Obama will in Afrika Versäumtes nachholen

Bislang haben die USA das Potenzial Afrikas verschlafen. Ganz anders China: Die Volksrepublik ist sehr aktiv auf dem Kontinent. Das will US-Präsident Barack Obama nun ändern und reist in drei afrikanische Staaten.

Ein Künstler malt ein Bild von Barack Obama.

Bildlegende: Senegal bereitet sich auf den hohen Besuch aus den USA vor. Reuters

Platin, Gold, Diamanten: Rohstoffe aus Afrika sind ein begehrtes Gut. China hat dies längst erkannt und investiert in den Kontinent. Die zweitgrösste Volkswirtschaft der Welt bezieht inzwischen schon einen Grossteil ihrer Rohstoffe aus Afrika. Das Potenzial von Afrika mit jährlichen Wachstumsquoten von fünf Prozent und mehr haben nun ebenfalls die USA realisiert. Wenn auch etwas spät.

US-Präsident Barack Obama reist für die nächsten acht Tage nach Afrika – zuerst nach Senegal, Südafrika und schliesslich nach Tansania. SRF-Korrespondent Patrik Wülser erklärt die symbolpolitische Auswahl: «Alle drei sind wirtschaftlich wichtige Länder. Alle drei sind funktionierende Demokratien.»

Kenia, die Heimat seines Vaters, lässt der Präsident allerdings aus. Stattdessen reist er ins Nachbarland Tansania. Grund ist laut Wülser ein laufendes Verfahren gegen den kenianischen Präsidenten und seinen Vize am internationalen Gerichtshof in Den Haag.

Engagement verstärken

Es ist Obamas erster längerer Besuch in Afrika – eine Stippvisite 2009 in Ghana dauerte nicht einmal 24 Stunden.

Das Weisse Haus in Washington gesteht ein Versäumnis und weiss: Afrika ist längst zum boomenden Kontinenten geworden. Obamas Top-Berater, Ben Rhodes, sagte kürzlich: «Wir sehen Afrika als eine der wichtigsten aufstrebenden Regionen der Welt. Und als einen Ort, wo die USA ihr Engagement in den nächsten Jahren entscheidend verstärken sollten.»

Kein leichtes Unterfangen, nachdem China die USA und die EU als wichtigsten Handelspartner abgelöst haben.

Proteste gegen Obama

Obamas Besuch ist längst überfällig. Und wird mit Freude erwartet. Von der «grössten Party in Südafrika» ist die Rede. Die südafrikanische Zeitung «Mail & Guardian» spricht gar vom «wichtigsten Besuch des Jahrzehnts». Der Direktor des Politikinstituts Cedia in Johannesburg meint: Afrikas «schwarze Elite» sucht Obamas Nähe, «als ob ein zweiter Jesus Christus kommt».

Doch auch kritische Stimmen zum Besuch Obamas werden laut. Proteste wurden angekündigt, so etwa in Johannesburg oder Kapstadt. Von der einstigen «Obamania» ist nicht viel geblieben. Die Enttäuschung über den ersten schwarzen US-Präsidenten ist gross.

Boom dank Export

Wirtschaftsthemen sind klar im Fokus des achttägigen Trips, weshalb eine grössere Wirtschaftsdelegation den Präsidenten begleitet.

Aber: Obwohl die Rohstoffvorkommen gross sind, die Wirtschaft wächst und wächst: Noch immer gibt es in Afrika bitterste Armut, Korruption grassiert, viele Länder sind von einer nachhaltigen Entwicklungspolitik weit entfernt. Der Boom Afrikas basiert zu einem grossen Teil lediglich auf dem Export der begehrten Rohstoffe.

Obama wird deshalb an die Eigenverantwortung der Afrikaner appellieren. Nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung ist nur möglich, wenn es verantwortliche Regierungen und stabile demokratische Institutionen gibt. Als Beispiele für erfolgreiche Demokratien nennt das Weisse Haus Senegal, Südafrika und Tansania – die Stationen seiner Reise.