Saubere Kleider für die Armen Päpstlicher Waschservice – vor den Augen der Welt

Der Papst hat den Obdachlosen auf dem Petersplatz Waschmaschinen zur Verfügung gestellt. Sie werden rege genutzt. Es ist aber auch eine symbolische Geste.

Eine der Waschmaschinen wäscht gerade die Kleider einer georgischen Familie. Oxana bedient die Waschmaschine, sie macht es freiwillig. Für Mutter, Vater, Sohn und eine kleine Tochter. Ihretwegen, sagt sie, ist die Familie aus Georgien nach Rom gereist, denn das Mädchen ist schwer krank und die Eltern hoffen auf eine Behandlung in einem Römer Spital. Doch nun ist der Familie das Geld ausgegangen und sie ist froh, wenigstens die Kleider waschen zu können, gratis.

Die sechs vom Papst gestifteten Waschmaschinen, zu denen auch sechs Tumbler gehören, stehen in den Räumen der katholischen Laienorganisation Sant'Egidio. Deren Sprecher, Massimiliano Signifredi erklärt, wer die päpstlichen Waschmaschinen vor allem benutzt: «Hier waschen vor allem obdachlose Italiener, meist Opfer der langen italienischen Krise, aber auch Ausländer oder Migranten, die in Rom aus welchen Gründen auch immer gestrandet sind.»

Grosses Medienecho auf päpstliche Aktion

Etwa 50 Personen nutzen den päpstlichen Waschservice wöchentlich. Signifredi ist stolz darauf: «Eine sehr schöne Geste des Papstes ist das», sagt er. Medien rund um den Globus hätten darüber berichtet. Tatsächlich berichteten Journalisten aus aller Welt auch über die Notunterkünfte, die Franziskus geschaffen hat, um 34 männlichen Obdachlosen ein Bett bieten.

Zudem liess der Papst in einem Container direkt neben dem Petersplatz drei Duschen installieren. Bedürftige können sich dort waschen, aber sich auch kostenlos die Haare oder den Bart schneiden lassen.

Menschen gehen an Obdachlosen auf dem Petersplatz vorbei

Bildlegende: Die Wohltätigkeit ist zwar willkommen. Das Problem der Obdachlosigkeit kann sie aber kaum lösen. Reuters

Nach Mitternacht ist der Petersplatz fast menschenleer, aber an den Rändern haben sich Obdachlose eingerichtet. Plattgedrückte Kartonschachteln, Wolldecken oder Tücher sollen das Schlafen auf dem Kopfsteinpflaster erträglich machen. Auch Hunde sind zu sehen. Überall stehen die gleichen Petflaschen, ein Zeichen dafür, dass heute Abend eine Hilfsorganisation Trinkwasser verteilte.

Einer der Freiwilligen, die hier helfen, ist Stefano Buzzi vom Roten Kreuz: «Etwa 120 Obdachlose haben sich hier, rund um den Petersplatz, fest niedergelassen. Dazu kommen jene, die gelegentlich hier übernachten.» Buzzi ist seit Jahren fürs Rote Kreuz nicht nur um den Vatikan, sondern in der ganzen Stadt unterwegs.

Ein Tropfen auf den heissen Stein

Das Problem sei, dass es in Rom sehr viele solche Orte gebe. «8000 bis 9000 Personen leben in Rom auf der Strasse oder haben nur eine provisorische Bleibe, wie etwa ein Auto oder einen Wohnwagen. Selbst auf Roms Friedhöfen übernachten Leute», weiss Buzzi. Schlimm sei die Lage vor allem im Winter, wenn die Temperaturen auch in Rom bis zum Gefrierpunkt fallen.

Die 34 vom Papst zur Verfügung gestellten Schlafplätze, die drei Duschen und die sechs Waschmaschinen ändern an dieser Notlage nur sehr wenig. Buzzi sieht die päpstliche Hilfe deshalb auch eher als eine ausgestreckte Hand. Ein Symbol sei sie. Tatsächlich tragen Duschen für Obdachlose direkt neben der Peterskirche dazu bei, die Armut und Not in dieser Stadt der ganzen Welt vor Augen zu führen.

Insofern ist die symbolische Hilfe des Papstes als Aufforderung zu verstehen, mehr zu tun. Ein Appell, der bisher aber kaum gehört wurde.