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International Offshore-Leaks: Informationsfluss von Singapur in die Schweiz

Offshore-Leaks: Zwei Quellen haben die Unterlagen über mutmassliche Steuerhinterzieher publik gemacht. Eine Person in deren Umfeld hat wohl Diplomatenstatus in Bern.

Koffer bei Kontrolle.
Legende: Diplomatengepäck wird nie kontrolliert. Keystone

Anonyme Quellen haben einem Journalistennetzwerk einen riesigen Datensatz über geheime Geschäfte in Steueroasen zugänglich gemacht. Wie zahlreiche Medien weltweit – unter ihnen «SonntagsZeitung», «Süddeutsche Zeitung» oder «Le Monde» – berichteten, finden sich in den Unterlagen Hunderte Fälle von Steuerhinterziehung. Gelder erhielten die Journalisten nach eigenen Angaben für ihren Recherchedienst nicht.

Auch Schweizer Banken betroffen

Eine der zwei Quellen ist nach übereinstimmenden Meldungen die Portcullis Trustnet in Singapur. Verwaltungsratspräsident ist Tee Tua-Ba. Trustnet teilte im März mit, dass er zum nicht-residierenden Botschafter Singapurs in der Schweiz ernannt worden ist. Die Behörden Singapurs führen Tee ebenfalls als Botschafter auf. Auf der Liste des diplomatischen Corps des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) findet sich sein Name nicht.

20 Schweizer Banken sind von den Vorwürfen betroffen. Die Unterlagen kamen aus Singapur und aus der Karibik. In der Schweiz sind 300 Personen und 70 Gesellschaften verdächtig. Sie arbeiten vor allem in Zürich, Genf, Lugano und Zug. Einer der bekanntesten Steuerhinterzieher soll der 2011 verstorbene Gunter Sachs sein. Er war Schweizer und lebte im Berner Oberland. Sachs' Willensvollstrecker reagierten umgehend. Sie bestreiten die Vorwürfe.

Der Kanton Bern will nun Sachs' Steuerdossier nochmals unter die Lupe nehmen. Gegebenenfalls will die bernische Steuerverwaltung auch «mit den  ihr zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten und Mitteln Massnahmen ergreifen».

«Eine Million auf Schweizer Konto»

Die UBS alleine ist laut Unterlagen in über 2900 Gesellschaften in einem Dutzend Steueroasen involviert. Die Credit Suisse in über 700. Die Dokumente zeigen, wie 2006 die Credit Suisse Tochter Clariden Leu verlangte, dass die Offshore-Gesellschaften so gegründet wurden, dass die Eigentümer völlig im Dunkeln blieben.

Die Dokumente enthüllen brisante Schweizer Einzelfälle. Die Daten zeigen etwa, dass hinter diversen Scheinfirmen das Schweizer Konto des Sohnes eines Pakistanischen Ministers steht. Hinter einem Genfer Finanzberater steht eine Freundin von Mutter Theresa. Ein mongolischer Parlamentarier hat nach der Veröffentlichung zugegeben, eine Million Dollar auf einem Schweizer Konto liegen zu haben.

Nach einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie verstecken Superreiche weltweit mindestens 21 Billionen US-Dollar in Steueroasen, um dem Fiskus zu entgehen. Den Staaten entgingen dadurch pro Jahr Steuereinnahmen von mindestens 190 Milliarden Dollar.

Legende: Video Grosse Enthüllung um Steuernetzwerk abspielen. Laufzeit 1:27 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 04.04.2013.

Riesiges Datenleck

80 Journalisten aus 46 Ländern hatten die Unterlagen bearbeitet. Die Datenmenge von 260 Gigabytes entspricht einer halben Million Büchern im Umfang der Bibel. Dies sind 160 Mal mehr Unterlagen als Wikileaks 2010 publiziert hatte. Die Veröffentlichung ist damit das grösste Datenleck der Geschichte.

