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International Partystimmung und Tränengas

Während in Brasilien Tausende Fans ausgelassen und fröhlich den Auftakt der Weltmeisterschaft feiern, gehen auch andere Bilder um die Welt. Nur Stunden vor dem Anpfiff des Eröffnungsspiels ging die Polizei rigoros gegen Demonstranten vor.

Legende: Video Brutales Vorgehen der Polizei in Brasilien abspielen. Laufzeit 0:51 Minuten.
Aus News-Clip vom 12.06.2014.

In Brasilien hat die Fussball-Weltmeisterschaft begonnen. Tausende Fans strömten am Donnerstagvormittag (Ortszeit) zur Corinthians-Arena in São Paulo, wo die WM mit einer bunten Feier und dem Spiel Brasilien-Kroatien eröffnet wurde.

Tränengas gegen die Demonstranten

Überschattet wurde der Beginn von neuen Zusammenstössen. In Sao Paulo kam es zu gewalttätigen Protesten, bei denen es mehrere Verletzte gab. Die Polizei setzte Tränengasgranaten ein, einige Randalierer steckten vor zahlreichen laufenden Kameras Müll auf den Strassen in Brand.

Die Proteste hatten sich am Vormittag an der Metro-Station Carrão etwa zehn Kilometer vom WM-Eröffnungsstadion entfernt entzündet.

Maskierte Randalierer knickten Strassenschilder um, rissen Mülleimer aus den Halterungen und setzten den Müll in Brand. Zudem bewarfen sie Polizisten mit Steinen. Die Sicherheitskräfte gingen mit Schlagstöcken gegen die Demonstranten vor. Es kam zu Strassenschlachten. Die Aktion wurde von zahlreichen Journalisten begleitet, die mit Helmen und Schutzmasken ausgestattet waren.

In Rio de Janeiro sorgte ein Streik des Bodenpersonals der Flughäfen für Verärgerung. Wegen einer kurzzeitigen Blockade der zentralen Zufahrtsstrasse zu Rios internationalem Flughafen Galeão kam es zu kilometerlangen Staus. Einige Passagiere verpassten ihre Flüge. In der WM-Stadt Natal im Nordosten Brasiliens waren die Busfahrer im Streik. Nur 30 Prozent der Busse waren im Einsatz.

«Null Toleranz gegen Randalierer»

Präsidentin Dilma Rousseff hatte am Vortag klar gemacht, dass die Sicherheitskräfte keine Toleranz im Falle möglicher Krawalle zeigen werden. «Wir sind ein demokratisches Land, und wir respektieren das Recht der Menschen zu demonstrieren», sagte sie. Doch es werde nicht die «geringste Rücksichtnahme» gegenüber Randalierern geben. Die Regierung werde auch «die Sicherheit aller Touristen garantieren».

Unklar blieb, wie viele Randalierer sich an den Krawallen beteiligten. Nach unterschiedlichen Angaben waren es zwischen 50 und 300. Vermutlich bekamen aber die wenigsten WM-Fans in São Paulo von den Ausschreitungen direkt etwas zu spüren. Um das Eröffnungsstadion Arena Corinthians war Feststimmung angesagt. Tausende Fans waren schon am Vormittag zu dem Stadion gepilgert, um die WM-Eröffnung zu feiern.

«Keine Euphorie»

Trotz Partystimmung vor dem Anpfiff: Von WM-Euphorie mag SRF-Korrespondent Ulrich Achermann noch nicht reden. «Schuld daran ist die Regierung», sagt er. «Milliarden flossen in den Stadionbau, deutlich weniger Mittel flossen hingegen ins Gesundheitswesen oder in den öffentlichen Verkehr.»

Noch bei der WM-Vergabe vor sieben Jahren habe in Brasilien wirtschaftliche Aufbruchsstimmung geherrscht. «Die ist aber in der Zwischenzeit weitgehend verschwunden.» Brasilien bewegt sich nahe an einer Rezession. Grosse Teile der Bevölkerung seien daher über die grossen Ausgaben verärgert, so Achermann.

