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International Pegida-Chef nimmt den Hut

Nach im Internet aufgetauchten Fotos in Hitler-Pose tritt Pegida-Chef Lutz Bachmann zurück. Gegen den Organisator der Anti-Islam-Bewegung ermittelt die Staatsanwaltschaft zudem wegen des Verdachts auf Volksverhetzung.

Pgida-Gründer Lutz Bachmann.
Legende: Gegen den Organisator der Anti-Islam-Bewegung ermittelt nun die Staatsanwaltschaft Dresden. Keystone

Nach einer Welle der Empörung über ein «Hitler-Foto» und ausländerfeindliche Äusserungen ist Pegida-Chef Lutz Bachmann beim islamkritischen Bündnis von allen Ämtern zurückgetreten. Das sagte Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur.

«Es tut mir leid, dass ich damit den Interessen unserer Bewegung geschadet habe, und ziehe daraus die Konsequenzen», erklärte Bachmann, der zu den Gründern der Gruppierung gehört, am Abend.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Bachmann

Die Staatsanwaltschaft Dresden hatte am Mittwoch Ermittlungen wegen des Verdachts der Volksverhetzung gegen Bachmann aufgenommen. Dabei geht es um von ihm stammende Facebook-Posts mit ausländerfeindlichen Beleidigungen.

Legende: Video Pegida fügen sich mit Murren abspielen. Laufzeit 01:40 Minuten.
Aus Tagesschau vom 19.01.2015.

Sie waren am Dienstag im Internet verbereitet worden und enthalten menschenverachtende Bezeichnungen wie «Viehzeug», «Gelumpe» und «Dreckspack» in Bezug auf Ausländer. Ausserdem geriet Bachmann wegen eines selbst geschossenen und verbreiteten Fotos mit Hitler-Bärtchen und -Scheitel in den eigenen Reihen unter Druck.

Pegida stellt sich gegen eigenen Gründer

Die «Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes» (Pegida) demonstrieren seit Wochen in Dresden und haben inzwischen in vielen deutschen Städten Ableger. Ihnen war immer wieder vorgeworfen worden, Ressentiments gegen Ausländer zu schüren. Pegida hat dies stets bestritten.

«Die jetzt bekannt gewordenen Facebook-Postings Lutz Bachmanns vom September weisen wir als Verein aufs Schärfste zurück», erklärte Oertel. «Sie tragen nicht dazu bei, Vertrauen zu den Zielen und Protagonisten von Pegida zu entwickeln.» Bachmann ergänzte in einer schriftlichen Mitteilung: «Ich entschuldige mich aufrichtig bei allen Bürgern, die sich von meinen Postings angegriffen fühlen. Es waren unüberlegte Äusserungen, die ich so heute nicht mehr tätigen würde.»

Hitler-Selfie: «sich selber auf die Schippe nehmen»

Zuvor hatte der Pegida-Cheforganisator bei «Bild» die Echtheit des Hitler-Fotos bestätigt und als Scherz bezeichnet. «Ich hatte das Foto zur Veröffentlichung des Satire-Hörbuchs von ‹Er ist wieder da› beim Friseur geknipst und Christoph Maria Herbst auf die Pinnwand gepostet», sagte der 41-jährige Pegida-Gründer und Cheforganisator. «Man muss sich auch mal selbst auf die Schippe nehmen.»

Schauspieler Herbst liess über seinen Anwalt mitteilen, er habe keine eigene Seite bei Facebook und das Foto auch nicht «geliked» oder ähnliches, wie Bachmann behaupte.

Heftige Kritik – von links bis rechts

Politiker verschiedener Parteien hatten mit Empörung auf Bachmanns Äusserungen und das «Hitler-Foto» reagiert. «Der Wolf hat seinen Schafspelz abgelegt. Wer jetzt noch bei Pegida mitläuft, darf sich nicht herausreden, er habe über die rassistischen Hintergründe dieser Aufmärsche nichts gewusst», erklärte die Linke-Innenpolitikerin Ulla Jelpke. SPD-Chef Sigmar Gabriel sagte der «Bild»: «Wer sich in der Politik wie Hitler maskiert, ist entweder ein ziemlicher Idiot oder ein Nazi. Jeder sollte sich überlegen, ob er solchen Rattenfängern hinterher läuft.»

Die rechtskonservative AfD begrüsste Bachmanns Rücktritt. «Er hat mit seinen traurigen Äusserungen und ekelhaften Scherzen die Menschen von Pegida, die getrieben von ehrlichen Sorgen auf die Strasse gehen, beschämt», sagte Sprecher Christian Lüth. Die AfD hatte in den vergangenen Wochen Kontakt zur Pegida-Bewegung gesucht. Einer öffentlichen Begegnung mit Bachmann war die AfD-Spitze jedoch aus dem Weg gegangen.

Lutz Bachmann: eine schillernde Figur

Nach Morddrohungen von Islamisten befindet sich Bachmann unter Polizeischutz. Wegen der Terrorgefahr hatte die Dresdner Polizei die für vergangenen Montag geplante Pegida-Kundgebungen und alle weiteren öffentlichen Versammlungen in der Stadt untersagt. Bachmann hatte die Anhänger des Bündnisses deshalb zur Teilnahme an der Kundgebung des Leipziger Pegida-Ablegers am Mittwochabend aufgerufen.

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42 Kommentare

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  • Kommentar von c.jaschko, Bern
    Mich verwundert nichts mehr über Deutschland. Ich habe schon vor 20 Jahren selber gesehen „ Kinder“ die unter den normalen Klamotten ein Hitler t-Shirt getragen haben auf West-Deutschen-Haupt-Schulen :-) Wie kommen Kinder die kein Bankkonto haben an das Hitler Zeug habe ich mich damals gefragt :-) Um die Sache noch verrückter zu machen: Damals gab es auch kein Internet, 56k Modem war eine Weltneuheit die erst viel später im Verkauf erhältlich war :-) Na, ja: jeder soll so seine Fans haben :-)
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  • Kommentar von S.Solenthaler, Thurgau
    ... da ist es dann anscheinend auch ganz egal, dass das Scherzfoto auf der Facebook-Pinnwand des Schauspielers Christoph Maria Herbst anlässlich der Veröffentlichung des Satire-Hörbuchs “Er ist wieder da!” zu sehen war – eine lustige Hitler-Persiflage. Das sah auch der Autor so und konnte gemeinsam mit Lutz Bachmann über dessen Schnappschuss lachen, der bei einem Friseurbesuch entstand, kurz bevor das Überbleibsel der Rasur dem Friseur zum Opfer fiel.
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  • Kommentar von Andreas Remark, D - Überlingen
    Bachmann abgestürzt, Pegida-Demos mit immer weniger- und Gegendemos mit immer mehr Zulauf... Es kommt Freude auf!
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