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International Papst empfängt Missbrauchsopfer und bittet um Verzeihung

In einer Messe hat Papst Franziskus sechs Opfer von sexuellem Missbrauch durch katholische Priester entschuldigt. Er bat sie persönlich um Vergebung «für diese Sünden und schweren Verbrechen». Zugleich verurteilte er die «Mittäterschaft» der katholischen Kirche.

Legende: Video Papst: «Mit Demut bitte ich Sie um Verzeihung.» (Originaton) abspielen. Laufzeit 3:42 Minuten.
Vom 07.07.2014.

Papst Franziskus hat ein Zeichen gesetzt für Opfer, die von katholischen Geistlichen sexuell missbraucht worden sind. Er traf im Vatikan sechs Betroffene aus Deutschland, Irland und Grossbritannien. Mit ihnen feierte Franziskus die Morgenmesse in der kleinen Kapelle des vatikanischen Gästehauses Santa Marta, wo er wohnt.

Papst Franziskus bat demütig um Vergebung «für diese Sünden und schweren Verbrechen» und verurteilte die «Mittäterschaft» der katholischen Kirche beim sexuellen Missbrauch durch Geistliche. Die Verbrechen seien lange «verheimlicht und vertuscht worden, durch eine Mittäterschaft, die nicht zu erklären ist», sagte er.

«In der Geistlichkeit ist kein Platz für jene, die Missbrauch begehen», sagte der Papst und bekräftigte, Vergehen an Minderjährigen nicht zu tolerieren. Die Universalkirche müsse Minderjährige schützen und auch über die Priester-Ausbildung solche Sünden aus der Kirche verbannen.

Ein kleiner Junge ergreift die Hand eines Kardinals (Symboldbild).
Legende: Die katholische Kirche müsse Minderjährige schützen, verlangt Papst Franziskus. Reuters

Persönliche Gespräche mit Betroffenen

Der Papst dankte den sechs Missbrauchsopfern mehrmals. «Ihre Anwesenheit hier ist ein Wunder der Hoffnung, das die tiefe Dunkelheit durchbricht», erklärte Franziskus. Je zwei Opfer aus Deutschland, Irland und Grossbritannien, waren vom Erzbischof Kardinal Sean O'Malley aus Boston (USA) zu dem Treffen eingeladen worden.

Nach der Messe traf sich der Papst mit jedem Missbrauchsopfer zu einem persönlichen Gespräch, das jeweils etwa eine halbe Stunde dauerte. Die Betroffenen wurden je von einem Angehörigen oder einer Vertrauensperson begleitet. Am Ende des Treffens wurde die Gruppe zum Mittagessen mit dem Papst im Gästehaus Santa Marta eingeladen. Das berichtete Vatikan-Sprecher Federico Lombardi.

Zur Gruppe gehört auch die Irin Marie Collins, Mitglied einer Kommission zum Schutz von Minderjährigen vor sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche, die der Papst im März eingesetzt hatte. Die aus Dublin stammende Collins war in den 1960er Jahren von einem katholischen Priester sexuell missbraucht worden und engagiert sich seit längerem für einen besseren Schutz von Kindern in Einrichtungen der katholischen Kirche.

Kritik von Betroffenen-Netzwerk

«Die Aktion von Papst Franziskus ist ein weiteres Stück Symbolismus», kritisierte das deutsche Netzwerk von Betroffenen sexueller Gewalt. Der Papst schare lieber strenggläubige Missbrauchsopfer um sich und bete mit ihnen, anstatt die Betroffenen angemessen zu entschädigen, so der Vorsitzende des Netzwerkes, Norbert Denef.

Andere Opfervertreter begrüssten hingegen das Treffen mit dem Papst, das sie für Missbrauchsopfer seit langem gefordert hatten. Franziskus brandmarkte den Missbrauch an Kindern durch Geistliche mehrfach und kündigte dabei «null Toleranz» für die Täter an.

Laisierung von Klerikern

Die katholische Kirche wird seit Jahren durch zahlreiche Missbrauchsfälle aus den vergangenen Jahrzehnten weltweit erschüttert. Hunderte Geistliche wurden bereits ihrer Priesterämter enthoben. Nach Angaben des Vatikans wurden den internen Ermittlern im vergangenen Jahrzehnt 3420 Verdachtsfälle gemeldet.

Laut der katholischen Zeitung «L'Avvenire», dem Sprachrohr der italienischen Bischofskonferenz CEI, hat der Vatikan zwischen 2004 und 2013 insgesamt 848 Priester wegen Missbrauchs von Kindern wieder laisiert, d.h. ihre klerikalen Rechte und Pflichten wurden ausgesetzt. Weitere 2572 Priester wurden mit weniger drastischen Massnahmen bestraft.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Th. Widmer, Basel
    Dies ist so wie man sich für die Kreuzzüge entschuldigt hatte, ersten viel zu spät und zweitens bringt es nicht mehr. Der Schaden ist angerichtet und wird auch nicht das letzte mal gewessen sein. Willkommen in der Katholischen Kirche...
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  • Kommentar von Emmanuela Ganzi, Ilanz
    Worte sind Wind. Untersuchungen, Auslieferung an die Polizei, das wäre etwas.
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  • Kommentar von Richard Sitterding, Whitingham, Vermont, USA
    Solange die Kirche keine effektive Überwachung einrichtet, ist alles dieses Gerede nur so viel heisse Luft wie wir sie von unseren Politikern dauernd erhalten. Gerichtsverfahren und Strafmassnahmen müssen öffentlich erkennbar sein damit wir von der Aufrichtigkeit der Kirchenpotentaten überzeugt werden können. Sie haben die Führung der Kirche übernommen, und gehen persönlich entgegen allen Christlichen Glauben. Was für ein Beispiel! "Die Worte hör' ich wohl, allein mir fehlt der Glaube".
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