Buhrufe für Rousseff

Präsidentin Rousseff
Legende: Unter Druck: Präsidentin Rousseff reuters

Der Unmut vieler Brasilianer gegen die Regierung hat sich beim Eröffnungsspiel der Fussball-Weltmeisterschaft entladen. Viele der 60'000 Fans im Stadium in Sao Paulo skandierten Beschimpfungen gegen die anwesende Präsidentin Rousseff. Auch bei Liveübertragungen in Rio und Brasilia wurden Buhrufe laut, als Rousseff auf Grossbildschirmen erschien.

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16 Kommentare

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  • Kommentar von A.Huber, Hannover
    Fußball und andere Formen der Massenkultur sind in ihrer entfremdeten, kapitalistischen Ausprägung so nicht mehr verantwortbar.Da wird für die Spieler kein Hotel mehr gebucht, kein vorhandenes Fußballstadion genutzt... sondern gleich neu für Milliarden gebaut für ein paar Wochen.Hallo ¿ gehts noch? Militär und Polizei beschützen die Spieler; gleichzeitig wird der arme,zu recht proteststierende Bürger, niedergemetzelt.Das sind ja kriegsähnliche Situationen. Ich war Fußballfan.Macht ohne mich ...
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  • Kommentar von Alex Bauert, Bern
    Einem Mann, der von Polizisten 100 % unter Kontrolle gehalten wird, sprüht ein weiterer Polizist Tränengas aus nächster Nähe dirket in die Augen. Sicher einfache Körperverletzung, wenn das Augenlicht geschädigt wurde (sehr wahrscheinlich bei 20 - 30 Sekunden sprühen), schwere Körperverletzung - vorsätzlich. DAS ist die brasilianische Realität. Für die Wohlhabenden die WM, für die Superreichen via Korruption Riesenbauaufträge und für die Protestierenden Tränengas. Widerlich!
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  • Kommentar von alma lüscher, bern
    ball statt brot, korruption statt hilfe in der not. fairplay ist mehr schein als sein. da fragt man sich muss fussball sein. in den strassen mit büchsen, dagegen spricht nichts. mit lederbällen von kinderhänden genäht, gespielt von stars mit millionen salären, von den funktionären sprechen wir nicht, dafür können wir uns nur schämen und grämen.
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    1. Antwort von Roger Meier, Winterthur
      Hey Alma...das reimt sich :) Ja ich bin ganz Ihrer Meinung. Ich frage mich was in den Köpfen vieler Menschen in Entscheidungsträchtigen Positionen vorgeht und befürchte dass dort nur Schrott zu finden ist. Das tut weh..ich frag mich ob wir es anders machen würden? Die Spiele sind eröffnet, die Welt wieder (ab)gelenkt genug.
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    2. Antwort von Werner Christmann, Stein am Rhein
      Humbert: Totaler Realitätsverlust. Fussball Nebensache? Das ist ein Milliardengeschäft. Schauen sie sich mal die Gagen dieser Kicker an, die nicht einmal ihren Namen schreiben können. Und wem haben wir das zu verdanken? Richtig! Unserer wunderbaren EU. Da hat einmal so ein Kicker geklagt, weil er gesperrt wurde weil er einen Vertrag nicht einhalten wollte. In Brüssel hat er recht bekommen. Seit diesem Zeitpunkt sind alle finanziellen Dämme gebrochen.
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    3. Antwort von B. Küng, Biel
      Christmann, Ihren Hass gegen die EU wird langsam pathologisch. Jetzt soll die EU auch noch schuld an der ganzen Misere im Fussball sein?! An den Missständen im Fussball sind einzig die FIFA, die UEFA und die Klubs verantwortlich. Die unanständig hohen Gagen werden von den Klubs bezahlt und bei den Fussballorganisationen, allem voran bei der FIFA, grassiert die Korruption. Mit dem allem hat die EU gar nix zu tun, gell?
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    4. Antwort von Werner Christmann, Stein am Rhein
      Lieber Herr Küng: Offensichtlich sind sie mit der Materie Fussball nicht vertraut. Macht ja nichts, sie können trotzdem ihre Meinung dazu abgeben (kann ja jeder seinen Senf zu irgend einem Thema verbreiten wo er keine Ahnung hat). Am liebsten mit Fakten, ansonsten einfach bleiben lassen. Aber unterlassen sie bitte persönliche Angriffe mir gegenüber.
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