Zum Inhalt springen

International OECD lanciert Grossangriff auf Steuerflüchtlinge

OECD-Generalsekretär Angel Gurria hat dem G20-Gastland Australien beim Treffen der Finanzminister Vorschläge im Kampf gegen Steuerschlupflöcher grosser Firmen unterbreitet. Ein erstes Massnahmenpaket wurde kurz darauf gebilligt. Es handelt sich um die wohl ehrgeizigste Reform der letzten Jahrzehnte.

Angel Gurria spricht an einem Rednerpult
Legende: Für Gurria ist die Reform das grösste Modernisierungsprojekt des internationalen Steuersystems seit 100 Jahren. Keystone

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat sich den Kampf gegen Steuerflucht und Gewinnverlagerung von multinationalen Konzernen auf die Fahne geschrieben. OECD-Generalsekretär Angel Gurria unterbreitete den Finanzministern der G20-Staaten am Samstag mehrere Vorschläge gegen Steuertricks. Der Gastgeber der Zusammenkunft, Australiens Finanzminister Joe Hockey, nahm die Empfehlungen im australischen Cairns entgegen. Am Sonntag wurde ein erstes Massnahmenpaket nach Angaben aus Verhandlungskreisen gebilligt.

Gurria: Bester Schritt seit 100 Jahren

«Wir schliessen die Schlupflöcher, die es Investoren erlauben, ihre Gelder zwischen Ländern zu verschieben und damit künstlich von Vorteilen von Steuerabkommen und -regeln zu profitieren», beschrieb Gurria die Initiative gegen Gewinnverlagerungen und Steuerverkürzungen (BEPS). Diese werde gestützt von 44 Ländern, darunter den wichtigsten Schwellen- und Industriestaaten, die die G20 bilden.

«Wir glauben, dass das der prominenteste Ansatz zur Modernisierung des internationalen Steuersystems seit 100 Jahren ist», sagte Gurria. Es gehe um rund zwei Billionen Dollar, die Konzerne in aller Welt in Steueroasen und Niedrigsteuerländer verschöben.

Ziel: Wo geschäftet wird, werden Steuern bezahlt

Hockey, der das Treffen der G20-Finanzminister und Notenbankchef leitet, sprach von grossen Sorgen, die die aggressiven Steuervermeidungsstrategien den Finanzministern aller Länder bereite. Damit würden die Wettbewerbsbedingungen verzerrt und Steuerlasten unfair auf andere Gruppen und den normalen Steuerzahler verschoben.

«Unsere Regierung ist entschlossen, dass auf Gewinne, die in Australien erzielt werden, auch in Australien Steuern gezahlt werden». Dieser Grundsatz, dass die Steuerzahlungen dort anfallen sollten, wo die Konzerne auch ihre gewinnträchtigen Geschäfte machten, solle weltweit gelten, sagte Gurria.

Bis Ende 2015 soll das Gesamtpaket stehen. Knapp die Hälfte der 15 Massnahmen steht. Ziehen alle OECD- und G20-Länder bei der der Initiative gegen Gewinnverlagerungen und Steuerverkürzungen (BEPS) mit, werden etwa 90 Prozent der Weltwirtschaft erfasst.

Putin an G20 in Brisbane?

Russland soll am G20-Gipfel der Staats- und Regierungschefs im November in Brisbane teilnehmen können. Der australische Finanzminister Joe Hockey sagte, mehrere Länder hätten sich für eine Teilnahme Russlands ausgesprochen. «Wenn jemand aus verschiedenen Gründen ausgeschlossen werden soll, dann ist die Zustimmung aller G20 erforderlich», sagte er.

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen.

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren.

3 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von B. Bühler, Biel
    KMU werden im Moment abgezockt wie niemals zuvor. Es ist an der Zeit durchzugreifen und dafür zu sorgen, dass im "freien" Markt für alle die gleichen Regeln gelten. Unerklärbare Subventionen sind das Nächste was man angehen sollte. Lasst euch nicht blenden von den Scheingefechten von FDP und SVP, diese beiden Parteien stehen für Grosskonzerne und tun rein gar nichts für die kleinen Unternehmen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von C. Grabener, Bern
      Ich stimme Ihnen voll zu, Herr Bühler. Der Mittelstand ist der Motor eines Landes - warum wohl? Weil er faire Arbeit gibt, weil hier oft ethisch gehandelt wird, weil nicht NUR Gewinnmaximierung um jeden Preis zählt, sondern der Unternehmmmer an Nachhaltigkeit - am Weiterbestehen über (oft Familien-) Generationen - interessiert ist und weil er(sie regional verankert, ¨zu Hause¨ ist. Und diesem Unternehmer hat es insbesondere in der Schweiz nicht leicht.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von UdoGerschler, Frankenberg
      Unerklärbare Subventionen stimme ich Ihnen zu,der Rest ist Marktverzerrung und wieder ein Weg in Richtung Nordkorea.Warum soll eine Firma nicht in Länder gehen wo Politiker weniger Steuergelder veruntreuen? Das alle in der Schweiz sein wollen hat auch was mit Vertrauen zu tun.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen