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International Papst Franziskus will Pädophile härter bestrafen

Sexueller Missbrauch von Kindern in der Kirche: Dazu sollte der Vatikan gegenüber der UNO Stellung nehmen. Der Papst gab – ungewöhnlich schnell – bereits eine Antwort.

1 Kreuz, 5 Buben
Legende: Papst Franziskus passt die Gesetzgebung bezüglich Kindsmissbrauch internationalen Standards an. Reuters

Es ist das erste Mal, dass die UNO dem Vatikan zum sexuellen Missbrauch von Kindern in der Kirche detaillierte Fragen stellt.

Der Ausschuss für die Rechte von Kindern in Genf veröffentlichte eine Liste von Fragen, über die der Kirchenstaat «wenn möglich» vor dem 1. November Auskunft geben soll.

Kindesmissbrauch nicht mehr toleriert

Papst Franziskus handelt nun. Er stärkt das Strafrecht des Vatikans bei Verbrechen gegen Kinder und Missbrauch von Minderjährigen. Und: Er passt gleichzeitig das zivile Strafgesetzbuch an internationale Standards gegen Geldwäsche und Korruption an.

Kindesmissbrauch im Vatikan und in der Kurie der Katholischen Kirche werden künftig schärfer geahndet. Strafbar sind alle Taten gegenüber Minderjährigen, vom Herunterladen kinderpornografischer Inhalte aus dem Internet bis zum Missbrauch. Delikte sollen zudem nicht nur verfolgt werden, wenn sie innerhalb der Mauern des Vatikans begangen werden.

Die Neuen Regeln treten am 1. September in Kraft. Sie gelten für alle Mitglieder, Vertreter und Beschäftigten der Organe des Heiligen Stuhls.

Papst Franzikus will verändern

Franziskus setzt damit die von seinem Vorgänger Benedikt XVI. eingeleiteten Reformen fort. Ziel ist, den Kirchenstaat in Einklang mit dem Völkerrecht zu bringen.

Martin Werle, Abt des Klosters Einsiedeln, begrüsst gegenüber «SRF Online» diese Entwicklung in der katholischen Kirche: «In vielen Kulturen der Welt ist der sexuelle Missbrauch von Kindern noch ein Tabuthema. Wenn wir in der Kirche damit gut umgehen, hat das für diese Regionen Signalwirkung.»

Auch in der Schweiz war das Thema virulent

Legende: Video «Missbräuche gab es auch in der Schweiz» abspielen. Laufzeit 10:00 Minuten.
Aus 10vor10 vom 19.03.2010.

Im Jahr 2010 wurden besonders viele Missbrauchsfälle bekannt. «10vor10» berichtete damals darüber. Auch das Kloster Einsiedeln war davon betroffen.

Allerdings handelte es sich bei den Opfern um Erwachsene. Abt Martin Werlen handelte damals rasch. Er setzte sich für die Klärung der Fälle ein und ordnete Therapien an. Einen Zusammenhang zwischen dem Zöllibat und den Missbräuchen machte er damals nicht aus.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Jorge Stein, Chêne - Bougeries
    Nachdem sich herausgestellt hat, dass die meisten paedophilen Missbrauchsfälle im familiären Umfeld, gefolgt von Sport- und Jugendorganisationen, Schulen und dem Medizinalbereich passieren und die katholischen resp. protestantischen Kirchen markant hinter diesen rangieren, sei die Frage erlaubt, ob nun etwa auch die FIFA, Handballer Organisationen und der Welt-Pfadfinder Verband, YMCA etc von der UNO zur Auskunftserteilung zitiert werden.
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    1. Antwort von Hansi Dragoner, Drachenstein
      Sie sollten sich in diesem Zusammenhang mal ernsthaft überlegen mit welch hohen moralischen Ansprüchen die katholische Kirche als "Leib Christi" antritt, die sie dem niederen Gottesvolk unter Androhung ewiger Höllenpein als Verpflichtung auferlegen will. Insoweit verbieten sich Vergleiche mit den Pfadfindern und Handballvereinen etc.
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  • Kommentar von Ernst Jacob, Moeriken
    Ein geschichtsträchtiger Entscheid, der Papst will den Kindemissbrauch seiner Untergebenen schärfer ahnden, auch wenn diese innerhalb der Mauern des Vatikans 'begangen' werden. Man darf gespannt, wie 'scharf' der 'Vollzug' solcher Regeln gehandhabt werden wird, vielleicht wird es in Zukunft eine päpstliche 'Ueberwachungs-Kommission' geben, die die Computer der einzelnen Kardinäle kontrolliert. Eine Glosse, es wäre eigentlich fast schon zum Lachen, wäre das Thema nicht so bitter ernst.
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  • Kommentar von Hans Kluge, Hannover
    Hoppla, stimmt da etwa irgendwas nicht? Oder warum muss der Papst jetzt plötzlich handeln?
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