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International Pakistan: Sharifs Muslim-Liga vor Erdrutschsieg

Er war schon 1990 bis 1992 und 1997 bis 1999 Regierungschef. Nun wird Nawaz Sharif wohl zum dritten Mal Premierminister. Die bisher regierende Volkspartei von Präsident Zardawi wird vom Wahlvolk abgestraft.

Legende: Video Sharif gewinnt Parlamentswahlen in Pakistan abspielen. Laufzeit 3:03 Minuten.
Aus Tagesschau vom 12.05.2013.

Der Tiger ist das Maskottchen von von Nawaz Sharifs Muslim-Liga (PML-N). «Der Tiger brüllt wieder», kommentiert denn auch die Zeitung «Dawn» den Wahlausgang in Pakistan. Kämpferisch hatte sich Sharif schon als Regierungschef 1990 bis 1992  und 1997 bis 1999 gezeigt, als er sich wahlweise mit der mächtigen  Armee oder dem Verfassungsgericht anlegte. 1992 wurde er vom damaligen Präsidenten und dem Militär aus dem Amt gedrängt, offizieller Grund waren Korruptionsvorwürfe.

1999 putschte der von Sharif eingesetzte Armeechef Pervez Musharraf gegen den Premier. Sharif ging im Jahr darauf ins Exil nach Saudi-Arabien. Lange Zeit verstummte der Tiger. Doch nach seiner Rückkehr in die Heimat 2007 arbeitete Sharif stetig daran, seine Macht wieder auszuweiten.

«Wir müssen Gott dem Allmächtigen dafür danken, dass er der PML-N eine weitere Möglichkeit gibt, Pakistan und der Nation zu dienen», sagte der mutmassliche künftige Premierminister vor Anhängern in seiner Heimatstadt Lahore. «Jetzt betet, dass Gott uns mit einer (absoluten) Mehrheit segnet.» Ob dieses Gebet erhört wird, ist noch offen.

Der Staatssender PTV rechnete der PML-N 127 von 272 Wahlkreisen zu, in denen die konservative Partei entweder vorne lag oder gewonnen hatte. Die PTI kommt demnach auf 34 Sitze, die PPP auf 31. Sollte die PML-N die absolute Mehrheit von 137 Sitzen verfehlen, könnte sie darauf hoffen, dass sich unabhängige Kandidaten ihr anschliessen. Sonst ist sie auf Koalitionspartner angewiesen.

Kricket-Legende an zweiter Stelle

An zweiter Stelle landete die Partei Tehreek-e-Insaf (Bewegung für Gerechtigkeit/PTI) von Kricket-Legende Imran Khan, der den Wahlkampf kräftig aufmischte und nun eine gewichtige Rolle in der Politik spielen wird.Ihr werden 34 Sitze zugeschrieben.

Eine schallende Ohrfeige verpassten die Wähler der bislang regierenden Volkspartei PPP der Ende 2007 ermordeten Ex-Premierministerin Benazir Bhutto: Sie landete voraussichtlich weit abgeschlagen auf dem dritten Platz. Die Wähler machten die Partei von Präsident Asif Ali Zardari, der eine Wiederwahl durch das neue Parlament im September wohl abschreiben kann, für zahlreiche Krisen verantwortlich: Die Sicherheitslage ist katastrophal, die Taliban verbreiten Terror. Die Wirtschaft steht vor dem Kollaps, ausländische Investoren haben die Flucht ergriffen. Selbst in der Hauptstadt Islamabad fällt jeden Tag stundenlang der Strom aus.

Historisch hohe Beteiligung

Von den Wählern abgestraft wurden  auch die pakistanischen Taliban (TTP). Mit Terror wollten sie den Pakistanern ihr Recht rauben, ihre Stimme abzugeben. Obwohl am Wahltag bei Anschlägen und Angriffen fast 30 Menschen getötet und mehr als 90 verletzt wurden, scheiterten die Extremisten auf ganzer Linie.

Nach Angaben der Wahlkommission wählten knapp 60 Prozent der mehr als 86 Millionen Stimmberechtigten - Medienberichten zufolge war es die stärkste Beteiligung seit der ersten Parlamentswahl Pakistans 1970.

