US-Präsident Barack Obama wird bei seinen Plänen für das Ende des Krieges in Afghanistan konkret. Vorübergehend sollen noch 9800 US-Soldaten im Land bleiben. Bis Ende 2016 sollen dann aber praktisch alle GIs abziehen. Dies kündigte Obama in Washington an, nachdem er vor zwei Tagen überraschend die US-Armeebasis Bagram in der Hauptstadt Kabul besucht hatte.

«Dieses Jahr bringen wir Amerikas längsten Krieg zu einem verantwortungsvollen Ende», sagte Obama. «Die Amerikaner haben gelernt, dass es schwieriger ist, einen Krieg zu beenden, als einen anzufangen.»

Neues Kapitel aufschlagen

Nach einem Jahrzehnt Krieg im Irak und in Afghanistan sei es nun an der Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen. Die Verantwortung für das Land liege jetzt bei den Afghanen.

Die nach 2014 verbleibende US-Truppe solle, wie seit längerem bekannt, gemeinsam mit NATO-Kräften und anderen Partnern afghanische Sicherheitstruppen ausbilden und den Kampf gegen das Terrornetzwerk Al-Kaida unterstützen, sagte Obama. Ende 2016 solle dann die Truppenpräsenz auf den Schutz der US-Botschaft in Kabul reduziert werden.

Sicherheitsabkommen mit Afghanistan notwendig

Zur Umsetzung dieser Pläne sei jedoch die Unterzeichnung des ausgehandelten Sicherheitsabkommens mit Afghanistan notwendig. Obama hofft, dass es nach der Wahl eines neuen afghanischen Präsidenten im Juni rasch dazu komme.

Afghanistans Präsident Hamid Karsai weigert sich, ein Sicherheitsabkommen für einen andauernden begrenzten Einsatz der USA zu unterzeichnen und will das seinem Nachfolger überlassen. Die Präsidentenwahl geht im Juni in die nächste Runde; Karsai konnte sich nicht ein weiteres Mal zur Wahl stellen.

Als er 2009 das Präsidentenamt übernahm, hätten 180'000 US-Soldaten im Irak und in Afghanistan gekämpft, sagte Obama. Derzeit seien noch rund 32'000 US-Soldaten stationiert.

Grundsatzrede in West Point über «breitere» US-Aussenpolitik

Obama kündigte für Mittwoch eine aussenpolitische Grundsatzrede an, in der er in der Militärakademie West Point die neue Linie der USA aufzeigen will.

In seiner Rede wolle Obama erläutern, wie er seine Aussenpolitik «breiter» anlegen werde, berichtete die «New York Times» vorab .

Obama wolle der Kritik begegnen, dass die USA ihre Führungsrolle aufgegeben hätten und konzeptlos von einer Krise zur nächsten schlingerten. Der Präsident werde bekräftigen, dass es einen Mittelweg zwischen Isolationismus und militärischer Intervention gebe.

Nato begrüsst Obama-Plan

Die Nato hat die Ankündigung von Obama begrüsst, ab 2015 noch US-Soldaten in Afghanistan zu lassen. «Wir begrüssen den beachtlichen Beitrag, den die USA für den von der Nato geplanten Einsatz in Afghanistan leisten wollen», sagte eine Nato-Sprecherin. Das Bündnis stehe zur Verpflichtung, auch nach Ende des Kampfeinsatzes im Land zu bleiben.

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5 Kommentare

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  • Kommentar von O. Toneatti, Bern
    Die Amis wollen "sicherheitshalber?" noch ein paar tausend Soldaten auf ihren Stützpunkten in Afghanistan behalten. Der Iran, das nächste Oelopfer der Amis, liegt wie China direkt an der Grenze zu Afghanistan. Und Russland ist auch nicht allzuweit entfernt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
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  • Kommentar von W. Helfer, Zürich
    Die USA/NATO hat in Afghanistan dem Volk die Lebensgrundlagen zerbombt und somit das Volk noch mehr in die Armut getrieben. Auch haben sie keinen Frieden ins Land gebracht, sondern Bürgerkriege. Wo bleiben die Forderungen, dass die USA/NATO die von IHNEN zerstörten Häuser und Infrastrukturen aus eigener Tasche wieder aufbauen?
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  • Kommentar von Jens Brügger, Schaffhausen
    Nach all den leeren Versprechungen und Lügen sind Worte einfach nichts wert. Die Amerikaner sollen auf ihrem Kontinent bleiben!
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