Pariser Anschläge: Abdeslam hatte Fussballfans im Visier

Die belgische Staatsanwaltschaft hat den Hauptverdächtigen der Pariser Anschläge, Salah Abdeslam, wegen Mittäterschaft an terroristischen Morden angeklagt. Abdeslam sagte derweil aus, dass er sich am 13. November in Paris in die Luft sprengen wollte, jedoch einen Rückzieher machte.

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Abdeslam wehrt sich gegen Auslieferung

1:46 min, aus Tagesschau vom 19.3.2016

Der in Brüssel gefasste Paris-Attentäter Abdeslam hatte offenbar Fussballfans im Visier: Nach eigenen Aussagen wollte er sich beim Länderspiel Deutschland-Frankreich im November 2015 in Paris in die Luft sprengen, machte dann aber einen Rückzieher.

Dies teilte der französische Staatsanwalt François Molins in Paris mit. Das habe der 26-Jährige nach seiner Festnahme am Freitag in Brüssel den belgischen Ermittlern gestanden. Es sei allerdings noch Vorsicht angebracht gegenüber seinen Aussagen, schränkte Molins ein.

Sprengstoffgürtel stammt von Abdeslam

Zweifelsfrei gehen die Ermittler inzwischen davon aus, dass der zehn Tage nach den Anschlägen vom 13. November im Pariser Vorort Montrouge gefundene Sprengstoffgürtel - wie zunächst nur vermutet - tatsächlich von Abdeslam abgelegt wurde.

Ausserdem habe der 26-jährige Franzose mit einem Kleinwagen das Killerkommando zum Stade de France gefahren, sagte Molins. Dort sollten es während des Fussball-Länderspiels Frankreich-Deutschland im Stadion ein Massaker anrichten. Der fragliche Sprengstoffgürtel war in einem Mülleimer der Gemeinde Montrouge gefunden worden, die unmittelbar südlich an Paris grenzt. Dort in der Nähe - in Châtillon - war am Abend der Anschläge das Mobiltelefon von Abdeslam geortet worden.

Europäischen Haftbefehl ausgestellt

«Viele Fragen sind noch offen», ergänzte der Staatsanwalt zur Rolle Abdeslams. «Vor allem jene, die seine Präsenz am 13. November ab 22.00 Uhr im 18. Pariser Arrondissement betreffen, nachdem er das Stade-de-France-Kommando in einem Renault Clio abgesetzt hat, und warum er sich seines Sprengstoffgürtels in Montrouge entledigt hat.»

Frankreich hat einen europäischen Haftbefehl gegen Abdeslam erlassen, um dessen Auslieferung zu beschleunigen. Dieses Verfahren sei unkomplizierter und schneller als eine Ausweisung durch Belgien. Mit der endgültigen Entscheidung über die Überstellung Abdeslams von Belgien an Frankreich sei in zwei bis drei Monaten zu rechnen, so der Staatsanwalt weiter.

Gegen Auslieferung

Frankreich hatte nach der Festnahme von Abdeslam in Brüssel auf dessen rasche Auslieferung gedrängt. Es gebe keine politischen Einwände, sagte Belgiens Premier Charles Michel. Wegen rechtlicher Verfahren könne dies aber noch einige Wochen dauern.

Abdeslam und seine Verteidigung wollen eine Auslieferung verhindern. Der mutmassliche Attentäter sitzt mittlerweile im Gefängnis von Brügge.

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Pariser Staatsanwalt Molins informiert über Ermittlungen (franz.)

0:27 min, vom 19.3.2016

Abdeslam ist von der belgischen Staatsanwaltschaft wegen Mittäterschaft an terroristischen Morden angeklagt worden. Er will nach Angaben seines Anwalts mit den Ermittlern zusammenarbeiten.

Zu erhöhter Wachsamkeit aufgerufen

Auch gegen den mit Abdeslam festgenommenen Monir Ahmed Alaaj alias Amine Choukri sei Anklage erhoben worden, teilte die Staatsanwaltschaft mit.

Interpol rief derweil zu verstärkter Wachsamkeit an den Grenzen auf, da Komplizen Abdeslams nun versuchen könnten, aus Europa zu fliehen.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Pariser Attentäter in Brüssel gefasst

    Aus Tagesschau vom 18.3.2016

    Der Hauptverdächtige der Pariser Attentate vom letzten November, Salah Abdeslam, ist festgenommen worden. Bei einem Polizeieinsatz in Brüssel wurde der mutmassliche Attentäter auch verletzt.