Papst Franziskus predigt «Liebe und Zärtlichkeit»

Stahlblauer Himmel, Sonnenschein und eine fröhliche Menschenmenge. Besser hätten die Bedingungen für die Amtseinführung von Papst Franziskus nicht sein können. Auch Aussenminister Didier Burkhalter konnte einige Worte mit dem Pontifex wechseln.

Papst Franziskus hat vor zehntausenden Pilgern und Touristen sein Amt als Kirchenoberhaupt der Katholiken angetreten. Einem feierlichen Ritus folgend erhielt der neue Papst auf dem Petersplatz den traditionellen Fischerring und das Pallium, eine Art Schal.

Den vergoldeten Silberring überreichte Kardinalsdekan Angelo Sodano dem neuen Papst, den Wollschal bekam er von dem Protodiakon Jean-Louis Tauran umgelegt. Das Pallium hatte bereits Benedikt getragen. Die Überreichung der päpstlichen Insignien markiert den Beginn des Pontifikats. Stellvertretend für alle Kardinäle gelobten sechs Purpurträger anschliessend Franziskus feierlich ihren Gehorsam.

Franziskus sagte in seiner Predigt, es sei auch seine Aufgabe, «mit Liebe und Zärtlichkeit die gesamte Menschheit anzunehmen, besonders die Ärmsten, die Schwächsten, die Geringsten.» Angesichts zahlreicher Wegstrecken mit grauem Himmel seien aber alle berufen,  «den Stern der Hoffnung leuchten zu lassen: Hüten wir mit Liebe, was Gott uns geschenkt hat!» Jedes Geschöpf Gottes und auch die Umwelt müssten geachtet werden, bekräftigte der Argentinier, der seinen Papstnamen von dem Heiligen Franz von Assisi entliehen hat.

«Lassen wir nicht zu, dass Zeichen der Zerstörung und des Todes den Weg dieser unserer Welt begleiten», beschwor Franziskus die Menge auf dem Petersplatz und die anwesenden Vertreter aus Politik und Kirchen. Leider gebe es in jeder Epoche Menschen wie Herodes, «die Pläne des Todes schmieden, das Gesicht des Menschen zerstören und entstellen.» Hass, Neid und Hochmut verunreinigten aber das Leben.

Vor der Messe jubelten die Menschen dem neuen Mann auf dem Stuhl Petri zu, als er in einem offenen Jeep durch die Menge fuhr und sie bei sonnigem Wetter begrüsste. Ein Meer von Fahnen aus aller Welt und Spruchbändern war auf dem Platz vor dem Petersdom zu sehen, auf dem nach Angaben des Vatikans 150‘000 bis 200‘000 Menschen zusammenkamen.

Dutzende Staatspräsidenten, Regierungschefs, hochrangige Vertreter der Königshäuser und anderer Kirchen sind zu seiner Amtseinführung nach Rom gereist. Franziskus war vor sechs Tagen zum Nachfolger von Benedikts XVI. gewählt worden, der aus Altersgründen zurückgetreten war.

Burkhalter: «Ein sehr bescheidener Mann»

Die Schweiz vertreten hat Bundesrat Didier Burkhalter. Er konnte mit Papst Franziskus nach der Messe einige Worte wechseln. Das Treffen hat Burkhalter beeindruckt: «Er ist sehr bescheiden.  Er wäre sehr willkommen, wenn er in die Schweiz kommen möchte. Und er hat gesagt: beten Sie für mich."

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Aussenminister Burkhalter beim Papst

1:08 min, aus Tagesschau vom 19.3.2013

Indes: Einen baldigen Besuch in der Schweiz rechnet sich der Aussenminister nicht aus. Dennoch könnte dieser Papst schon bald neue Impulse aussenden – auf dem Gebiet der Menschenrechte und des Friedens – die auch in der Schweiz Unterstützung fänden. Burkhalter: «Es gibt mit Frieden und Kampf gegen Armut Werte, die sehr Schweizerisch sind. Da gäbe es sehr viel zu diskutieren und deshalb ist dieser Tag so wichtig.»