OECD-Studie: Wo ist der Computer-Knopf?

Antraben zum Pisa-Test: Nach Schulkindern waren nun die Erwachsenen dran – lesen, rechnen und mit Computern umgehen. Die Studie zeigt: Ein Grossteil der Erwachsenen zwischen 16 und 65 kann nicht einmal einfachste Probleme am Computer lösen.

Lesekompetenz – Verstehen, Interpretieren und Bewerten von Texten Die Lesekompetenz ist in sechs Stufen eingeteilt: Wer weniger als 176 Punkte erhält, erreicht die niedrigste Stufe (entspricht dem Niveau eines 10-jährigen Kindes), wer 376 Punkte oder mehr erhält, erreicht die höchste Stufe. Japan erreicht mit 296 Punkten den höchsten Wert. Die Schweiz hat sich an der ersten Pisa-Runde für Erwachsene nicht beteiligt. (Grafik zeigt Auswahl an Ländern) OECD

Können Sie mit einer Computermaus umgehen? Wissen Sie, wie man im Internet etwas findet? Dann sind Sie besser dran als zwei Drittel der 160'000 der 16- bis 65-Jährigen, die weltweit zum ersten Pisa-Test für Erwachsene angetreten sind.

Das Resultat ist deshalb erschreckend, weil keine Rentnerinnen und Rentner getestet wurden, sondern Menschen, die mitten im Arbeitsleben stehen. Und wer heute nicht einmal die einfachsten Probleme am Computer lösen kann, dessen berufliche Aufstiegschancen stehen schlecht.

Computer im Alltag nötig

Doch auch im täglichen Leben kommt man immer weniger zurecht, sagt Barbara Ischinger, Bildungsdirektorin der Organisation für ökonomische Entwicklung und Zusammenarbeit OECD: «Reiseplan studieren oder ein Ticket bestellen. Reisebüros werden Mangelware. Wer nicht mit dem Computer arbeiten kann, der hat dann ein Problem.» Auch Bankgeschäfte oder die Kommunikation mit Ämtern werden zunehmend schwierig.

Bei den 24 Ländern, die untersucht wurden, gibt es allerdings grosse Unterschiede, so Ischinger: «In Italien und Spanien kann einer von zwanzig hiermit intelligent umgehen. In Deutschland und Österreich ist es einer von zehn. Und in Japan und Finnland einer von fünf.»

Erwachsene weiterbilden

Entscheidend sei, wie früh die Länder begonnen hätten, ihre Einwohner im Umgang mit Computern zu schulen, erklärt Ischinger. Und auch: Ob sie dies nur bei Schülern täten – oder auch Erwachsene einbeziehen.

Ähnliche Unterschiede zeigen sich nämlich auch bei den anderen Disziplinen. Während Japan und Finnland beim Rechnen und Lesen ebenfalls an der Spitze stehen, liegt das deutschsprachige Europa auch hier im Mittelfeld. Die Schlusslichter sind die südlichen Länder.

Wer zu Japan und Finnland aufschliessen will, muss künftig noch stärker in Bildung investieren: «Bildung, die wirklich jedes Individuum miteinbezieht, die keinen aus einem Schulrahmen herausfallen lässt, sondern einzeln und persönlich fördert. Ausserdem bilden auch beide Länder die Erwachsenen weiter aus.»

Chancengleichheit als Basis

Länder wie Japan und Finnland, die bei der Bildung auf Chancengleichheit setzen, stehen besser da. Aber auch die Kultur eines Landes spielt laut OECD-Studie eine Rolle. Korea habe in den vergangenen Jahren vor allem deshalb aufgeholt, weil sich ein gesellschaftlicher Konsens gebildet habe, dass lebenslange Bildung wichtig ist.

In Deutschland dagegen setze man noch zu wenig darauf, traditionell bildungsferne Schichten zu fördern. Und auch Länder, in denen sich fast nur Reiche eine höhere Schulbildung leisten können – wie beispielsweise die USA – schneiden schlechter ab.

Wo die Schweizerinnen und Schweizer im weltweiten Vergleich stehen, lässt sich heute nicht sagen. Die Schweiz hat sich an der ersten Pisa-Runde für Erwachsene nicht beteiligt.