Pegida marschiert wieder in Dresden

Die Flüchtlingskrise in Europa bringt Pegida Zulauf: Rund 9000 Personen haben in Dresden an der Montagabend-Kundgebung des fremdenfeindlichen und antiislamischen Bündnisses teilgenommen. Auch in anderen deutschen Städten gingen Pegida-Anhänger auf die Strasse.

Video «Pegida-Anhänger demonstrieren in Dresden» abspielen

Pegida-Anhänger demonstrieren in Dresden (unkomm.)

0:23 min, vom 13.10.2015

Am Montagabend haben sich in Dresden erneut tausende Menschen an einer Demonstration der antiislamischen Pegida-Bewegung beteiligt. Nach Schätzungen der Gruppe Durchgezählt versammelten sich bis zu 9000 Menschen auf dem Theaterplatz vor der Semperoper.

«Merkel muss weg»

Der Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann wies in seiner Rede auf das einjährige Bestehen von Pegida in der kommenden Woche hin. Die deutsche Bundesregierung bezeichnete er als «unsere Berliner Diktatoren» und kritisierte deren Flüchtlingspolitik. Eine «Kehrtwende» sei dringend erforderlich. Es müsse unattraktiver werden, in Deutschland Asyl zu beantragen.

Einen Auftritt gab es auch für die ehemalige Hamburger Politikerin der Partei Alternative für Deutschland (AfD), Tatjana Festerling. Sie warf der deutschen Kanzlerin Angela Merkel vor, aus Deutschland ein «riesiges Dschungelcamp» gemacht zu haben. Den Zuzug von Flüchtlingen und Asylsuchenden bezeichnete sie als «Ansturm der Invasoren».

Menschen stehen herum, es sind Deutschlandfahnen und Transparente zu sehen, auf einem steht «Hochverrat».

Bildlegende: Rund 9000 Anhänger der Pegida haben in Dresden ihren Unmut zum Ausdruck gebracht. Reuters

Die Teilnehmer riefen in Sprechchören «Abschieben, abschieben», «Wir sind das Volk» und «Merkel muss weg». Ein Plakat mit Merkel als Mutter Teresa war überschrieben mit «Mutter Terrorresia», andere Schilder wandten sich gegen «Deutschenhasser», «Asylmafia» oder «Politikerpack».

250 Gegendemonstranten in Dresden

Erstmals seit längerem regte sich in Dresden wieder nennenswerter Gegenprotest: Etwa 250 Demonstranten stellten sich den Pegida-Anhängern entgegen. Die Polizei hielt die beiden Lager auf Distanz, als der Pegida-Zug wenige Meter von etwa 250 Gegendemonstranten entfernt vorbeizog. Beide Seiten beschimpften sich. Pegida-Gegner bezogen mit Pfiffen und Trillerpfeifen Stellung gegen Fremdenhass.

Auch in Leipzig und Chemnitz gingen Anhänger der örtlichen Pegida-Ableger auf die Strasse. Allerdings versammelten sich dort jeweils nur einige hundert Teilnehmer.

Ein Mann in Lederjacke spricht in ein Mikrofon.

Bildlegende: Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann. Reuters

Flüchtlingskrise bringt Pegida Zulauf

Als sich Pegida Ende Januar im Streit um ihren Mitbegründer Bachmann spaltete und anschliessend zunehmend radikalisierte, wurde es ruhiger um das Bündnis. Doch in den letzten Wochen verzeichnet die Bewegung wieder einen verstärkten Zulauf.

Gegen Bachmann ist eine Anklage der Staatsanwaltschaft Dresden wegen Volksverhetzung hängig. Ihm wird vorgeworfen, im September vergangenen Jahres auf seiner Facebook-Seite Kriegsflüchtlinge und Asylbewerber unter anderem als «Gelumpe» und «Viehzeug» beschimpft zu haben.

1 Jahr Pegida

Pegida steht für «Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes». Seit einem Jahr geht die Bewegung in ihrer Hochburg Dresden nahezu wöchentlich auf die Strasse und macht Stimmung gegen Muslime, Flüchtlinge und Medien. Zu ihren Hochzeiten versammelte die Bewegung Anfang des Jahres jeweils bis zu 25'000 Anhänger.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Pegida

    Aus Rundschau vom 28.1.2015

    Selbsternannte europäische Patrioten demonstrieren jede Woche gegen die vermeintliche Islamisierung des Abendlandes. „Wir sind das Volk“ skandieren sie in Anlehnung an die Protestmärsche, die letztlich mit zum Ende der DDR beitrugen. Wer sind die Leute, die Islam und Zuwanderung fürchten und eine strenge Abschiebungspolitik fordern? Die Rundschau-Reportage aus Dresden.