Pieth: «Ich sehe Probleme bei einer WM-Neuvergabe»

Im Korruptionsskandal um die Vergabe der WM 2022 in Katar denkt die Fifa laut über eine Neuvergabe des Austragungsortes nach. Laut Anti-Korruptionsexperte Mark Pieth ist die laufende Untersuchung lobenswert. Eine Neuvergabe sieht er aber als juristische Herausforderung.

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Pieth zur WM 2022

1:53 min, aus Tagesschau vom 2.6.2014

Kurz vor dem Anpfiff zur Fussball-Weltmeisterschaft in Brasilien will die Fifa ihre Untersuchung zur Vergabe der WM 2022 in Katar beenden.

Fifa-Präsident Sepp Blatter und den Emir von Katar.

Bildlegende: Fifa-Präsident Sepp Blatter und der Emir von Katar bei der Vergabe für die WM 2022 im Dezember 2010. Keystone

«Nach Monaten der Vernehmung von Zeugen und des Sammelns von Material wollen wir diese Phase bis zum 9. Juni beenden und anschliessend binnen etwa sechs Wochen einen Bericht an die Rechtskammer senden», teilte der Untersuchungsausschuss der Ethikkommission des Fussball-Weltverbandes mit.

Die Fifa hatte zuletzt laut über eine Neuvergabe des Austragungsortes nachgedacht.

Katar hat angekündigt, alle nötigen Schritte einzuleiten, um «die Integrität der Bewerbung Katars zu verteidigen». Das Organisationskomitee Katars fügte zudem an, dass sich ihre Anwälte mit dem Fall beschäftigten.

«  Sollten sich die Vorwürfe erhärten, müsste man sich eine Neuvergabe ernsthaft überlegen. »

Mark Pieth
Korruptionsexperte

Für Mark Pieht, Strafrechtsprofessor und Anti-Korruptionsexperte, ist die laufende Untersuchung der Fifa ein positives Signal. Aber, fügt er in der «Tagesschau» an: «Die Fifa könnte in ihren Grundfesten erschüttert werden.»

Sollten sich die Vorwürfe über den Korruptionsskandal erhärten, müsste man sich ernsthaft eine Neuvergabe überlegen. «Als Jurist sehe ich darin gewisse Probleme. Wenn man ohne Beweise eine Neuvergabe machen will, könnte Katar die Fifa einklagen.»

Die nötigen Beweise zu beschaffen, könnte Jahre dauern, mutmasst Pieth. Bis dahin hätten bereits die Bauarbeiten für das grosse Sportereignis begonnen.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Korruptionsverdacht um Katar2022 erhärtet

    Aus Tagesschau vom 1.6.2014

    Man musste kein Fussballexperte sein, um sich zu wundern, bei der Vergabe der WM 2022 an Katar auf der arabischen Halbinsel. Jetzt erhärtet sich der Verdacht, dass Kàtar die WM tatsächlich nur dank Schmiergeldern bekommen hat.

  • Blatter bezeichnet WM in Katar als Fehler

    Aus Tagesschau vom 16.5.2014

    Die Fussball-Weltmeisterschaft von Katar, welche im Jahr 2022 stattfinden soll, steht unter einem schlechten Stern. Nun hat Fifa-Präsident Sepp Blatter zum ersten Mal zugegeben, die Vergabe der WM nach Katar sei ein Fehler gewesen. Durch unzumutbare Arbeitsbedingungen, viel zu heisses Klima und dem Vorwurf, durch gekaufte Stimmen die Wahl gewonnen zu haben, geriet das Projekt unter Beschuss.