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International Per Autopilot ins Ungewisse

Die südtürkische Hafenstadt Mersin ist zum Zentrum des Menschenschmuggels nach Europa geworden. Für horrende Summen werden Syrien-Flüchtlinge auf Frachter gepfercht. Die Schlepper-Mafia schickt sie dann ins Ungewisse – vermehrt auch per Autopilot, wie Journalist Thomas Seibert berichtet.

Rund 800‘000 Menschen leben zurzeit in der südtürkischen Hafenstadt Mersin. Ein Zehntel davon sind syrische Flüchtlinge. Der Zustrom hält weiter an, wie Journalist Thomas Seibert erzählt.

Die Flüchtlinge treffen zum einen auf sehr grosse Hilfsbereitschaft. Es werden Nahrungsmittel gespendet und Wohnraum zur Verfügung gestellt. Zum anderen bleiben Spannungen nicht aus. Denn mit den Ansturm aus Syrien sind die Mieten gestiegen.

Dazu kommt laut Seibert der Lohndruck, weil sich viele der bitterarmen Flüchtlinge als Taglöhner auf dem Bau und in der Landwirtschaft für Hungerlöhne verdingen. Einige Syrer haben zudem Läden eröffnet und unterbieten die Preise.

Schlepper springen rechtzeitig ab

Mersin mit dem grossen Seehafen bietet sich als Flüchtlingsumschlagplatz geradezu an: Die Stadt ist auf dem Landweg nur 150 Kilometer von der Grenze zu Syrien entfernt. Es gibt zudem genügend Schiffe, die von der Schmuggelmafia aufgekauft werden können. Der Menschenschmuggel läuft über Telefonnummern, die unter der Hand weitergereicht werden.

Schlepperboot
Legende: Ein Fischerboot mit Flüchtlingen wird Anfang Dezember 2014 vor Mersin aufgebracht. Imago/Archiv

Für mehrere tausend Dollar pro Kopf werden die Ausreisewilligen dann in kleineren Fischerhäfen ausserhalb der Stadt gesammelt und mit Booten aufs offene Meer gefahren. Dort warten die Frachter für den Transport nach Italien.

«Die Mannschaft stellt das Schiff dann häufig per Autopilot auf den Kurs Italien oder auf internationale Schifffahrtslinien und sucht das Weite», stellt Seibert fest. In der Hoffnung, die Küstenwache in Italien oder ein Kreuzfahrtschiff würden das Schiff schon finden und müssten gemäss internationalem Seerecht Hilfe leisten.

Viele wollen zurück in die Heimat

Es wollen allerdings nicht alle in Mersin gestrandeten Flüchtlinge nach Europa weiterreisen. Für viele ist es zwar eine Option, allerdings ist es auch sehr teuer und für die meisten unerschwinglich. «Die allermeisten, die ich getroffen haben, wollen zurück, wenn der Krieg in ihrer Heimat vorbei ist». so Seibert.

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3 Kommentare

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  • Kommentar von Rolf Bolliger, Orpund
    Jeder einigermassen sachlich denkender Leser dieses Beitrags, ist schockiert: Was diese kriegerischen Auseinandersetzungen, Religions-Terrorismus oder diktatorische Machthaber für Nachfolge-Katastrophen anrichten, ist unbeschreibbar! Die daduch entstandenen Flüchtlings-Ströme werden zu eigentlichen Völkerwanderungen. Gauner und skrupellose Ausbeuter bauten eine "Flüchtlings-Industrie" auf. Sie betreiben dieses "Geschäft" mit abscheulicher Macht- und Geldgier und setzen dazu Menschenleben ein!
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    1. Antwort von Hans Valer, Luzein
      Völkerwanderungen hat es schon immer gegeben. Die Gründe sind mannigfaltig. Hingegen ist es nicht richtig, vom sicheren Hort aus mit Kanonen auf Spatzen zu schiessen.
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    2. Antwort von R. Pöber, Basel
      Klar ist das Elend gross. ABER: möglichst alle werden aus dem Meer gerettet, das wissen Schlepper und Flüchtlinge. Und dort, wo sie ankommen kann/darf man sie nicht abweisen und das wissen auch alle. Ergo besteht kaum Risiko, dass es nicht funktioniert. Was ich mich immer frage: Woher haben die Leute aus Erithrea, Syrien etc. so viel Geld, dass sie die angeblich horrenden Summen für die Schlepper bezahlen können.....????
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