Polizei fahndet nach Schützen von Ferguson

Die Todesschüsse auf einen dunkelhäutigen Teenager hat die Polizei noch ausgesessen. Erst die Rassismusvorwürfe brachen dem Chef der Truppe das Genick. Doch mit dem Rücktritt ist das Problem keineswegs ausgestanden. Letzte Nacht wurden zwei Beamte angeschossen. Der Täter ist auf der Flucht.

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Wieder Gewalt in Ferguson

1:02 min, aus Tagesschau vom 12.3.2015

Bei einer erneuten Demonstration in der US-Kleinstadt Ferguson sind in der Nacht zum Donnerstag zwei Polizisten angeschossen worden. Die beiden Beamten wurden im Verlaufe von Protesten vor der Polizeiwache von Ferguson durch die Schüsse schwer verletzt.

Polizisten in Kampfmontur und gezogenen Waffen gehen hinter einer Mauer in Deckung

Bildlegende: Die Schüsse fielen kurz vor Mitternacht und lösten ein Chaos aus. Keystone

Polizisten bei Bewusstsein

Die 41 und 32 Jahre alten Männer seien trotz der schweren Verletzungen bei Bewusstsein, sagte der Polizeichef des Bezirks St. Louis. Der eine Polizist sei im Gesicht, der andere an der Schulter getroffen worden.

Seinen Angaben zufolge wurden mindestens drei Schüsse abgefeuert, als sich die Demonstration gerade auflöste. «Die Polizisten standen da und wurden angeschossen – einfach nur, weil sie Polizisten waren», sagte der Polizeichef.

Der Fernsehsender CNN zeigte unscharfe Videobilder, auf denen Demonstranten wegrennen, als Schüsse zu hören sind. Polizisten gehen mit gezogenen Waffen am Boden in Deckung.

«Demonstranten sind nicht verantwortlich»

Ein Augenzeuge sagte CNN, die Schüsse seien aus einiger Entfernung hinter einer Gruppe von Demonstranten abgefeuert worden. «Die Demonstranten dafür verantwortlich zu machen, wäre total ungerecht», sagte er.

Wer die Schüsse abgab, ist unklar. Die Suche nach dem Schützen verläuft bisher erfolglos. TV-Sender zeigten Bilder einer Spezialeinheit, die ein Haus nur wenige Strassenblocks vom Tatort entfernt umstellten und versuchten, über das Dach einzudringen. Mehrere Menschen seien von der Polizei befragt worden, in Gewahrsam befinde sich aber niemand.

Hintergrund der neuen Demonstrationen war die Ankündigung des Rücktritts des Polizeichefs von Ferguson, Thomas Jackson. Die Demonstranten wollten diese Nachricht auf der Strasse feiern. Am Mittwochabend zogen etwa 100 von ihnen vor die Polizeizentrale. Sie trafen dort auf Polizisten in Kampfausrüstung, die das Gebäude abgeriegelt hatten.

Landesweite Unruhen

Thomas Jackson wird sein Amt am 19. März abgeben. Dies sagte Fergusons Bürgermeister James Knowles. Der Schritt sei eine «gemeinsame Entscheidung» der Polizei und der Stadt.

Jackson war nach Todesschüssen auf den afro-amerikanischen Teenager Michael Brown massiv in die Kritik geraten. Der Todesschütze Darren Wilson – der nach eigenen Angaben aus Notwehr handelte – wurde nicht angeklagt. Die Schüsse des weissen Polizisten auf den unbewaffneten Teenager lösten im Sommer 2014 landesweite Empörung und Unruhen in Ferguson aus.

Nach dem jetzt angekündigten Rücktritt des Polizeichefs blieb die erhoffte Entschärfung der Situation allerdings aus.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Die Ereignisse in Ferguson erhalten nationale Aufmerksamkeit, denn Ferguson steht für die Zustände in vielen anderen Städten der USA. Und in Ferguson ist noch lange keine Ruhe eingekehrt.

    Keine Ruhe in Ferguson

    Aus Echo der Zeit vom 12.3.2015

    Bei einer Demonstration in Ferguson im US-Bundesstaat Missouri sind in der Nacht auf Donnerstag zwei Polizisten durch Schüsse schwer verletzt worden.

    Am Vorabend waren Demonstrierende vor die Polizeizentrale gezogen, um den Rücktritt des Polizeichefs zu feiern und trafen dort auf Polizisten in Kampfausrüstung.

    Priscilla Imboden