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International Offener Machtkampf um ANC-Spitze in Südafrika

Südafrikas Präsident Jacob Zuma muss um die Macht bangen. Sein Vize Kgalema Motlanthe will ihn als Parteichef des ANC beerben. Zuma ist in der Tat angreifbar: Skandale und Korruptionsaffären prägen seine Amtszeit.

Frau läuft an ANC-Wandmalerei vorbei.
Legende: Flügelkämpfe und Korruptionsskandale überschatten das hundertjährige Jubiläum des ANC. Keystone

Im südafrikanischen Bloemfontein hat der Parteitag des Afrikanischen Nationalkongress (ANC) begonnen. Auf ihm soll der Vorsitzende gewählt werden, der die Partei in die Wahlen 2014 führt. Bis Wochenmitte schien das für den amtierenden ANC-Chef Jacob Zuma nur eine Routine-Wahl. Doch dann tauchte quasi aus dem Nichts ein zweiter Kandidat auf.

Es dürfte ein Schock für Zuma gewesen sein, als Vizepräsident Kgalema Motlanthe verkündete, er werde am Parteitag gegen ihn antreten. Damit nicht genug hat der 70jährige Zuma weitere Gegner in der eigenen Partei.

Sie kritisieren die Skandale und Korruptionsfälle. Zudem soll Zuma Staatsgelder für den Ausbau seines privaten Anwesens abgezweigt haben. Angehörige und Freunde machten fragwürdige Geschäfte – Geschäfte, bei denen der Staat grösster Auftraggeber war.

Doch allen schlechten Nachrichten zum Trotz ist Zuma für die Delegierten des Parteitags trotzdem der Favorit. 

Legende: Video Umstrittenes Jubiläum abspielen. Laufzeit 10:00 Minuten.
Aus Rundschau vom 27.06.2012.

Alltäglicher Aufruhr

Fast jeden Tag gibt es in Südafrika blutige Proteste, brennen Reifen auf den Strassen, und die Polizei schiesst mit Gummipatronen. Die Arbeitslosigkeit liegt bei offiziell 25 Prozent. Die Hälfte der Bürger lebt statistisch von weniger als zwei Euro pro Tag.

Die Währung Rand befindet sich auf dem tiefsten Stand seit 2009. Zuma und der ANC setzen wirtschaftspolitisch auf mehr Staat und Regulierung, manche Wortführer fordern die Verstaatlichung von Banken und Bergbau. Doch dieser Kurs hat Südafrika bisher nicht gestärkt.

«Ich war nahe daran, zu weinen.» 

Die Kirchen des Landes schickten vor kurzem einen offenen Brief an den Präsidenten. «Viele Politiker haben den moralischen Kompass verloren», heisst es darin;  sie forderten «eine gesunde Demokratie».

Auch Desmond Tutu, der prominente Erzbischof, zeigt seine Bitterkeit über die Zustände in der Heimat. Kürzlich wurden die Ergebnisse einer Studie über den Bildungsstand südafrikanischer Schüler veröffentlicht. Katastrophale Ergebnisse. Tutu sagte: «Ich war noch nie so nahe daran, zu weinen.» 

Über Zuma sagt der Erzbischof nicht viel Freundliches. Das Netteste war noch diese Bemerkung gegenüber einem Minister, geäussert kurz vor dem Parteitag: «Ich werde für Deinen Boss beten.»

Unumstrittenes Machtzentrum

Trotz aller Konflikte und Zerreissproben im Land: Der ANC ist das unumstrittene Machtzentrum des modernen Südafrika. Die Partei hat fast eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Parlament, sie bestimmt den Weg des Staates seit dem Sieg über die Apartheid im Jahr 1990. Die schwarze Wählerschaft ist treu. Sie wird der 100jährigen Organisation wohl auch bei der Wahl von 2014 zum Sieg verhelfen.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Stefano Lindsay, Kapstadt
    Es ist wirklich unglaublich dass diejenige Menschen die immer noch sehr unter die mislungene ANC Regierung leiden, immer noch so treu zu Ihnen stehen. Der Angst dass eine anders-farbige an die Macht kommen könnte ist zu gross. Schade für das Land das neu meine Heimat ist. Die Interesse an das Wohl der Bevölkerung ist kleiner als der Interesse an die eigene Vorteile. Ich denke Tutu weiss das einzige und das Beste zu tun - zu beten für die Regierung! Gott kann das Unmögliche tun!
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  • Kommentar von Franz Nanni, Nelspruit SA
    wohl auch bei der Wahl von 2014 zum Sieg verhelfen... Man sollte sich nicht Irren.. die ANC hatte schon mal die absolute Macht.. und hat sie deutlich verloren. Hoehrt man die "Strasse" wird deutlich, die naechten Wahlen werden nicht mehr so glimpflich ablaufen.. die Fehlentscheidungen und die korrupten Gewaehlten werden selbst den treuesten Anhaenger langsam zuviel.... aber immerhin, lieber ein Zuma den man kennt, oder einen wie Mugabe der Zimbabwe vernichtet hat.
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    1. Antwort von Franz NANNI, Nelspruit SA
      ...oder einen wie Mugabe.. DAS sollte :" als einen Mugabe" heissen!!! sorry!!!!
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