Parlamentswahl in Moldawien: Tauziehen zwischen Ost und West

Moldawien wählt am Sonntag ein neues Parlament. Dabei entscheidet die Republik über ihren zukünftigen Kurs: Das Land ist hin- und hergerissen zwischen einem Westkurs und einer engeren Bindung an Russland.

Ältere Frau im Wahllokal

Bildlegende: Mehr als drei Millionen Moldawier sind aufgerufen, über die Vergabe der 101 Parlamentssitze abzustimmen. Keystone

Die Ex-Sowjetrepublik liegt geografisch zwischen Rumänien und der Ukraine. Entsprechend politisch geteilt ist die Wählerschaft: Die pro-europäische Regierung der Ex-Sowjetrepublik hofft auf eine Fortsetzung ihrer EU-Annäherung. Die pro-russische Opposition will einer von Moskau dominierten Zollunion beitreten.

Pro-europäisches Lager leicht in Führung

Mehr als drei Millionen Wahlberechtigte stimmen über die Vergabe von 101 Parlamentssitzen ab. Die Wahllokale sind bis 20 Uhr geöffnet, erste Prognosen werden im Anschluss erwartet. Offizielle Ergebnisse sind für Montag angekündigt. Landesweit sind rund 2000 Wahllokale geöffnet, rund 4000 Polizisten sorgen für Sicherheit.

Laut Umfragen könnten fünf Parteien den Sprung über die Sechs-Prozent-Hürde schaffen. Leicht in Führung liegt das pro-europäische Lager. In dem kleinen Land mit 3,5 Millionen Einwohnern sind mehr als 300 Beobachter der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) im Einsatz.

Transnistrien boykottiert Wahl

Wenige Tage vor der Wahl rief der kurzfristige Ausschluss der pro-russischen Partei «Patria» internationale Kritik hervor. Die Wahlkommission schloss die Partei wegen illegaler Wahlkampffinanzen vor der Abstimmung aus. Eine Beschwerde der Partei lehnte das Oberste Gericht ab. Gemäss Umfragen hätte «Patria» bis zu 15 Prozent der Stimmen erhalten können.

Moldawiens Verhältnis zu Russland ist gespannt. Moskau hat das landwirtschaftlich geprägte Land mit Agrarsanktionen belegt. Zudem unterstützt es das abtrünnige Gebiet Transnistrien an der Ostgrenze. Transnistrien seinerseits boykottiert die Parlamentswahl in Moldawien.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Moldawische Volkstänzer in der Hauptstadt Chisinau.

    Moldawien: Traum von Anschluss an Europa

    Aus SRF 4 News aktuell vom 15.5.2014

    Moldawien, das ärmste Land Europas, das an die Ukraine und an Rumänien grenzt. Bis 1940 war Moldawien, oder Moldau, wie das Land offiziell heisst, Teil Rumäniens. Mit der Ukraine-Krise haben Wiedervereinigungsideen Konjunktur.

    Frage an Marc Lehmann: Wie verbreitet ist in Moldawien der Wunsch, sich mit Rumänien wiederzuvereinen?

    Anneliese Tenisch

  • Folgt auf die Krim nun Transnistrien?

    Aus Tagesschau vom 9.4.2014

    Auch im Südwesten der Ukraine, jenseits der Grenze, in Transnistrien, ist die Situation spannungsgeladen. Transnistrien gehört formal zu Moldawien, das einen pro-europäischen Kurs fährt - Transnistrien selbst möchte aber ein Teil Russlands werden.

  • Auch andere liebäugeln mit dem Seitenwechsel

    Aus Tagesschau vom 19.3.2014

    Nach der Krim signalisieren auch der Osten der Ukraine und das das von Moldawien abtrünnige Gebiet Transnistrien Interesse, sich Russland anzuschliessen. Experten rechnen allerdings nicht mit einer weiteren Eskalation.

  • Am Bahnhof der moldawischen Stadt Chisinau - Moldawien ist wie die Ukraine - nur anders: das Land hat sich FÜR Europa entschieden.

    West oder Ost? Moldawien ringt um die Zukunft des Landes

    Aus Echo der Zeit vom 10.12.2013

    Im Gegensatz zur Ukraine hat das viel kleinere Moldawien am EU-Gipfel Ende November beschlossen, sich der EU anzunähern und ein EU-Assoziierungs- und Freihandelsabkommen zu paraphieren. Die EU spricht von einer Erfolgsgeschichte.

    Doch der Fall der ehemaligen Sowjetrepublik Moldawien ist nicht so eindeutig.

    Simon Ciochina und Jutta Schwengsbier