Zum Inhalt springen

OIC-Gipfel zu Jerusalem-Frage «Ost-Jerusalem ist Hauptstadt von Palästina»

Legende: Video 57 Staaten anerkennen Ost-Jerusalem als Hauptstadt Palästinas abspielen. Laufzeit 1:12 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.12.2017.
  • US-Präsident Trump hat Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt. Ein Krisengipfel mit Staaten mit islamischer Prägung kontert jetzt – und erklärt den Osten der Stadt zur Hauptstadt eines Palästinenserstaates.
  • «Wir verkünden, dass wir den Palästinenserstaat anerkennen, dessen Hauptstadt Ost-Jerusalem ist», zitierte die staatliche türkische Nachrichtenagentur Anadolu aus der Erklärung des Gipfels der Organisation für Islamische Kooperation (OIC).

Der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdogan hatte den eintägigen Sondergipfel als amtierender OIC-Präsident einberufen. Erdogan hatte bereits zum Auftakt des Treffens gesagt: «Von hier aus fordere ich alle Länder, die für internationales Recht und Gerechtigkeit eintreten, dazu auf, Jerusalem als die besetzte Hauptstadt des palästinensischen Staates anzuerkennen.» Im Zentrum der Kritik beim Gipfel in Istanbul stand US-Präsident Donald Trump, der eine Woche zuvor Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt hatte.

Das Gruppenbild des OIC-Gipfels.
Legende: Die wichtigsten politischen Leader aus der muslimischen Welt vereint. Keystone

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sagte in Istanbul, man werde die USA nicht mehr als Vermittler in Nahost akzeptieren. «Wir brauchen einen neuen Mechanismus, um internationale Resolutionen umzusetzen, weil Washington nicht mehr als Schirmherr des Friedensprozesses qualifiziert ist.»
Abbas forderte die Vereinten Nationen dazu auf, die vollständige Verantwortung für die Lösung des Palästinenserkonflikts zu übernehmen. «Wir sind heute hier, um allen deutlich zu sagen, dass Jerusalem die Hauptstadt des Staates Palästina war, ist und bleiben wird.» Trump habe Israel «Jerusalem als Geschenk gegeben, als ob er eine Stadt in den USA anbieten würde».

Erdogan: «Israel ist ein Terrorstaat»

Erdogan nannte Israel erneut einen «Terrorstaat» und kritisierte, mit seiner Entscheidung habe Trump Israel für «Terroraktionen regelrecht belohnt». Dieser Schritt sei «äusserst falsch, provokativ und rechtswidrig» gewesen. «Jerusalem ist unsere rote Linie.»

Der jordanische König Abdullah II. forderte beim Gipfel die Errichtung eines palästinensischen Staates mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt. Der iranische Präsident Hassan Ruhani nannte Trumps Entscheidung «einfach nur unverschämt».

Legende: Karte des geteilten Jerusalem Israel Central Bureau of Statistics

«Kollektive Stimme der muslimischen Welt»

Israel hatte den arabischen Ostteil Jerusalems im Sechs-Tage-Krieg 1967 erobert und beansprucht ganz Jerusalem als Hauptstadt. Dies wird international nicht anerkannt. Die Palästinenser fordern Ost-Jerusalem als künftige Hauptstadt.

Abbas sagte bei dem OIC-Gipfel, die Palästinenser strebten weiter eine UN-Vollmitgliedschaft an. Bisher sind sie Beobachterstaat. Weltweit haben bis heute rund 140 Staaten Palästina als souveränen Staat anerkannt. Die OIC ist ein Zusammenschluss von 57 Staaten und versteht sich als «kollektive Stimme der muslimischen Welt». Vergangene Woche hatte Erdogan gesagt: «Auf diesem Gipfel werden wir die gesamte islamische Welt in Bewegung setzen.»

Staatschef aus mehr als 20 Ländern vor Ort

Nach türkischen Angaben nahmen Staats- oder Regierungschefs von mehr als 20 Ländern an dem Gipfel in Istanbul teil. Darunter waren die Präsidenten des Irans, Indonesiens, Afghanistans und Somalias, die Emire Katars und Kuwaits sowie Jordaniens König Abdullah II.

Weniger prominent vertreten sind jene OIC-Länder, die zusammen mit Saudi-Arabien vor einem halben Jahr eine Blockade gegen Katar begonnen haben. Saudi-Arabien schickte den Religionsminister nach Istanbul, Ägypten den Aussenminister, die Vereinigten Arabischen Emirate ihren Vize-Aussenminister.

54 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.