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International Polizei vertreibt Mursi-Anhänger aus Moschee

In Ägyptens Hauptstadt haben Polizei und Armee offenbar die von Demonstranten besetzte Al-Fateh-Moschee gestürmt. Zudem ermitteln die Behörden gegen 250 Unterstützer der Muslimbrüder.

Legende: Video «Mehr und mehr können wir drei Gruppierungen beobachten» abspielen. Laufzeit 00:50 Minuten.
Aus Tagesschau vom 17.08.2013.

Soldaten stürmten die Al-Fateh-Moschee in Kairo. Laut Augenzeugen sind Polizei und Armee in die Moschee eingedrungen, nachdem sie vom Minarett der Moschee aus beschossen worden sind. Während der Schiesserei rannten Dutzende Menschen in Panik ins Freie.

In der Moschee hatten sich mehrere hundert Anhänger der Muslimbrüder verschanzt. Die Polizei hatte die Menschen in der Moschee mehrfach aufgefordert, das Gebäude zu verlassen. Trotz stundenlangen Verhandlungen folgten nur wenige dieser Aufforderung.

Bei den Verhandlungen geht es unter anderem darum, ob die Demonstranten anschliessend von der Polizei verhört werden sollen oder nicht. Eine Frau, die sich in der Moschee aufhielt, erklärte: Die Menschen in dem Gotteshaus verlangten, dass sie nicht festgenommen und vor Angriffen von verfeindeten Gruppen geschützt würden, die vor der Moschee Stellung bezogen hatten.

Frauen sei im Gegensatz zu den Männern freies Geleit versprochen worden, sagte sie. Doch die Frauen wollten die Moschee nicht verlassen und die Männer allein zurücklassen.

250 Unterstützer festgenommen

Die Behörden nahmen zudem am Samstagabend einem Medienbericht zufolge gegen 250 Unterstützer der Muslimbrüder fest. Die Regierung legt ihnen Mord, versuchter Mord und Terrorismus zur Last.

Legende: Video «Der alte Polizeistaat kehrt zurück» abspielen. Laufzeit 00:49 Minuten.
Aus Tagesschau vom 17.08.2013.

Auch zu den Ereignissen vom Vortag – dem «Freitag der Wut» veröffentlichte die Regierung Zahlen: Demnach starben bei den Protesten 173 Menschen. Sanitäter und Ärzte hätten zudem 1330 Verletzte gezählt. 1004 «Elemente» der Muslimbruderschaft seien in Gewahrsam genommen worden. Ihnen werden terroristische Handlungen während der Demonstrationen vorgeworfen.

Gewalt auch in den Provinzen

Das ägyptische Nachrichtenportal youm7 meldete unter Berufung auf Ärzte, alleine in der Hafenstadt Alexandria seien bei Ausschreitungen zwischen gewaltbereiten Demonstranten und der Polizei am Freitag und in der Nacht 25 Menschen getötet worden. Die Ärzte zählten rund 100 Verletzte. In Kairo, Al-Arisch und mehreren Provinzen im Nil-Delta waren während der Proteste und Angriffe der Islamisten auf öffentliche Gebäude am Freitag etwa 80 Menschen getötet worden.

Der bislang blutigste Tag in Ägypten seit der Entmachtung Mursis war der vergangene Mittwoch. Bei der Räumung zweier Protestlager der Islamisten und Unruhen im ganzen Land kamen nach offizieller Darstellung mindestens 578 Menschen ums Leben.

Muslimbrüder wollen weiterhin protestieren

Das Vorgehen der Sicherheitskräfte wurde international scharf verurteilt. Ägypten werde aber keinerlei Einmischung von aussen akzeptieren – egal von welchem Land, teilte das Aussenministerium mit.

Ungeachtet der neuen Zusammenstösse wollen die Muslimbrüder ihre Protestaktionen in den nächsten Tagen fortsetzen. Erklärtes Ziel der Bruderschaft ist die Wiedereinsetzung des Anfang Juli vom Militär entmachteten islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi. Die Übergangsregierung gab ihren Sicherheitskräften grünes Licht, auf gewaltbereite Demonstranten zu schiessen.

Sendungsbeitrag zu diesem Thema

Proteste in Bern

Am Samstag haben zirka hundert Mursi-Anhänger in Bern demonstriert. Die Kundgebung richtete sich gegen die «barbarische Tötung von Zivilisten», wie der Leiter des Islamischen Zentrums Genf schrieb. Die Polizei nahm wegen eines Streits vier Männer fest. Organisiert hatte die Demonstration die West- und Südschweiz aktive Liga der Muslime der Schweiz.

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