Pferdefleisch in der Lasagne: Briten sind «not amused»

Der Skandal um als Rind deklariertes Pferdefleisch in Grossbritannien nimmt kein Ende: Nach neuen Untersuchungen enthielten als Rindfleisch-Lasagne gekennzeichnete Produkte eines grossen Herstellers bis zu 100 Prozent Pferdefleisch. Die Regierung will jetzt die Lebensmittelstandards prüfen.

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Krisensitzung wegen Pferdefleisch-Skandal.

1:33 min, aus Tagesschau vom 11.2.2013

Nach Gesprächen mit Herstellern und Vertretern der britischen Lebensmittel-Aufsichtsbehörde FSA sagte der britische Umweltminister Owen Paterson, dass es weitere schlechte Nachrichten geben könnte. Erst Ende kommender Woche erwarten die Behörden darüber Klarheit, in welchem Umfang Pferdefleisch in Fertigkost gelangt ist.

Die FSA warnte davor, die Produkte zu essen. Zwar bestehe nach derzeitigem Stand keine Gesundheitsgefahr. Das Fleisch werde aber auf mögliche Überreste von Medikamenten geprüft.

Seit Tagen kommen neue Details ans Licht. Tausende Menschen haben ohne ihr Wissen Pferdefleisch gegessen. Es sei «sehr wahrscheinlich», dass hinter dem Skandal kriminelle Aktivitäten steckten, so die FSA.

Bis zu 15 EU-Länder betroffen

Die Behörde FSA  verpflichtete Firmen, ihre Rindfleisch-Produkte zu testen. Mehrere Supermärkte haben Produkte aus den Regalen genommen, die betroffen waren. Begonnen hatte der Fall Mitte Januar mit dem Fund von Pferdefleisch-Spuren bei irischen Herstellern. Auch andere europäische Länder sind betroffen.

Die Lasagne stammen von der schwedischen Firma Findus. Proben haben gezeigt: Zum Teil war bis zu 100 Prozent Pferdefleisch in dem Fertigprodukten enthalten. Die Herstellerin ist die französische Firma Comigel, die bis 15 weitere EU-Länder beliefert. Comigel macht ihrerseits einen rumänischen Lieferanten für die Kontamination verantwortlich.

Findus Schweiz hat nichts mit der schwedischen Findus zu tun. Das Unternehmen in der Schweiz gehört zu Nestlé, der schwedische Ableger gehört einer skandinavischen Investorengruppe.

Regierung schaltet sich ein

Der Pferdefleisch-Skandal in Grossbritannien hat Premierminister David Cameron auf den Plan gerufen. Eine Cameron-Sprecherin nannte den erneuten Fund von Pferdefleisch in Rindfleisch-Produkten «sehr widerlich» und sprach von kriminellem Verhalten.

Die britische Regierung kündigte an, ihre Lebensmittelstandards zu überprüfen. Ein Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung gebe es aber nicht. In Grossbritannien bewegt der Skandal die Gemüter. Anders als etwa in der Schweiz ist der Verzehr von Pferdefleisch in Grossbritannien und Irland tabu.

Am Donnerstag war bekanntgeworden, dass in Rindfleisch-Lasagnen des Tiefkühlanbieters Findus Pferdefleisch-Anteile gefunden wurden. Findus leitete daraufhin einen Rückruf der Waren ein.

Ebenfalls ohne Deklaration mit Pferdefleisch versetzte Produkte wurden davor bereits in britischen Filialen der Supermarktketten Aldi, Lidl, Iceland und Co-operative Group entdeckt. Seit Wochen ermitteln die Behörden wegen ähnlicher Funde beim heimischen Branchenprimus Tesco und bei Burger King.