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International Palästinenser wollen vor UNO-Sicherheitsrat

Der Tod eines eineinhalbjährigen palästinensischen Kindes bei einem Anschlag im Westjordanland sorgt für Empörung. Offenbar haben militante Siedler den Brand gelegt. Die palästinensische Autonomiebehörde kündigt Konsequenzen an: Sie will den UNO-Sicherheitsrat einschalten.

Legende: Video Unruhen im Westjordanland abspielen. Laufzeit 1:36 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 01.08.2015.

Die palästinensische Autonomiebehörde will den jüngsten Brandanschlag im Westjordanland zum Thema bei den Vereinten Nationen machen. Man wolle «die kriminellen Taten und den Terrorismus der israelischen Siedler» vor den UNO-Sicherheitsrat bringen, hiess es in einer Mitteilung der Palästinenserführung nach einer Sondersitzung am Freitagabend.

UNO-Generalsekretär Ban Ki-Moon solle zudem aufgefordert werden, die besetzten Gebiete unter internationalen Schutz zu stellen.

UNO-Sicherheitsrat ruft zu Mässigung auf

Bei dem Anschlag war am Freitagmorgen nahe Nablus ein palästinensisches Kleinkind getötet und seine Familie schwer verletzt worden. Als Täter vermuten israelische Sicherheitsbehörden militante Siedler.

Die Mitglieder des UNO-Sicherheitsrates verurteilten den «Terroranschlag». Sie riefen alle Seiten auf, Provokationen zu vermeiden. Die Suche nach den Tätern läuft. Auch die deutsche Bundesregierung und die EU hatten den Anschlag verurteilt.

Jüdische Siedler als mutmassliche Urheber

Nach Angaben der israelischen Armee kamen mindestens zwei Vermummte in das Dorf Duma zwischen Nablus und Ramallah. Sie beschmierten zwei Häuser mit hebräischen Graffiti – darunter das Wort «Rache» –, schlugen dann Fenster ein und warfen Brandbomben in die Gebäude.

Dabei erlitt das 18 Monate alte Kind so schwere Brandverletzungen, dass es starb. Mindestens drei weitere Familienmitglieder wurden nach israelischen und palästinensischen Angaben schwer verletzt.

Israels Staatsspitze verurteilt «Terrorakt»

Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu schrieb in einer Mitteilung, er sei schockiert über die «entsetzliche Tat». Die israelische Regierung verurteile den terroristischen Akt. Er habe die Sicherheitskräfte angewiesen, alles zu unternehmen, um die Täter zu fassen und vor Gericht zu stellen.

Staatspräsident Reuven Rivlin schrieb in einer Mitteilung an arabische Medien, Israel habe jüdischen Terrorismus bislang offenbar nicht genug geahndet. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sprach im palästinensischen Fernsehen von einem «Verbrechen gegen die Menschlichkeit».

Netanjahu und Abbas sprachen später am Telefon über die Tat, wie das Büro des israelischen Ministerpräsidenten mitteilte. Es war das zweite Telefonat der beiden in diesem Jahr.

Tote bei Protesten

Tote bei Protesten
Legende: Reuters

Tausende Palästinenser gingen aus Wut über das Attentat auf die Strasse. Bei Zusammenstössen mit der israelischen Armee im Westjordanland wurde ein palästinensischer Jugendlicher angeschossen. Er starb später im Spital. Laut palästinensischen Angaben wurde auch in Gaza ein Jugendlicher durch israelische Schüsse getötet. Ein weiterer wurde verletzt.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Charles Halbeisen, Bronschhofen
    Es gibt auf beiden Seiten Verbrecher: Bei den Juden und auch bei den Palästinensern. Und es gibt auch auf beiden Seiten anständige Menschen, und ich denke, das ist die Mehrheit.
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  • Kommentar von S. Buso, 8500
    Diese traurige meldung empfinden hoffentlich alle befürworter des israelischen siedlungsausbaus als harten schlag ins gesicht!
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  • Kommentar von kari huber, surin
    Wenn die zwei statt Juden Palästinenser waren, dann waren sie äusserst erfolgreich darin, Israel noch tiefer in die Rolle des ruchlosen Unterdrückers zu drängen als es Bibi bisher gelungen war. Wenn sie jedoch tatsächlich jüdische Siedler waren, dann sind ihre Taten die direkte Folge der Verbrüderung Netanjahus mit politischen Extremisten, nämlich israelischen Rechtsextremen.
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