Zum Inhalt springen

International Pariser Klimakonferenz geht in die kritische Phase

In Paris ringen die Teilnehmer der COP21 um ein neues Klimaabkommen – bislang ohne entscheidenden Erfolg. Bislang konnte noch kein einziger der grossen Streitpunkte aus dem Weg geräumt werden. Gastgeber Frankreich möchte trotzdem am Mittwoch einen neuen Vertragsentwurf präsentieren.

Teilnehmer der Klimakonferenz in Paris
Legende: Kritische Phase: Teilnehmer der Klimakonferenz in Paris Keystone

Nach zwei Verhandlungstagen haben die Minister auf der UNO-Klimakonferenz in Paris noch keinen einzigen grossen Streitpunkt aus dem Weg geräumt. «Wir sind jetzt in einer kritischen Phase», sagte Harjeet Singh von der Umweltschutzorganisation Action Aid. «Alles hängt miteinander zusammen.»

Die Ergebnisse aus vier Arbeitsgruppen sollten am Dienstagabend wieder dem sogenannten Paris-Komitee unterbreitet werden. Daraus soll dann ein neuer Textentwurf entstehen, den Frankreich am Mittwoch vorlegen möchte.

Frankreich will Einigung bis Donnerstag

Legende: Video UNO-Klimagipfel in der entscheidenden Phase abspielen. Laufzeit 1:53 Minuten.
Aus Tagesschau vom 07.12.2015.

Die französische Konferenzleitung hatte der Ministerrunde den ehrgeizigen Fahrplan vorgegeben, bis Donnerstag eine Einigung vorweisen zu können. Nach rechtlicher Überprüfung und Übersetzung in die sechs UNO-Amtssprachen möchte Frankreich dann am Freitag das erste weltweite Klimaschutz-Abkommen unterzeichnen lassen.

Beim zentralen Streitthema der Finanzhilfen für Entwicklungsländer gebe es Fortschritte bei kleineren Punkten, sagte ein Mitglied der deutschen Delegation. «Aber bei den grossen Fragen, etwa: Wer zahlt? – ist es noch offen.» Die Industrieländer pochen darauf, dass später zum Beispiel auch reiche Ölstaaten Geld für Klimaschutz und Anpassung an die Erderwärmung in den ärmeren Staaten geben.

Ab wann soll reduziert werden?

Umweltschützer fürchten, dass es der Vereinbarung in einem entscheidenden Punkt an Biss fehlen könnte. Weil die bisher vorgelegten Klimaziele der Länder nicht ausreichen, um die Erderwärmung wie geplant auf höchstens zwei Grad zu beschränken, sollte sie alle fünf Jahre überprüft und verschärft werden. Darüber herrscht in Paris weitgehend Einigkeit.

Offen sei aber aber das Startjahr, sagte die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks: ob 2018 oder 2019, wie es UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon vorgeschlagen habe, oder beispielsweise erst 2024, wie das einige Staaten es fordern. Für die Umweltschutzorganisationen ist das zu spät. «Die Opfer des Klimawandels können nicht zehn Jahre warten», sagte eine Vertreterin von Oxfam.

Vor der Klimakonferenz hatten 185 Staaten nationale Pläne eingereicht, wie sie zur Emissionsminderung beitragen wollen. Schätzungen zufolge reicht dies jedoch nur, um die Erderwärmung auf 2,7 Grad zu begrenzen, andere Prognosen kommen sogar auf mehr als 3 Grad. Als höchstens noch akzeptabel, um den Klimawandel in erträglichen Grenzen zu halten, gelten aber 1,5 bis 2 Grad.

Für ein ehrgeiziges Abkommen

Neben Regeln für die Klimaziele müssen sich die Delegationen auch auf die Klimafinanzierung einigen. Mit 100 Milliarden Dollar jährlich sollen ab 2020 die betroffenen Länder technisch und finanziell gegen den Klimawandel geschützt werden. Über die Aufteilung dieser Hilfe auf alle Staaten, ihren Möglichkeiten entsprechend, ist noch keine Einigung gefunden worden.

Die EU und 79 Länder aus Afrika, der Karibik und dem Pazifik forderten in einem demonstrativen Schulterschluss ein ehrgeiziges und verbindliches Abkommen, das auch ein klares langfristiges Klimaschutz-Ziel enthält. Nach Angaben mehrerer Europaparlamentarier laufen hinter den Kulissen auch intensive Gespräche zwischen den beiden grössten Treibhausgas-Verursachern USA und China.

Mehrere Initiativen

Während die Länderdelegationen um einen Vertragstext ringen, formieren sich zahlreiche Zusammenschlüsse und Initiativen, mit denen der Erderwärmung entgegengewirkt werden soll. So präsentierten Städte und Regionen aus aller Welt Massnahmen gegen den Klimawandel. Über 100 Grosskonzerne erklärten sich gewillt, ihren Treibhausgasausstoss zu senken.

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Auf die immer gestellte Frage, wo denn die "Erderwärmung" geblieben sei, hat El Nino bereits die Antwort gegeben. Und nachdem mittlerweile auch Boston und Miami regelmässig schon bei normaler Flut nasse Füsse bekommen, dürfte auch die Verneinung des Meeresspiegelanstiegs nicht mehr so häufig zu hören sein. Insofern hat Mutter Natur der Menschheit rechtzeitig zu Weihnachten in Paris ein Päckchen Realität vor die Haustür gestellt.Das wird aber leider,wie zu sehen, auch diesmal noch nicht reichen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Hans Leuenberger (hansle)
    Die Klimakonferenz geht nicht in die kritische Phase. Sie ist bereits seit Jahren in der kritischen Phase.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von F. Spälti (spf)
    Brutale Kriege, Bevölkerungsexplosion, Gifte in Böden und Wasser, brennende Tropenwälder, all dies interessiert in Paris niemanden. Man muss ja ein harmloses Gas zum Gift erklären. Das Co2, eigentlich das Gas des Lebens und die Grundlage für unsere Existenz! Was wollen diese Leute eigentlich?!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von • Meiler (/\)
      Wasser braucht man auch zum leben, denoch kann man auch darin ertrinken.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von M. Jaeger (jegerlein)
      Die ganze Hysterie basiert auf der Annahme dass das CO2 ein böses Gas ist. Wie Sie richtig bemerken wäre ohne CO2 kein Leben möglich! Es eignet sich aber scheinbar sehr gut um neue Steuern zu erfinden und eine Umverteilungsmaschinerie zu unterhalten und regelmässig Konferenzen abzuhalten auf Kosten der Steuerzahler. Die Klimahisteriker verhalten sich wie eine Sekte, vergleichbar mit den Inquisitoren im Mittelalter und ihre Kritiker müssen mit den schlimmsten Anfeindungen rechnen.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen