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Parlamentswahl in Italien Populisten erwarten Sieg

Alles deutet auf den Sieg der Koalition um Berlusconi hin. Stärkste Partei dürfte aber die Fünf Sterne-Bewegung werden.

Legende: Video Italien wählt neues Parlament abspielen. Laufzeit 1:52 Minuten.
Aus Tagesschau vom 03.03.2018.

Italien wählt am Sonntag ein neues Parlament. Erwartet wird ein Sieg der Mitte-Rechts-Koalition um den früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Doch die populistische Fünf-Sterne-Bewegung dürfte laut letzten Umfragen als stärkste Einzelpartei hervorgehen. Ein Rückschlag droht den regierenden Sozialdemokraten.

Mitte-Rechts-Allianz in Pole-Position

Berlusconi wählt am Sonntag in seiner Geburtsstadt Mailand. Der 81-jährige ist laut einem Medienbericht der Ansicht, dass sich noch viele unentschlossene Wähler dafür entscheiden werden, Forza Italia zu wählen.

Das Bündnis aus Berlusconis Forza Italia, der ausländerfeindlichen Lega, der rechtsextremen Partei Fratelli d'Italia und der Zentrumspartei «Wir mit Italien» könnte am Sonntag die meisten Stimmen bekommen.

Umfragen sehen sie bei rund 37 Prozent. Die Bündnispartner haben vereinbart, dass die Partei mit dem grössten Stimmenanteil Anspruch auf das Amt des Ministerpräsidenten hat.

Wettern gegen «Kaste der Berufspolitiker»

Rückenwind spürt auch die Fünf Sterne-Bewegung um den Komiker Beppe Grillo. Sie hofft auf über 40 Prozent der Stimmen, um die Regierungsverantwortung allein übernehmen zu können.

Laut Grillo stehen die Italiener vor der Wahl zwischen seiner Bewegung und Berlusconis Mitte-Rechts-Allianz. «Wir haben uns vorgenommen, eine Politkaste nach Hause zu schicken, die die Demokratie in unserem Land lahmlegt.»

Eine «Lawine» werde die Traditionsparteien überrollen und einen Neubeginn im Land in die Wege leiten, kündigte Grillo vor begeisterten Fans an. Der Erfolgsblogger setze sich gegen die «Kaste der Berufspolitiker», gegen Verschwendung im politischen System und gegen internationale Finanzlobbys ein.

Lieber Opposition als Regierung

Sozialdemokraten-Chef Matteo Renzi schloss in Florenz seine Wahlkampagne ab. Er warnte vor Extremisten an der Macht. «Wir könnten die stärkste Partei im Parlament sein.»

Doch es sei «besser in der Opposition als mit den Extremisten zu regieren», argumentierte er. Renzi dementierte, dass er den Parteivorsitz abgeben könnte, sollte er eine Niederlage hinnehmen müssen.

Kompliziertes neues Wahlsystem

Rund 46,4 Millionen Italiener sind am Sonntag aufgerufen, ein neues Parlament zu wählen. Die Wahllokale sind von 7 bis 23 Uhr geöffnet. Mit einem Ergebnis wird am Montag im Laufe des Vormittags gerechnet.

Die Italiener wählen erstmals mit einem neuen, «Rosatellum» genannten Wahlsystem, einem mühsam ausgehandelten Kompromiss unter den Parteien. Das neue Wahlsystem, das dieselben Regeln sowohl für die Abgeordnetenkammer als auch für den Senat vorsieht, ist eine Mischung aus Mehrheits- und Proporzsystem.

Ein Drittel der Parlamentssitze wird nach dem Mehrheitswahlrecht vergeben. Der meistgewählte Kandidat in einem Wahlkreis erhält den Sitz. Zwei Drittel der Parlamentssitze werden nach Verhältnissystem verteilt.

9 Kommentare

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  • Kommentar von Kerzenmacher Boris (zombie1969)
    Italien geht auch nach diesen Wahlen nicht unter. Für den Wähler ist es diesmal, im Verhältnis zu früheren Wahlen, wesentlich einfacher. Der Wähler wird sich aus drei etwa gleich starken Blöcken denjenigen auswählen, der ihm am ehesten entspricht. Die Unterschiede sind marginal. Da der Movimento 5 Stelle (M5S) sich bis jetzt geweigert hat eine Koalition mit anderen Parteien einzugehen und Verantwortung für den Staat zu übernehmen, wird es vermutlich zu einer "grossen" Koalition kommen.
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  • Kommentar von A. Keller (eyko)
    Armes Italien! Sie schaffen es einfach nicht eine solide Regierung zu schaffen die Bestand hatte. 70 Jahre, 63 Regierungen. 1020 Tage lang wirbelte Matteo Renzi als Premier die italienische Politik durcheinander. Damit hielt er sich gar nicht so schlecht. Über 20 Jahre hinweg zog Berlusconi mal als PM, mal aus dem Hintergrund – in Italien die Fäden. Und er mischt immer noch mit. Was ist mit den Italiener nur los? Berlusconi und 5 Stelle sind keine Lösungen, helfen dem Land nicht weiter.
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  • Kommentar von Rolf Künzi (Unbestimmt)
    Vieviel die Politik ohne das Volk wert ist, in einer Zeit wo die globale Hauptaufgabe nicht gelöst, gescheige denn angegangen wird - eine globale Handels- und Währungsreform die das Regionale und die Qualität nicht übersieht - kann man in jedem Land der Erde sehen und zur Zeit sind’s viele. Da hilft uns der übertriebene Ntionalsmus der Chinesen und Amerikaner auch nicht weiter. Somit kann man alle Jahre wieder auf in die Politik sehen und man ist informiert.
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    1. Antwort von Rolf Künzi (Unbestimmt)
      Und wenn die Mehrheit dies nicht erkennt/wahrhaben will dann geht der Weg halt über Handels- und Währungsstreit. Es gäbe aber auch einen freundlicheren Weg.
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