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Präsidentenwahl in Kolumbien Früherer Guerillero zieht in Endrunde ein

Legende: Audio Das alte System in Kolumbien wankt abspielen. Laufzeit 01:34 Minuten.
01:34 min, aus HeuteMorgen vom 28.05.2018.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei den Präsidentenwahlen in Kolumbien erreichte keiner der Kandidaten das Absolute Mehr.
  • Es kommt zu einer Stichwahl am 17. Juni.
  • Der Rechtskonservative Iván Duque und der Linke Gustavo Petro werden dabei antreten.
Iván Duque
Legende: Die meisten Stimmen holte Iván Duque vom rechtskonservativen Centro Democrático. Keystone

Es ist das erste Mal, dass die demokratische Linke den Sprung in eine Stichwahl schafft. Gustavo Petro mobilisierte viele Junge mit dem Versprechen, die soziale Ungleichheit in Kolumbien zu bekämpfen und in Bildung und Gesundheit zu investieren.

Petros Imageproblem

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Mit Petro könnte aus Kolumbien eine Art Venezuela werden, schüren die Gegner Ängste. Angst vor Enteignungen und Verstaatlichungen, sagt SRF-Korrespondentin Karen Naundorf. In seiner ersten Ansprache nach der Wahl hat Petro auch versucht, dagegen anzureden.

Der frühere Guerillero schaffte den Einzug in die Endrunde aber nur hauchdünn vor dem Grünen Sergio Fajardo. Der Mathematiker Fajardo hatte als Bürgermeister von Medellín mitgewirkt, die ehemalige Gewaltmetropole zu befrieden. Er geniesst den Ruf eines soliden Politikers. Der brillante Redner Petro punktete aber stark in ländlichen Gebieten – und zog schliesslich ganz knapp an Fajardo vorbei.

Als Steigbügelhalterin der Guerilla diskreditiert

Die meisten Stimmen holte Iván Duque vom rechtskonservativen Centro Democrático. Mit 39 Prozent aller Stimmen fiel sein Erstrundenergebnis aber unter den Erwartungen aus. Duque steht dem Friedensabkommen der Farc-Guerilla im Gegensatz zu Herausforderer Petro kritisch gegenüber. Statt Amnestie fordert er Haft für die Farc-Kommandanten.

Was bedeutet Duque für den Friedensprozess?

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«Duque wäre tatsächlich sehr heikel», sagt SRF-Korrespondentin Karen Naundorf. Der Friedensprozess mit den Farc-Guerillas könnte ins Wanken geraten. Vor dem Wahlkampf hatte sich Duque mehrmals gegen den Friedensprozess ausgesprochen. Im Wahlkampf selbst sagte er, er wolle nachjustieren. Das sei aber nicht so einfach, so Naundorf. Er wüde nämlich Kernthemen angehen, etwa das Thema der Sonderjustiz oder die politische Beteiligung. Für die Farc wäre eine Änderung in diesen beiden Punkten aber absolut nicht akzeptabel. Denn: Sie hatten ja die Waffen niedergelegt, um eben mit den Worten zu kämpfen.

Mit dem Frieden mit der Farc ist in Kolumbien ein neues politisches Szenario entstanden. Im Kampf um die Macht kann die demokratische Linke erstmals ein gewichtiges Wort mitreden. Die dominierenden konservativen Kräfte hatten sie jahrzehntelang als Steigbügelhalterin der Guerilla diskreditiert – und zum Teil verfolgt. Heute wankt das alte System; deren Kandidaten landeten mit sieben und zwei Prozent aller Stimmen auf den letzten Plätzen.

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