Der «verbotene» Orden der Jesuiten

Bildung, Missionierung, Spiritualität und die Sorge um die Armen sind die Grundpfeiler der Ordensarbeit der Jesuiten. In der Schweiz waren die Anhänger von Ignatius von Loyola, dem Gründer des Ordens, nicht immer gern gesehen.

Im Unterschied zu anderen Glaubensbrüdern verzichten die Jesuiten auf eine eigene Ordenstracht; sie leben auch nicht zurückgezogen im Kloster wie beispielsweise die Benediktiner, sondern unterrichten an Schulen und Universitäten.

Innerhalb der Katholischen Kirche stellen sie einen eigentlichen Intellektuellen-Orden dar: Wer Jesuit werden will, absolviert eine zehnjährige theologische und Philosophische Ausbildung. Danach legen die Ordensbrüder ein Keuschheits-, Armuts- und Gehorsamkeitsgelübde ab. Nach weiteren sieben Jahren folgt die Stufe der Professoren, die gleichgesetzt ist mit dem Priesteramt.

Mission in Palästina gescheitert

Gegründet wurde der Jesuiten-Orden im Jahr 1534 vom Heiligen Ignatius von Loyola. Ursprüngliches Ziel war es, in Palästina zu missionieren. Da dieses Vorhaben jedoch scheiterte, liess sich die Gemeinschaft in Rom nieder, wo sie 1540 vom Papst anerkannt wurde.

Binnen weniger Jahrzehnte waren die Jesuiten nicht nur in Italien, sondern in ganz Europa aktiv, vor allem an den Schulen. Im Kampf der Katholischen Kirche gegen die Reformation spielten die Jesuiten eine wichtige Rolle. Sie gründeten zahlreiche Ordenshäuser in den neuen protestantischen Regionen.

Der Jesuitenorden wurde mehrfach verboten – vielen weltlichen Herrschern war er zu mächtig geworden. Das Bild des romhörigen finsteren Jesuiten, der aufklärerische und protestantische Bestrebungen torpediert, stand am Anfang der politischen Verschwörungstheorien der Neuzeit.

Verbot vor 40 Jahren aufgehoben

In der Schweiz führte unter anderem die starke Präsenz der Jesuiten in den katholischen Kantonen – insbesondere in Luzern – zum Sonderbundskrieg. Nach dem Sieg der Reformierten wurden die Jesuiten vertrieben. In der Verfassung von 1848 wurden sie schliesslich sogar verboten. Erst 1973 wurde das Verbot per Volksabstimmung wieder aufgehoben.

Die Schweiz gehört heute mit etwa 60 Jesuiten zu den kleineren Provinzen des Ordens. Standorte sind die jesuitischen Gemeinschaften in Bad Schönbrunn ob Zug, sowie in Basel, Freiburg, Genf, Luzern und Zürich.