Politveteran vs. Menschenrechtler: Die Kandidaten im Kurzporträt

Die Tunesier entscheiden in einer Stichwahl über ihren zukünftigen Präsidenten. Zur Wahl treten der Politveteran Beji Essebsi und der Menschenrechtler und Übergangspräsident Moncef Marzouki an. Wer sind sie?

Der frühere Regierungspräsident Beji Essebsi

Bildlegende: Der frühere Regierungspräsident Beji Essebsi Reuters

Beji Caid Essebsi

Essebsi ist mit einem Alter von 88 Jahren ein wahrer Politikveteran. Seine Partei Nidaa Tounes, die liberale und säkulare Kräfte, aber auch Anhänger des gestürzten Machthabers Zine el Abidine Ben Ali vereint, gewann im Oktober die Parlamentswahlen mit gut 39 Prozent der Stimmen.

Bei der Präsidentenwahl hat er Umfragen zufolge die besten Chancen. Nach der tunesischen Jasminrevolution war Essebsi von März bis Dezember 2011 bereits Ministerpräsident. Der Jurist sieht sich als Erbe des Staatsgründers Habib Bourguiba.

In dem Städtchen Sidi Bou Said nahe der Hauptstadt Tunis am 29. November 1926 geboren, schloss sich der Angehörige wohlhabenden einer Familie 1942 Bourguibas Kampf für die Unabhängigkeit an. Später wurde er Berater des Präsidenten, Chef der Staatssicherheit und Innen-, Aussen- und Verteidigungsminister.

Tunesiens Übergangspräsident Moncef Marzouki

Bildlegende: Tunesiens Übergangspräsident Moncef Marzouki Reuters

Moncef Marzouki

Marzouki engagierte sich lange Jahre international für Menschenrechte. Der 69-Jährige reiste als Jugendlicher nach Indien, um mehr über Gandhis gewaltlosen Widerstand zu lernen. Später zog es ihn nach Südafrika, wo die Anti-Apartheids-Bewegung stärker wurde.

In Frankreich studierte er Medizin und bekam 1973 den Doktortitel. Sechs Jahre später kehrte er nach Tunesien zurück und wurde Professor an der Universität in der Küstenstadt Sousse. In einem Armenviertel rief er ein medizinisches Zentrum ins Leben und wurde Gründer eines afrikanischen Netzwerks gegen Kindesmissbrauch.

Wegen seiner Opposition zu Machthaber Ben Ali durfte er ab 1992 nicht mehr an staatlichen Universitäten lehren, mehrmals wurde er ins Gefängnis gesteckt. Später ging er ins französische Exil. Marzouki warnt vor einem Machtmonopol der Nidaa Tounes, sollte Essebsi Präsident werden. Zugleich sucht er die Nähe von Islamisten und verärgert damit viele Tunesier.