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Papstwahl Vatikan kontert Kritik an Papst

Papst Franziskus bedankte sich in seiner ersten Audienz bei den Würdenträgern. Auf Kritik an Bergoglios Verhalten während der argentinischen Militärdiktatur reagierte der Vatikan mit scharfen Worten. Es handele sich dabei um eine «Diffamierungskampagne».

Legende: Video Papst stolpert (unkommentiert) abspielen. Laufzeit 00:10 Minuten.
Aus News-Clip vom 15.03.2013.

Die Audienz in der Sala Clementina im Vatikan begann mit einer Schrecksekunde: Der Papst geriet kurz aus dem Tritt und stolperte. Er behielt aber das Gleichgewicht und fuhr unbeeindruckt mit seinem Programm fort.

Es war die erste Audienz von Papst Franziskus. Er empfing die Kardinäle in Rom. In seiner Ansprache bekräftigte Franziskus den missionarischen Auftrag. Attraktiv sei die christliche Wahrheit, sagte der Argentinier Jorge Mario Bergoglio am Freitag.

Dank den Würdenträgern

Zugleich betonte der 76jährige Papst die positive Bedeutung des Alters. Es sei der Sitz der Lebensweisheit, und auf Deutsch zitierte Franziskus den Dichter Friedrich Hölderlin (1770-1843): «Es ist ruhig das Alter – und fromm.» Der Papst appellierte an die überwiegend älteren Kardinäle, ihre Lebensweisheit an die junge Generation weiterzugeben.

Zudem dankte Franziskus den Würdenträgern, die er «Brüder» nannte, für ihre Verantwortung während der Sedisvakanz («leerer Stuhl Petri») und im Konklave. Ausserdem dankte er auch seinem Vorgänger, dem zurückgetretenen Benedikt XVI. Dieser habe die Kirche mit seinem grossen Glauben, seiner Demut und Milde bereichert.

Scharfe Töne aus dem Vatikan

Mit ungewöhnlich scharfen Worten reagierte dafür der Vatikan auf Medienberichte: Es handle sich um eine Diffamierungskampagne, sagte Vatikansprecher Federico Lombardi vor der internationalen Presse. Mit diesen Worten wies er Kritik an Bergoglios Verhalten während der Militärdiktatur (1976-1983) zurück.

Bergoglio habe damals viel getan, um Menschen zu schützen. Medienberichten zufolge soll Bergoglio sich damals nicht hinreichend für zwei Jesuitenpater eingesetzt haben. Diese kamen monatelang in Haft und wurden gefoltert.

In einer am Freitag in München veröffentlichten schriftlichen Stellungnahme betonte einer der beiden Patres: Er habe sich lange mit den Geschehnissen versöhnt und mit Bergoglio bereits vor vielen Jahren eine Messe gefeiert. Sie hätten sich umarmt. Der Pater lebt seit vielen Jahren in Deutschland. Der andere Pater starb im Jahr 2000 in Uruguay.

Mehr als 1000 Sicherheitskräfte

Zu den nächsten grossen Auftritten des ersten Papstes aus Lateinamerika ordneten die Behörden in Rom massive Sicherheitsmassnahmen an. Mehr als 1000 Sicherheitskräfte, darunter auch Scharfschützen, sollen nach Medienberichten eingesetzt werden.

Franziskus wird am kommenden Sonntag sein erstes Angelus-Gebet auf dem Petersplatz sprechen. Dazu werden Zehntausende auf dem weiten Areal vor dem Petersdom erwartet. Bereits am Samstag wird Franziskus eine Audienz für Journalisten geben – allerdings ohne Gelegenheit für Fragen.

Mehr als 100 Delegationen mit Staats- und Regierungschefs haben sich zum Einführungsgottesdienst für Franziskus am kommenden Dienstag auf dem Petersplatz angekündigt. Roms Bürgermeister Gianni Alemanno sagte, die Stadt bereite sich auf eine Million Pilger vor.

Legende: Video Porträt von Papst Franziskus abspielen. Laufzeit 01:15 Minuten.
Aus Tagesschau vom 14.03.2013.

Bergoglios Schwester zur Wahl

Jorge Mario Bergoglio wollte laut seiner Schwester gar nicht Papst werden. «Er liebt Buenos Aires und er hat es immer genossen, dort zu sein», sagte Maria Elena Bergoglio in Ituzaingo zu Journalisten. Sie wohnt in dem Vorort von Buenos Aires.

Bergoglios Gesicht habe nach seiner Wahl trotzdem Zufriedenheit ausgestrahlt, findet sie.

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10 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Muster, St. Gallen
    Ich habe kritisiert (siehe erster Kommentar unten), aber wer kritisieren kann, der soll auch loben können. Das mein erster Kommentar veröffentlicht, der Artikel aber auch angepasst wurde (wegen meiner Kritik oder auch nicht, das spielt meiner Meinung nach keiner Rolle) zeigt, dass sich hier jemand bzw. die Redaktion ernsthaft, selbstkritisch und ohne falschen Stolz mit der eigenen Arbeit befasst. Weiter so!
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  • Kommentar von Hanspeter Müller, Luzern
    Jedem Bundesrat lässt man die ersten 100 Tage vorbeigehen, bevor man seine "Arbeit" erstmals ins Visier nimmt. Geben wir dem neuen Papst angesichts seines umfangreichen Wirkungskreises doch 1 Jahr Zeit!
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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Schon zu Galileos Zeiten war es im Prinzip auch der Kirche bekannt, dass man sich geirrt hatte, aber man wollte um der Machtpolitik willen nicht klein beigeben. Wer verliert schon gern sein Gesicht? 3. Während der Urknall noch heute NICHT bewiesen ist, können Teile der Evolutionstheorie tatsächlich mit dem biblischen Schöpfungsbericht übereinstimmen. Wer die Bibel genau liest, kann z.B. erkennen, dass nach dem Sündenfall viele Tierarten durch eine Mutation zu Fleischfressern wurden.
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