«Ohne Banken keine Löhne»

Für viele Griechen ist die Lage in ihrem Land sehr schwierig. Gelingt es der Regierung nicht bald, ein neues Abkommen mit den Geldgebern auszuhandeln, könnte es noch viel schlimmer kommen. Das sagt Filipos Sachinidis. Er war Finanzminister in der Übergangsregierung von Loukas Papadimos im Jahr 2012.

Eine Aufnahme des ehemaligen griechischen Finanzministers Filipos Sachinidis.

Bildlegende: Hofft auf ein neues Abkommen: Filipos Sachinidis. imago/Archiv

Nie hätte er gedacht, dass es soweit kommt, sagt Filipos Sachinidis. Und nachdem er sich gefasst hat, sagt er, was es nun brauche: «Wir brauchen dringend ein neues Abkommen mit den Geldgebern.» Nur mit einem solchen Abkommen könne man einen Plan ausarbeiten, um die griechischen Banken wieder zu öffnen und die strengen Kapitalkontrollen zumindest zu lockern.

Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis hatte noch letzte Woche versprochen, die Banken würden diesen Dienstag wieder öffnen. Das kann Sachinidis, der derzeit selber im Finanzsektor arbeitet, nicht bestätigen. «Wir haben keine Informationen darüber, wann die Banken wieder aufgehen.»

Dauere das aber lange, dann werde sich die Lage schnell zuspitzen. Sachinidis denkt zum Beispiel an den Arbeitsmarkt. «Ohne Banken werden viele Firmen gezwungen sein, ihren Mitarbeitern keine Löhne mehr zu zahlen oder sie gar zu entlassen», sagt er.

Hoffen auf ein drittes Hilfspaket

Immer wieder kommt Sachinidis auf ein neues Abkommen zu sprechen. Nur, wie schnell ist ein solches überhaupt möglich? Selbst wenn man die politischen Widerstände in Griechenland und in der EU ausklammere, brauche das seine Zeit, denn die Lage habe sich verändert.

Allein die Zuspitzung der letzten Woche werde im griechischen Haushalt ein riesiges Loch hinterlassen. Darum müsse man zuerst abschätzen, welchen Umfang ein neues, drittes Hilfspaket haben müsste. Kommt ein solches zustande, «würde das die Lage in Griechenland schnell wieder bessern», sagt er.

«  Die Verletzlichsten unserer Gesellschaft würden am meisten unter der Drachme leiden. »

Filipos Sachinidis
Ökonom und ehemaliger Finanzminister

Zum Schluss des Gesprächs zahlt Sachinidis seinen Espresso. Er greift zum Portemonnaie, zögert und zückt dann seine Kreditkarte. «Mein Bargeld behalte ich lieber», sagt er. Zuversicht sieht anders aus.

Glaubt er an eine Rückkehr zur Drachme? «Es wäre eine Katastrophe für uns», lautet seine Antwort. Sachinidis macht eine Handbewegung Richtung Fenster, Richtung Syndagma-Platz.

Dort haben gestern die Gegner des Abkommens bis in die tiefe Nacht gefeiert. «Die Verletzlichsten unserer Gesellschaft, jene die gestern hier demonstrierten, würden am meisten unter der Drachme leiden», ist Sachinidis überzeugt. Sie könnten sich mit einer schwachen Drachme noch weniger leisten. «Daran möchte ich gar nicht denken», sagt er und steckt seine Kreditkarte ein.