Oppositionspolitiker in Bangladesch zum Tod verurteilt

Ein Todesurteil des Obersten Gerichts in Bangladesch könnte zu neuen Ausschreitungen führen.

Todesstrafe statt lebenslange Haft: Das Oberste Gericht in Bangladesch hat Abdul Quader Molla von der oppositionellen Jamaat-e-Islami-Partei zum Tod verurteilt. Beobachter befürchten nun neue Ausschreitungen im Land.

Im Prozess ging es um Verbrechen im Unabhängigkeitskrieg gegen Pakistan im Jahr 1971. Molla war im Februar von einem umstrittenen Sondertribunal wegen Massenmordes zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Dagegen war er in Berufung gegangen.

Entsetzter Verteidiger

Mollas Verteidiger zeigte sich nach dem neuen Urteil entsetzt: «Das ist das erste Mal in der südasiatischen Justizgeschichte, dass eine Strafe aus erster Instanz durch das Oberste Gericht erhöht wird.» Das Oberste Gericht seinerseits argumentierte, die Vorinstanz habe zu milde geurteilt, wie SRF-Asien-Korrespondentin Karin Wenger erklärt.

Älterer Mann mit Brille und grauem Bart.

Bildlegende: Der verurteilte Abdul Quader Molla (Archivbild von 2007) Reuters

Dabei sei der Vorwurf eines politischen Urteils nicht von der Hand zu weisen, so Wenger weiter. Mittlerweile sei die gesamte Führungsriege der Jamaat-e-Islami auf der Anklagebank des Sondertribunals. Hinzu komme, dass das Parlament nach massiven Protesten von säkularen Jugendlichen die Gesetze verschärft habe. So habe die Regierung nun das Recht, jedes Urteil des Kriegsverbrechertribunals anzufechten, führt Wenger aus. Es zeige sich nun, dass auch das Oberste Gericht auf diese harte Linie eingeschwenkt sei.

Krieg auch nach 40 Jahren nicht bewältigt

Die Vorgänge während des Krieges gegen Pakistan sind in Bangladesch bis heute äusserst umstritten. Nach Darstellung der Regierung wurden damals drei Millionen Menschen getötet. Andere Schätzungen gehen von 300'000 bis 500'000 Todesopfern aus. Für die Gewalt werden unter anderem islamistische Milizen verantwortlich gemacht, die im Auftrag Pakistans tätig gewesen sein sollen.