Papst verteilt Kardinalsbirette an katholische Wachstumsländer

Papst Franziskus ernennt 20 neue Kardinäle und übergeht dabei die Favoriten aus den USA und Italien. Stattdessen kommen Bischöfe aus Burma, Tonga oder den Kapverden zum Zug. Dies solle die Vielfalt der Kirche widerspiegeln, sagte er.

Der Papst erhebt am Fenster über dem Petersplatz bei seinem Angelus-Gebet den rechten Zeigefinger.

Bildlegende: Der Papst ernennt weniger italienische Kardinäle als erwartet – nur einer erhält das scharlachrote Birett (Bischöfsmü... Reuters

Papst Franziskus will am 14. Februar 20 neue Kardinäle in ihr Amt einführen. Wie das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche am Sonntag beim sogenannten Angelus-Gebet auf dem Petersplatz in Rom bekanntgab, sind 15 von ihnen jünger als 80 Jahre. Damit sind sie bei einer künftigen Papstwahl abstimmungsberechtigt.

Die Liste wird vom früheren vatikanischen Aussenminister Dominique Mamberti aus Frankreich angeführt. Es folgen vier Erzbischöfe aus Europa (Italien, Portugal und Spanien), jeweils drei aus Asien und Lateinamerika sowie je zwei aus Afrika und Ozeanien. US-Amerikaner nimmt der Papst keine ins Kardinalskollegium auf.

Die neuen Kardinäle kämen von «jedem Kontinent», sagte Franziskus. Dies zeige die «unverbrüchliche Bindung der Kirche in Rom zu den anderen Kirchen der Welt».

Reaktionen auf Franziskus' Kardinalsliste

In Italien hatte man mit mehr neuen Kardinalskappenträgern aus den eigenen Reihen gerechnet. Doch der Patriarch von Venedig oder der Erzbischof von Turin gingen leer aus. Das sei von italienischen Online-Medien zum Teil mit Erstaunen zur Kenntnis genommen worden, sagt der Schweizer Benediktiner-Pater Markus Muff. Er ist europäischer Direktor der «Confoederatio Benedictina» in Rom.


Gespräch mit Benediktiner-Pater Markus Muff

3:23 min, aus SRF 4 News aktuell vom 05.01.2015

Wenn er jedoch seine italienischen Kollegen frage, ergebe sich ein anderes Bild. «Diese gehen davon aus, dass die katholische Kirche aus Italien herauswachsen muss», sagt der Vatikan-Kenner gegenüber SRF. Die Herkunft der neuen Kardinäle sei für sie deshalb weniger überraschend.

Über die Taufe würden jährlich etwa zehn bis zwölf Millionen Menschen der Glaubensgemeinschaft beitreten. «Wobei das grosse Wachstum natürlich nicht in der Schweiz oder in Zentraleuropa stattfindet», erklärt Muff. Sondern vielmehr in den Ländern, die der Papst nun bei den Kardinalsernennungen berücksichtigt habe.

Kardinäle wählen den nächsten Papst

Das Kardinalsgremium, das nach dieser Wahl 125 Personen umfasst, wird – sollte der aktuelle Papst zurücktreten oder abgelöst werden – den neuen Papst wählen. «Und da ist dann natürlich die gesamte Welt besser vertreten», so Muff.