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Weihnachts-Farce Pinochet-Schergen bitten um Vergebung – vergeblich

Das Wichtigste in Kürze

  • Beteiligte an der Diktatur von Augusto Pinochet haben sich bei den Opfern entschuldigt.
  • Sie nutzten dafür eine private religiöse Zeremonie im Gefängnis «Punto Peuco»
  • Die Opferangehörigen kritisierten dies als Farce.
  • Vor dem Gefängnis demonstrierten Dutzende Opferangehörige gegen die Zeremonie.

Ein Pastor, eine Handvoll Gefangene und eine religiöse Feier in einem luxuriösen Spezialgefängnis. So schaut derzeit Reue von früheren Pinochet-Diktatur-Vertretern in Chile aus. Etwa Hundert von ihnen sitzen wegen Entführungen, Folter und Mord in «Punto Peuco» ein.

2007: Ex-General Raul Iturriaga ist in Santiago, Chile, von Polizisten umringt. Ein Journalist hält ihm ein Mikrophon vor den Mund.
Legende: Die Empörung der Opfer-Angehörigen gilt Männern wie ihm: Ex-General Raul Iturriaga, hier bei seiner Verhaftung im August 2007 in Santiago. Er war Leiter der Geheimpolizei DINA und befehligte mehrere Mordkommandos. Er war zudem berüchtigt für den sexuellen Missbrauch von Oppositionellen in den von ihm geleiteten Internierungslagern. Reuters

Neun von ihnen haben nun erstmals in der Geschichte Chiles die Angehörigen der Diktatur-Opfer in einer privaten, religiösen Zeremonie um Vergebung gebeten.

Zu den neun reuigen Häftlingen gehört auch Raúl Iturriaga, der während der Pinochet-Diktatur (1973 bis 1990) eine führende Rolle in der politischen Polizei hatte. Er war bekannt und berüchtigt für seine brutale Verfahrensweise mit Gefangenen in seinen geheimen Internierungslagern.

«Gott tut in diesem Land etwas Aussergewöhnliches», sagte der anglikanische Pastor Pablo Álvarez nach der Zeremonie vor Journalisten über die Entschuldigungen. «Das wäre bis vor kurzem nicht möglich gewesen.» Bei den Adressaten der Entschuldigung kamen diese Bemühungen allerdings anders an.

Luxus-Knast soll schliessen

Vor dem Gefängnis demonstrierten Dutzende Opferangehörige gegen die Zeremonie. Aus ihrer Sicht handelt es sich bei den Entschuldigungen nur um eine hohle Geste, mit denen die Inhaftierten eine Begnadigung oder eine vorzeitige Haftentlassung erwirken wollten.

Die Angehörigen hoben hervor, dass keiner der Verurteilten Informationen zum Verbleib von etwa tausend Menschen geliefert habe, die seit der Pinochet-Diktatur vermisst werden und vermutlich ermordet wurden. Die Demonstranten forderten überdies die Schliessung des Luxusgefängnisses «Punto Peuco».

Pinochet entkam der Justiz

Während Pinochets Herrschaft wurden mehr als 3000 mutmassliche Regierungsgegner getötet oder sie verschwanden. Etwa 38'000 Menschen wurden gefoltert. Pinochet starb im Jahr 2006, ohne von der Justiz zur Rechenschaft gezogen worden zu sein.

Die "Tagesschau" vom 30.12.1973 hat die Bilder jenes geschichtsträchtigen Jahres 1973 in Chile in einem informativen Beitrag gezeigt:

Legende: Video 11.9.73: Militär-Putsch in Chile - wie Pinochet begann abspielen. Laufzeit 5:22 Minuten.
Vom 24.12.2016.

5 Kommentare

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  • Kommentar von Juha Stump (Juha Ilkka Stump)
    Was oben gesagt wird, stimmt zwar zum grössten Teil, aber es ist auch unüberhörbar, dass sozialistische Propaganda dahintersteckt. Tatsache ist, dass Chile unter Allende ein Alliierter der UdSSR geworden war und dass hinter ihm radikale Kräfte nur darauf warteten, dass sie ihn stürzen konnten. Nicht vergessen: Es herrschte immer noch der Kalte Krieg, auf Kuba sass der Zündler F. Castro immer noch fest im Sattel. Ein weiterer roter Staat mehr wäre für Lateinamerika gefährlich gewesen.
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    1. Antwort von Thomas Mann (Freidenkerin)
      Warum sind rote Staaten für Lateinamerika gefährlich? Wem hat el Commandante denn was zu Leide getan? 9/11 ist für die Chilenen auch ein schlimmes Datum, schon lange vor NY. Der CIA unterstützte Putch eines fair gewählten Präsidenten und die folgenden Jahre der Schreckensherrschaft waren grausam. Sozialismus ist nicht per se schlecht.
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Pinochet genoss die schützende Hand seiner mächtigen Helfershelfer. Dazu gehören namentlich Kissinger und ein ganze Kompagnie Berater aus CIA- und ehemaligen NS-Kreisen. Sogar eine Anklageerhebung wurde von UK als Pudel der USA unter fadenscheinigen Argumenten verhindert. Es wäre daher zu billig, wenn jetzt schlimmer Schlächter und Folterer so billig wegkämen. Da fühlt man sich als Opfer oder Angehöriger dieser zu Recht missbraucht.
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    1. Antwort von Harald Buchmann (Harald_Buchmann)
      Guter Punkt der leider einmal mehr unerwaehnt bleibt in einem Artikel von SRF. Wenn sich die Planer in den USA entschuldigen wuerden, dann waere es eine echte Sensation.
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    2. Antwort von Juha Stump (Juha Ilkka Stump)
      H. Buchmann: Auf eine Entschuldigung aus dem sozialistischen Lager für alle Verbrechen auf ihrer Seite warten wir bis heute umsonst. Nicht einer hat nach der Wende von 1989 irgendeine Reue gezeigt, auch nicht der chilenische KP-Chef Luis Corvalán, den Pinochet 1976 nach Moskau ausreisen liess. Und warum konnte E. Honecker ausgerechnet nach Chile ausreisen? Weil gerade in Allendes Regierungszeit die Fäden gesponnen worden waren. "Ewige Freundschaft mit der DDR!" - so hiess es damals.
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