Polizeichef von Rotherham tritt zurück

In der nordenglischen Stadt waren über 1400 mehrheitlich minderjährige Mädchen vor allem sexuell missbraucht worden. Die Polizei war von allen Seiten kritisiert worden,

Polizeistation in Rotherham

Bildlegende: Der örtlichen Polizei in Rotherham wird vorgeworfen, nicht genug eingegriffen zu haben. Keystone

Der oberste Polizeichef der nordenglischen Stadt Rotherham ist nach langem, öffentlichem Druck zurückgetreten. Er werde seinen Posten als gewählter Police Commissioner räumen, erklärte Shaun Wright.

Damit richte sich das öffentliche Interesse nicht länger auf ihn, sondern auf die mindestens 1400 Opfer des Missbrauchs. Wright war eine Zeit lang für das Jugendamt von Rotherham zuständig gewesen.

Eine unabhängigen Untersuchung hat ergeben, dass jahrelang tausende Mädchen in der Stadt von Banden entführt, vergewaltigt, verprügelt und brutal misshandelt worden waren. In einigen Fällen hatte die Polizei nicht eingegriffen.

Bis zuletzt am Posten festgehalten

Polizeichef Wright war in den letzten Wochen von allen Seiten kritisiert worden, unter anderem vom britischen Premierminister David Cameron und von den Familien der Opfer. Er hatte bis zuletzt an seinem Posten festgehalten. Er habe von den Missbrauchsfällen nichts gewusst, sagte er.

Von Gangs zur Prostitution gezwungen

Nun sei es aber an der Zeit, zurückzutreten, damit die Justiz ohne Ablenkung arbeiten könne – «um der Opfer willen, um der Öffentlichkeit in South Yorkshire willen.» Es müsse nun alles getan werden, um die Missbrauchsfälle aufzudecken.

Im vergangenen Monat hatte eine Untersuchung gezeigt, dass eine grosse Anzahl von Kindern – vor allem Mädchen in Pflegeheimen – von Gangs in der Stadt sexuell missbraucht worden war.

Dabei handelt es sich laut Bericht um 1400 Opfer. Dies sei «konservativ geschätzt», hiess es. Manche der Mädchen waren auch in andere nordenglische Städte verschleppt und Gruppen zur Vergewaltigung angeboten worden.

Mehr Opfer melden sich

Der Bericht stellte auch fest, dass Kinder mit Waffen bedroht und gezwungen wurden, bei Vergewaltigungen zuzuschauen. Manche wurden gar mit Benzin überschüttet und gewarnt worden, man würde sie anzünden.

Derweil melden sich immer mehr Opfer, die bisher geschwiegen hatten. Der grossangelegte Missbrauch soll 16 Jahre lang gedauert haben. Kinderschutzbehörden und Polizei hätten die Opfer und ihre Eltern nicht ernst genommen und kollektiv versagt, hiess es. Waren in Rotherham 2010 noch drei Ermittler mit den Kindesmissbrauch-Fällen beschäftigt gewesen, sind es nun inzwischen 62.