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Politik gegen Krypto-Währungen Darum verbieten asiatische Staaten den Bitcoin-Handel

Legende: Audio China und Südkorea greifen gegen Bitcoins durch abspielen. Laufzeit 04:10 Minuten.
04:10 min, aus Rendez-vous vom 12.01.2018.

Der koreanische Justizminister hat am Donnerstag ein Gesetz gegen den Handel mit Krypto-Währungen angekündigt. Die chinesische Regierung hat dasselbe bereits im Herbst getan. Doch warum stören sich gerade asiatische Staaten an Bitcoin und Co.? Und könnte auch in der Schweiz bald ein solches Verbot kommen? Die vier wichtigsten Fragen und Antworten.

Wieso wollen Korea und China den Handel mit Krypto-Währungen verbieten? Spekulationen mit Bitcoin und Co. sind in Korea sehr beliebt. Die Koreaner haben im Dezember so viel in Bitcoin investiert wie die US-Amerikaner – obwohl dort sechsmal so viele Menschen leben. Sie sind so begeistert von Bitcoin, dass sie oftmals überrissene Preise dafür zahlen. Dieser Aufschlag, oft bis zu 20 Prozent mehr, wird in Medienberichten in Anlehnung an das koreanische Nationalgericht auch als Kimchi-Prämie bezeichnet. Die Regierung will das unterbinden oder zumindest stärker kontrollieren. China hingegen befürchtet, dass die Krypto-Währungen zu Kapitalflucht führen und dass Drogenhandel und Terrorfinanzierung damit betrieben werden. Darum hat der chinesische Staat schon im Herbst ein Verbot eingeführt.

Warum will China nun auch Bitcoin-Mining verbieten? Mining ist äusserst rechenintensiv und verbraucht entsprechend viel Strom. Schätzungen gehen davon aus, dass alle Bitcoin-Minen gemeinsam so viel Strom verbrauchen wie einzelne Staaten. Für eine Mine lohnt sich das Geschäft nur bei günstigen Strompreisen. Das hat dazu geführt, dass sich viele Minen in China angesiedelt haben. Dem will China jetzt einen Riegel vorschieben – zumindest in einigen Provinzen.

Legende:
Stromverbrauch im Vergleich zum aktuellen Jahres-Verbrauch durch Bitcoin So viel Strom verbrauchen verschiedene Staaten. China als grösster Stromverbraucher der Welt passt mit einem Verbrauch von 5920 TWh nicht in die Grafik. CIA World Factbook 2014

Was würde das für Bitcoin bedeuten? Möglicherweise werden die chinesischen Anbieter ins nahegelegene Ausland ausweichen. Sollte sich der Ausfall nicht kompensieren lassen, werden andere Minen weltweit einspringen. Das Bitcoin-Netzwerk sollte aber in der Lage sein, einen Ausfall zu kompensieren, indem es die Anforderungen für die Rechenleistung dynamisch anpasst.

So funktioniert Bitcoin-Mining

So funktioniert Bitcoin-Mining
Eine Bitcoin-Mine führt die Buchhaltung der digitalen Währung und hält alle Transaktionen fest. Diese Buchhaltung wird gleichzeitig in tausenden Minen weltweit geführt und ein ausgeklügelter Mechanismus garantiert, dass alle Minen immer auf dem gleichen Stand sind. Für die zur Verfügung gestellte Rechenleistung erhalten die Minen neue Bitcoins.

Könnte ein solches Verbot bald auch in der Schweiz kommen? Nein, denn der Ansturm in Südkorea ist nicht mit der Schweiz vergleichbar. Südkorea hatte bis jetzt überhaupt keine Regulierungen. In den meisten Ländern gelten bei den Online-Wechselstuben ähnliche Auflagen wie bei den Banken. Das heisst, wenn ich ein Konto für Krypto-Währungen eröffne, muss ich mich mit Pass und Bankauszug ausweisen. In der Schweiz beobachtet die Finanzaufsichtsbehörde Finma den Markt, vor allem, wenn ein Start-Up eine neue digitale Währung lanciert, schaut sie, dass nicht gegen geltendes Recht verstossen wird, und schreitet bei Bedarf ein.

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4 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Dupont (udupont)
    Genau, Herr Wenger. Bitcoin ist leider völlig ohne staatliche Kontrolle. Hinter den Bitcoins steckt nur heisse Luft und wird nach Belieben von einigen wenigen Grossspekulanten manipuliert. Z.Z. wird 86.74% (spekulativer aktueller Wert ca. 203 Mia. USD) von 0.52% der Wallets (Bitcoinkontis) beherrscht, wovon einige noch den gleichen Spekulanten gehören dürften. Der totale Crash wird kommen so sicher wie das Amen in der Kirche, dann gibt es sehr wenige Supergewinner und zig Mio. Verlierer.
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  • Kommentar von Hannes Wenger (Lammfleisch)
    Ist doch völlig logisch, dass all die Staatenlenker und Notenbanker die Kryptowährungen verbieten wollen. Denn im Gegensatz zu den offiziellen Landeswährungen lassen sich Bitcoin & Co nicht einfach manipulieren und kontrollieren. Da hat die Machtelite natürlich etwas dagegen. Ähnlich wie Gold, dessen Besitz in der Geschichte immer wieder von totalitären Regimes verboten wurde, da man es nicht nach Lust und Laune lastwagenweise drucken kann wie Euros oder Dollars oder Reichsmark.
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    1. Antwort von Robert Meier (R. Meier)
      Ich widerspreche Ihnen nicht. Allerdings ist der Stromverbrauch aufgrund von Kryptowährungen schon immens. Das sollte nicht unterschätzt werden - vor allem in der jetzigen Zeit. Dieser Verbrauch müsste eigentlich durch grüne Politiker schon längst viel stärker erwähnt werden, aber die haben leider oftmals nicht das Fachwissen dazu.
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    2. Antwort von Toni Waldberg (Anton)
      Vom Energieverbrauch und -Verschwendung abgesehen: Kann jemand Parallelen zu holländischen Tulpanenzwiebel sehen? Rebellische, antiautoritäre Technokraten und eine autoritäre Teknokratie ohne Kontrolle? Wie viel sollte ein BTC denn Wert sein? Ponzi Schema in der man hofft ein Anderer bezahlt mehr als man bezahlt hat? Und: Diesmal ist es anders.
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