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20 Kommentare

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  • Kommentar von M Jaeger, Wildwil
    @aduro Ich höre bei Ihnen nur: Gesetz / Es gelten die Gesetze die Gelten / dann sollten Sie die Strenge des Gesetzes fühlen / etc Tja, die Gesetze wurden am besten befolgt in der DDR, unter den Nazis und den Sowjets. Inzwischen wissen wir dass da im Namen des "Gesetzes" sehr, sehr viel Unrecht geschah. Wir sollten etwas vorsichtiger sein bevor wir allen die Strenge des Gesetzes an den Hals wünschen, es trifft eventuell die Schreihälse dann plötzlich noch selbst...
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  • Kommentar von M Jaeger, Wildwil
    ... den Staaten entgingen pro Jahr Steuereinnahmen von 190 Milliarden Dollar... heisst es da. Nun die Schulden der USA betragen 17'000 Milliarden $ die Schulden Deutschlands 2'120 Milliarden EURO. Man sieht dass man mit den 190 Milliarden auch nicht viel besser dastehen würde. Ein Tropfen auf den heissen Stein. Die Kosten um diese 190 Milliarden reinzuholen sind auch gigantisch. Unsere Verschuldung kann nur mit schlankem Staat abgebaut werden. Nicht mit noch mehr Staat!
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    1. Antwort von Enzo Aduro, Berlin
      Na, dann darf man weiter klauen, wenns nix bringt. Verluste durch Diebstahl machen bei Supermärkten auch weniger als 1% des Umsatzes aus. Dann sollte man auch nichts dagegen unternehmen.
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    2. Antwort von jo term, zürich
      wann werden diese Politiker kriminalisiert die diesen Schuldenberg zu verantworten haben ?
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    3. Antwort von M Jaeger, Wildwil
      @aduro Beim Supermarkt ist es einigermassen klar wer der Dieb ist, obwohl auch hier schon andere Ansichten zu hören wären, eine Minderheit der Bevölkerung wird die Supermarktpreise als Diebstahl ansehen. Beim Verhältnis des Steuerzahlers zum Staat wage ich zu behaupten dass gerade in D eine Mehrheit wohl eher den Staat als Dieb betrachtet :-)
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    4. Antwort von Enzo Aduro, Berlin
      Juristisch ist die Sache im Supermarkt klar. Demokratisch auch. Ebenso wie bei den Steuern. Zumindest Grundsätzlich. Und einige werden beim Supermarkt auch sagen dass die Diebstahl begehen weil Sie teurer verkaufen als Einkaufen. Ich nicht. Ich bin einer Meinung mit dem Gesetz. Es gelten die Gesetze die Gelten, nicht die die einige fühlen. Wenn Sie das nicht einsehen dann sollten Sie die Strenge des Gesetzes fühlen. Genauso wie der Ladendieb.
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    5. Antwort von Enzo Aduro, Berlin
      @Jaeger Steuern sind der Preis des Wohnaufenthalts in einem Land. Wenn einem der Preis nicht passt, dann muss man seinen Wohnaufenthaltsdienstleister wechseln. Wenn man aber auf anderem Weg den Preis nicht zahlt, dann ist man ein Dieb. Wie im Supermarkt. Da macht es auch keinen Unterschied ob man im Laden die Ware isst, ein anderes Preisschild raufklebt oder die Ware unter der Jacke versteckt. Alles Diebstahl.
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    6. Antwort von Hansi Dragoner, Drachenstein
      @Term: Sie müssen die Verschuldung, die ich natürlich keinesfalls verharmlosen will gefälligst auf Pro Kopf Basis darstellen. Sooo tolle sind dann die Zahlen der Schweiz auch wieder nicht: CH: 25.963 CHF, D: 26.521 €, A: 27.572. Wenn man dazu noch bedenkt, dass Deutschland Kosten der Wiedervereinigung für ein bankrottes Staatssystem DDR mit ca. 1,2 Billionen € zu schultern hatte
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    7. Antwort von Hansi Dragoner, Drachenstein
      @Jaeger: Weiß zwar nicht, ob es sich hier Zahlen aufgrund der aktuellen Sachlage handelt. Jedenfalls ist es so, dass allein dem deutschen Fiskus jährlich schätzungsweise 100 Milliarden Euro durch Steuerflucht, nicht zuletzt durch tatkräftige Unterstützung der Schweiz, verloren gehen.
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    8. Antwort von A Salm, Aarau
      @ M Jaeger, Wildwil, 190 Milliarden pro Jahr. Es handelt sich um Daten von lediglich 2 Firmen. Wie viele gibt es noch? ....
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    9. Antwort von S.Sieber, Winterthur
      Und wem schulden all diese Staaten Geld?Zu welchen Zinsen?Speisen diese Staaten mit den Zins- und Zinses-Zinszahlungen nicht die unerschöpflichen Geldquellen dieser "Investoren"?Staaten denen sie nach Möglichkeit keine Steuern bezahlt haben.Von deren Infrastrukturen sie aber gut und gerne gratis und franko profitieren.Die Zeche bezahlen die neuen Arbeitssklaven,die auch noch ihre arbeitslosen Mit-Schwestern/-Brüder finanzieren dürfen.Liefert kein Gratis-Menschenmat.mehr!Stoppt die Vermehrung...
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    10. Antwort von David Darius, Schmierendorf
      @Jaeger: Laut ZDF von heute entgehen allein der EU dadurch 1 Billion Steuern!
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  • Kommentar von UdoGerschler, Frankenberg
    Könnte es sein das die Verantwortlichen Politiker für den Berliner Flughafen Steuerhinterzieher und Betrüger sind?
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    1. Antwort von Hans Haller, Kölliken
      Für Sie vielleicht eine interessante, nicht von der Hand zu weisende Frage. Für uns allerdings ist diese deutsche Sache, eben eine deutsche Sache und geht uns rein gar nichts an. Sollte es nötig sein, hier über "Rechtshilfe" auskunft zu erteilen, sind die entsprechenden Stellen auf ordentlichem Wege anzugehen. (basta)
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