Offshore-Leaks zeigt Assange den richtigen Umgang mit Daten

500'000 Bibeln ausdrucken und lesen: Dieser Arbeit stellten sich die Journalisten bei ihren Offshore-Untersuchungen. Ein Vielfaches der WikiLeaks-Unterlagen 2010. Und trotzdem beweist das Konsortium, dass man Julian Assange den Meister gezeigt hat.

Am Anfang der Offshore-Leaks steht eine Festplatte, die dem Internationalen Konsortium für investigativen Journalismus (ICIJ) per Post zugeschickt wurde. Darin befinden sich 260 Gigabite Daten.

Blind-Copy? Nein

Da die Datenmenge nicht zu bewältigen war, setzte ICIJ 86 Journalisten aus 46 Ländern auf den Datenberg an, auch aus der Schweiz. Möglich war die Arbeit nur dank eines ausgeklügelten digitalen Systems. Die Zusammenarbeit sei eine der grössten grenzüberschreitenden investigativen Partnerschaften in der Geschichte des Journalismus, schreibt das Konsortium.

Das Projekt erinnert an WikiLeaks, funktioniert aber ganz anders. «Das Projekt ist aus meiner Sicht ein Gegenentwurf zu WikiLeaks», so ein am Projekt Beteiligter. Das von Julian Assange gegründete WikiLeaks-Projekt mit seinen Berichten von diplomatischen Vertretungen stiess 2010 auf Kritik, weil Namen von Informanten veröffentlicht wurden. «Das ICIJ will diese Daten nicht veröffentlichen», so der Mitarbeiter.

Die Experten setzten die Forensik-Software Nuix ein. So kann man analysieren, wer mit wem E-Mails ausgetauscht hat. Sie können selbst Empfänger erkennen, die im BCC-Feld einer E-Mail eigentlich unsichtbar bleiben sollen.

«Weg vom Hype»

Der Ex-Mediensprecher von WikiLeaks und spätere Kritiker von Julian Assange lobt Offshore-Leaks: «Das ist das, wo wir hin müssen: Weg vom Hype und hin zu einer professionellen Aufbereitung von Leaks», so Daniel Domscheit-Berg. Whistleblower Netzwerk Deutschland hofft auf eine positivere Bewertung von Personen, die Informationen veröffentlichen.