Der Papstname ist Programm

Leo, Johannes, Paul, Benedikt oder eben Franziskus: Papstnamen sind kein Zufall – sie haben eine tiefere Bedeutung. Dies zeigt ein Blick in die Vergangenheit der Bischöfe von Rom.

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Markus Büchel über den neuen Papst

1:19 min, vom 13.3.2013

Direkt nach seiner Wahl durch die Kardinäle musste Jorge Mario Bergoglio, der 266. Papst der Kirchengeschichte, den von ihm erwählten künftigen Namen nennen.

Dabei hatte er drei Möglichkeiten: Er konnte in der Fassung auf Latein an seinem Taufnamen festhalten, den Namen eines Vorgängers oder den eines Heiligen für sich wählen.

Dass sich Bergoglio für den Namen Franziskus – nach dem Vorbild Franz von Assisis – entschied, ist laut Religionsexpertin Klara Obermüller bemerkenswert. «Franz von Assisi war ein Aussteiger», sagte sie in «10vor10». Er habe dem Reichtum abgeschworen und einen Reformorden gegründet. «Er wollte zurück zu den Wurzeln.»

Auch Markus Büchel, Vorsitzender der Schweizer Bischofskonferenz, zeigte sich in der «Rundschau» erfreut über die Namenswahl: «Der Name ist ein grosses Programm.» Aber auch die Schlichtheit des Auftritts von Franziskus und die Tatsache, dass er aus Lateinamerika komme, haben Büchel überrascht.

Neue Namenstradition seit dem Jahr 996

Papst Franziskus I. auf der Loggia des Apostolischen Palastes.

Bildlegende: Der neue Papst nennt sich Franziskus – nach dem heiligen Franz von Assisi. Keystone

Bis zum Ende des ersten Jahrtausends nach Christus war es mit wenigen Ausnahmen üblich, den Taufnamen zu behalten. Das änderte sich erst bei Gregor V. im Jahr 996. Der erste deutsche Papst legte seinen Taufnamen Bruno von Kärnten ab und begründete damit eine bis heute bestehende katholische Tradition.

So legte auch Joseph Ratzinger seinen Taufnamen ab und wählte den Papstnamen Benedikt. Als sechzehnter in dieser Namensreihe wollte er sich damit in die Tradition von Benedikt XV. stellen, der wegen seines engagierten Eintretens gegen den Ersten Weltkrieg auch der Friedenspapst genannt wird.

Auch Doppelnamen möglich

Dass es in der Namenstradition auch immer wieder zu Neuheiten kommen kann, zeigte das Jahr 1978: Damals wählte Kardinal Albino Luciani als erster Papst einen Doppelnamen, nämlich Johannes Paul I. Der nach nur 33 Tagen im Amt gestorbene Papst wollte damit seine Ehrfurcht vor seinen beiden Vorgängern Johannes XXIII. und Paul VI. zum Ausdruck bringen.

Karol Wojtyla begründete die Wahl seines Namens Johannes Paul II. später damit, dass er sein Pontifikat in dieser Linie einordnen wolle.