In diesem Jahr wird zum ersten Mal seit der Unabhängigkeit 1947 eine Regierung nach dem Ende ihrer Amtszeit durch eine gewählte Nachfolgerin abgelöst. 272 der insgesamt 342 Parlamentssitze werden neu vergeben.

Die pakistanische Wahlkommission kritisierte am Samstag, in der Wirtschaftsmetropole Karachi seien die Wahlen nicht frei und fair verlaufen. Sie ordnete deshalb in mehr als 30 Wahllokalen neue Abstimmungen wegen Unregelmässigkeiten an.

Legende: Video Hohe Wahlbeteiligung in Pakistan trotz Gewalt abspielen. Laufzeit 2:48 Minuten.
Aus Tagesschau vom 11.05.2013.

Obama gratuliert

US-Präsident Barack Obama hat Pakistan zum erfolgreichen Abschluss der Wahlen gratuliert. «Die Vereinten Staaten begrüssen zusammen mit allen Pakistanern diesen historisch friedlichen und transparenten Übergang von ziviler Macht, der einen erheblichen Meilenstein bei der demokratischen Entwicklung Pakistans darstellt», teilte Obama mit.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von A. Holenstein, Cross'n'Star
    Pakistan besitzt die Atombombe... Persien hingegen, wird sie vergönnt... Ich nenne das: DEMOCRAZY!!!
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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Obwohl Pakistan nicht direkt mit Ägypten verglichen werden kann, weil dort viel mehr Völker leben, viel mehr Sprachen gesprochen und viel mehr Religionen ausgeübt werden, sind gewisse Parallelen nicht zu übersehen. Was mich am meisten interessiert, Herr Nahyan Khan weiter unten: Wird dieser Wahlsieg zu einer weiteren Radikalisierung führen? Vor allem die Christen, denen immer wieder diese lächerliche "Blasphemie" angelastet werden kann, rechnen mit den "gemässigten" Muslimen.
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  • Kommentar von Walter Gehrig, Luzern
    Echte Wahlen kann es und wird es in einem islamischen Staat nie geben, weil Demokratie und Islam sich gegenseitig ausschliessen.
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    1. Antwort von Nahyan Khan N., Zürich
      Herr Gehrig, da muss ich Ihnen widersprechen. Erstens ist der Islam nicht ein monolithischer Block, sondern religiös, politisch und kulturell zu differenzieren. Gerade in Pakistan ist z. B. der Sufismus verankert, welcher den Glauben als etwas nur persönlich Erfahrbares versteht, ergo die Trennung von politischer und religiöser Sphäre befürwortet. Zweitens kämpfen in Pakistan viele Leute muslimischen Glaubens für eine Demokratisierung. Ich empfehle Ihnen folgende Lektüre: Mohammed Ayoob, MfG
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    2. Antwort von Corletto Luca, Wetzikon
      Sogar der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg (ECHR) urteilte in mehreren Verfahren, dass die Scharia „inkompatibel mit den fundamentalen Prinzipien in der Demokratie“ sei.
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    3. Antwort von Hans Sieber, Widnau
      Hätte man das im Abendland im Mittelalter nicht vielleicht auch gedacht, hätte es damals bei uns eine Demokratie gegeben?
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    4. Antwort von Corletto Luca, Wetzikon
      Solange zwischen Religion und Staat keine Gewaltentrennung besteht funktioniert eine Demokratie nicht.
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    5. Antwort von Nahyan Khan N., Zürich
      Kein religiöses Dogma ist mit den Prinzipien der Demokratie vereinbar. Sharia-Recht (was, das umfasst, ist eine komplexe Frage) war in Pakistan bei weitem nicht von Anfang an bestimmend, sondern common law. Zia-ul-Haq änderte dies. Welche (polit. & sozio-ökon.) Faktoren führten zu diesem Wandel? Kommen Sie doch in ein Seminar an die UZH, dann kann man anstatt (zwar wichtige) Schlagworte wie "Trennung von Kirche/Staat" in die Welt hinauszuposaunen dieses ernste Thema angemessen auseinandersetzen.
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