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Parteikonsultationen in Rom Italien schiebt enorme Probleme vor sich her

Legende: Audio Italien braucht dringend eine Regierung abspielen.
2:04 min, aus HeuteMorgen vom 04.04.2018.

Ab heute empfängt Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella Vertreter aller Parteien, um mit ihnen die Bildung einer Regierung zu beraten. Weil keine Partei oder Koalition eine Mehrheit hat, rechnet niemand mit einem schnellen Erfolg. Allerdings würde Italien bald eine stabile und handlungsfähige Regierung brauchen. Denn vor allem in der Wirtschaft stehen wichtige und auch schwierige Entscheide an.

Ein Problem ist sozusagen im Anflug: Alitalia wurde zwar vor kurzem vom Staat mit einer kräftigen Finanzspritze erneut gerettet, doch bisher hat die Airline sämtliches Geld jeweils schnell verbrannt. Alle Experten sagen, dass sich das Problem Alitalia nur lösen lasse, wenn die Airline rasch und massiv Personal abbaue.

Gleiches gilt für die italienischen Banken. Zwar haben die meisten in den letzten Monaten faule Kredite abgebaut, doch noch immer unterhalten sie zu viele Filialen und beschäftigen zu viel Personal. Monte dei Paschi, das schwarze Schaf der Bankenbranche, schreibt zudem weiter Milliardenverluste.

Alitalia und Monte dei Paschi überleben nur dank dem staatlichen Tropf. Damit sie nicht weitere Löcher in die Staatskasse reissen, müsste die Regierung schnell und energisch eingreifen.

Getrübter Blick in die Zukunft

Aber auch sonst ist der Ausblick durchzogen. Zwar wächst die italienische Industrieproduktion vor allem dank der Exporte. Doch dieses Wachstum reicht nicht aus. Rund 180'000 Stellen in Industrie und Gewerbe bestehen nur deshalb weiter, weil der Staat ganz oder teilweise für die Löhne aufkommt.

Die nächste italienische Regierung muss rasch entscheiden, ob sie dafür erneut Milliarden aufwenden will und überhaupt darf. Konflikte mit Brüssel und der Kommissarin für Wettbewerb scheinen programmiert zu sein.

Auch das wohl grösste Problem Italiens wird nicht ohne die EU zu lösen sein. Bisher hat die Europäische Zentralbank alles darangesetzt, die Zinsen der am höchsten verschuldeten EU-Staaten, vorab Italiens, tief zu halten. Doch die Politik der tiefen Zinsen verliert in der EU an Rückhalt. Höhere Schuldzinsen aber würden sofort weitere Milliardenlöcher in der italienischen Staatskasse verursachen.

Italien schiebt enorme Probleme vor sich her. Deutschland konnte sich eine monatelange Regierungsbildung leisten. In Italien sieht das anders aus.

Franco Battel

Franco Battel

Italien-Korrespondent, SRF

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Franco Battel ist seit Anfang 2015 SRF-Korrespondent in Rom. Davor war er als Auslandredaktor für Italien, Mexiko, Zentralamerika, Kuba und Liechtenstein verantwortlich. Er berichtete zudem vom UNO-Sitz in Genf.

9 Kommentare

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  • Kommentar von L. Leuenberger (L.L.)
    Die EU steckt gewaltig in der Krise, die mit jedem Jahr nur noch tiefer wird.Länder wie IT und FR, die schon immer fast alles dem Staat abgegeben haben, spüren es enorm.Die EU-Staaten haben ihre EU-Parlamentarier zu bezahlen, dazu enorme Zahlungen in die Gemeinschaftskasse zu leisten.Eine vernichtende Euro-Politik,Korruption,die dank EU-Lobbyismus nur noch skandalöser geworden ist. Dazu kommen die EU-freundlichen Medien, die die Schönwetter-Stimmung verbreiten. Regional-Politik ist am verkommen.
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Nicht die EU ist das Hauptproblem sondern die Günstlingswirtschaft, die Mafia und, last but not least, die "menefrego"- Mentalität der Italiener.
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  • Kommentar von Charles Dupond (Egalite)
    Solange Italien nicht durch Misswirtschaft ruinierte Konzerne konkursiert oder verstaatlicht, den Teuro durch die Lira ersetzt, mit Teuerungsausgleich fuer Loehne und Renten abwertet, und die Steuern auf Arbeit und Verbrauch nicht durch die Tobintax ersetzt, werden die Probleme nur noch rasant enormer....
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser (jeani)
    Welcher EU Staat hat svhon "keine Probleme"? Das "Konstrukt EU ist zu kompliziert und zu träge" um wirklich vorwärts zu kommen! Beispiel Frankreich, spielt keine Rolle wär an der Macht ist, keine politische Kraft schafft es die Probleme zu "lösen"! Was sehr bedenklich ist!
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