Petition gegen ultraorthodoxe Juden

Ultraorthodoxe Juden stossen mit ihren Spezialansprüchen immer wieder auf Widerstand bei säkularen Israelis. So haben Frauen eine Petition lanciert, welche die Fluggesellschaft El Al auffordert, Strenggläubige bei Problemen nicht mitfliegen zu lassen.

Einige an ihren Hüten und Kleidung erkennbare Ultraorthodoxe  Männer unter freiem Himmel.

Bildlegende: Ultraorthodoxe Juden während eines Neujahrsrituals am Strand von Tel Aviv: Sie bleiben meist unter sich. Reuters

Ultraorthodoxe Juden leben nach strengen Regeln: Diese betreffen ihre Kleidung, ihr Essen, ihr Verhältnis zur weltlichen Gesellschaft. In Israel stossen die Ultraorthodoxen deshalb immer wieder auf Widerstand, vor allem wenn sie ihre speziellen Ansprüche in der israelischen Gesellschaft durchsetzen wollen.

Passagierin beharrt auf ihrem Platz

Der jüngste Fall: Eine Israelin hat sich auf einem Flug mit der israelischen Airline El Al geweigert, ihren Platz zu räumen, weil ein Ultraorthodoxer nicht neben ihr sitzen wollte. Dass ein Strenggläubiger nicht neben einer Frau sitzen will ist kein Einzelfall und oft kommt es deswegen zu Verspätungen. Nun lancierten Israelinnen eine Petition an die Fluggesellschaft mit der Aufforderung, ultraorthodoxe Juden nicht mitfliegen zu lassen, sollten sie im Flugzeug Probleme machen.

«Ganz neu ist den Leuten ein solcher Vorfall nicht», sagt Gisela Dachs. Die Journalistin lebt in Tel Aviv. Normalerweise sei es so, dass sich Frauen in solchen Situationen bereit erklären würden, einen neuen Platz im Flugzeug suchen. Nun aber habe sich in einem speziellen Fall eine Frau dieser Aufforderung eines Ultraorthodoxen nicht gefügt. Dies ganz bewusst in der Absicht, dadurch eine Diskussion in der israelischen Gesellschaft auszulösen.

Oberstes Gericht entscheidet gegen Partikularinteressen

Grundsätzlich gebe es nur wenige Berührungspunkte zwischen Ultraorthodoxen und weltlichen Israelis, erklärt Dachs. «Sie haben ihre eigenen Schulen, ihre eigenen Wohnviertel.» Konflikte gebe es etwa in gewissen Buslinien, die ihre Viertel durchquerten oder in der Frage, ob am Shabbat Autos durch ihre Viertel fahren dürfen.

Doch: «Wenn an den Grundfesten gerüttelt wird, reagiert das säkulare Israel immer wieder sehr stark», sagt die Journalistin. Dabei habe sich das Oberste Israelische Gericht als grösster «Feind» der Strenggläubigen herausgestellt. Etwa, als es 2012 entschied, dass auch ultraorthodoxe Juden Wehrdienst leisten müssen. Wenn es um Grundfragen gehe, urteile das Gericht meist im Sinne, dass die Grundrechte für alle Israelis gelten.

Zwar will die Fluggesellschaft El Al auf die Petition nicht eingehen und keine Regeln erlassen, wie in Fällen von renitenten Ultraorthodoxen umzugehen sei. Doch immerhin löste die Petition in den israelischen Medien ein grosses Echo aus.

Ultraothdoxe Juden

Nur rund fünf bis acht Prozent der Israelis sind strenggläubige Juden. Sie leben in eigenen Stadtvierteln oder Dörfern. Während sich die Männer oft einzig der religiösen Studien widmen, gehen ihre Frauen zur Arbeit. Ultraorthodoxe Paare haben im Durchschnitt sieben Kinder. Der Shabbat (Samstag) ist ihnen heilig.